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Das Vermächtnis einer 12-Jährigen

Es gibt wahrlich schönere Anlässe für eine Spendensammlung. Doch richtet man den Blickwinkel etwas weniger auf den Auslöser als auf das Ergebnis dieser Sammlung, dann ist Erstaunliches zu berichten. Denn Schüler, Lehrer, Schulpersonal und selbst die Feuerwehrkameraden aus Sohland haben dafür gesorgt, dass Victoria ein nachhaltiges Vermächtnis hinterlässt.
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Schüler Lukas Grabowski (Oberschule Sohland), Schulleiter Bernd Kreibich, Victorias Mutter Steffi Adler und Schüler Finn Schönfeld aus der Grundschule aus Wehrsdorf  übergaben am Donnerstag die gesammelten Spenden an Antje Herrmann, Geschäftsführerin des Sonnenstrahl e.V. (v.l.n.r.). Der hohe Betrag soll auf Wunsch von Victorias Mutter zukünftig in den Bereich der Musik- und Kunsttherapie investiert werden, weil das junge Mädchen während ihrer Therapie leidenschaftlich gern gemalt und musiziert hat.

Schüler Lukas Grabowski (Oberschule Sohland), Schulleiter Bernd Kreibich, Victorias Mutter Steffi Adler und Schüler Finn Schönfeld aus der Grundschule aus Wehrsdorf übergaben am Donnerstag die gesammelten Spenden an Antje Herrmann, Geschäftsführerin des Sonnenstrahl e.V. (v.l.n.r.). Der hohe Betrag soll auf Wunsch von Victorias Mutter zukünftig in den Bereich der Musik- und Kunsttherapie investiert werden, weil das junge Mädchen während ihrer Therapie leidenschaftlich gern gemalt und musiziert hat.

Ihr wurde im Juli 2015 die schlimmste aller Dignosen gestellt, die man sich bei einem jungen Mädchen vorstellen kann: Krebs. Steffi Adler sagt über ihre Tochter: „Victoria war eine sehr beliebte Schülerin am Immanuel-Kant-Gymnasium in Wilthen, sie hatte viele Freunde und tolle Hobbys. Besonders leidenschaftlich widmete sie sich dem Akkordeonspiel.“ Doch am 22. Juli des Jahres 2015 zog sich ein tiefer Riß durch ihr Leben. Schon vor diesem Tag klagte sie des öfteren über Rückenschmerzen. Viele Untersuchungen wurden durchgeführt, doch eine Ursache ließ sich nicht erkennen. Eine seltene Art von Krebs Als die Schmerzen unerträglich werden, führt man am 21. Juli 2015 schließlich eine sogenannte MRT (Magnetresonanztomographie) durch, das junge Mädchen wird in die umgangssprachliche „Röhre“ geschoben. „Da ist zum ersten Mal sichtbar geworden, dass meine Tochter etwas an der Wirbelsäule hat“, sagt die Mutter. Zusammen fliegen sie sofort nach Berlin, hier wird Victoria während einer Not-OP Gewebe entnommen und festgestellt: Victoria leidet an einer sehr seltenen Art von Krebs. Doch das junge Mädchen sah die Diagnose als Herausforderung. Sie kämpfte. Durch ihre schmerzhafte Chemotherapie in der Uniklinik Dresden begleitete sie der Verein „Sonnenstrahl e.V“, ein 1990 gegründeter Elternverein mit sieben hauptamtlich und rund 80 ehrenamtlich tätigen Mitgliedern, der sich um krebskranke Kinder und Jugendliche sowie deren Familien kümmert.  Es sah alles seht gut aus Victoria erfährt Ablenkung durch die Musik- und Kunsttherapeuten des Vereins. Sie malt, bastelt und erlernt während dieser harten Zeit sogar das Gitarren- und Keyboardspiel. Hoffnung macht sich breit. „Es sah auch alles sehr gut aus“, so die Mutter. „Neben der Chemotherapie musste sich Victoria einer weiteren OP unterziehen. Ihr wurden drei Wirbel aus der Wirbelsäule entfernt. Sie lernte wieder zu laufen, alles schien gut.“ Doch im Mai dieses Jahres wurde bei einer Kontrolle festgestellt, dass Tochtergeschwülste Victorias Lunge befallen haben. „Da war es zu spät“, sagt ihre Mutter. Unvorstellbar: Nur vier Tage vor ihrem 13. Geburtstag mussten ihre Eltern Victoria zu Grabe tragen. Spontane Spendensammlungen Ihr trauriges Schicksal sprach sich schnell herum. Spontan wurden Spendensammlungen ins Leben gerufen. Zum Beispiel an der Oberschule in Sohland. Hier findet seit Jahren ein spezieller Lauf statt, bei dem sich Schüler Sponsoren suchen (z.B. ihre Eltern oder Firmen), die dann pro gerannter Runde einen Betrag X spenden. Dabei errannten die Kids mehrere hundert Euro. „Eigentlich war in diesem Jahr ein anderer Zweck für die Spendensumme vorgesehen“, erklärt Schulleiter Bernd Kreibich, „doch als wir von Victorias Schicksal hörten, haben wir uns spontan umentschieden“. Auch das Lehrerkollegium und selbst die Schulköchinnen haben sich extra mit einem Betrag beteiligt. Ebenso wie die Grundschule Wehrsdorf. Und Victorias Mutter ergänzt: „Zusätzlich spendeten die Freiwillige Feuerwehr Sohland, der Skiclub Sohland und das Immanuel-Kant-Gymnasium Wilthen in unterschiedlichen Aktionen zusammen gekommene Gelder aus gegebenem Anlass.“ Insgesamt kam so ein vierstelliger Betrag zusammen, den Mutter Steffi Adler noch einmal erhöhte. „Zum Begräbnis meiner Tochter haben wir statt Blumenzuwendungen um Spenden zu Gunsten der Kinderkrebshilfe gebeten.“ Geld für Musik- und Kunsttherapie Dieses Geld wurde nun dem Verein „Sonnenstrahl e.V.“ übergeben. Geschäftsführerin Antje Herrmann erklärte, wofür der fast ausschließlich spendenfinanzierte Verein das Geld verwenden wird: „Auf Wunsch von Victorias Mutter wird die Summe direkt für die Musik- und Kunsttherapie verwendet, die unsere Mitarbeiter den Kindern anbieten“. Bis heute hat der Verein rund 700 Kinder und ihre Familien während der Intensivtherapie und darüber hinaus begleitet und unterstützt. Ob durch das Elternhaus, damit die Kinder ihre Bezugspersonen immer in der Nähe wissen, durch die Beratungsstelle, Geschwister- und Selbsthilfeangebote, Aktivcamps, durch eigene Psychologen oder die bereits benannte Musik- und Kunsttherapie. Antje Herrmann bedankte sich für die Spende mit den Worten: „Wir sehen ja, wofür wir das alles machen. Die Arbeit, die dahinter steckt, macht Sinn und die Familien nehmen unsere Angebote dankbar an. Das ist es, was unsere Arbeit so schön und wertvoll macht“. Der Sonnenstrahl e.V. und Familie Adler bedanken sich recht herzlich bei allen Spendern. Wer mehr über den Verein wissen möchte, kann sich gern mit Frau Adler bei der Firma SP: Adler in Sohland in Verbindung setzen.         (Henry Gbureck)