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Gefährliches Bauchgrummeln

Hilfe ich vertrag das nicht. Immer mehr Menschen leiden unter Zöliakie, einer Unverträglichkeit gegen fast allen Getreidearten. Keiner weiß genau, wie die Krankheit entsteht, niemand kann sie derzeit heilen. Das einzige was bei Zöliakie hilft, ist der Verzicht auf Brot, Nudeln und Süßgebäck aus klassischen Getreide-Arten.

Durchfall und Bauchschmerzen

Über Jahre hinweg plagte sich Leserin Annette F. mit Durchfall und Bauchschmerzen, fühlte sich müde und schlapp – bis ihr Hausarzt sie am Ende doch zu einer Dünndarm-Biopsie überreden konnte. So unangenehm diese endoskopische Untersuchung beim Facharzt auch war (siehe unten), so hilfreich war die Diagnose: Denn Annette F. hat nun Gewissheit, dass sie unter Zöliakie leidet. Diese chronische Erkrankung des Dünndarms wird durch eine lebenslange Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten hervorgerufen, das in nahezu allen Getreidearten vorkommt.

Viele Betroffene kennen ihre Krankheit nicht

Dass die Krankheit bei Annette F. erst im Alter von 35 Jahren ausbrach, ist nichts Ungewöhnliches – ebenso wenig wie die Krankheit selbst. Neuere Untersuchungen zeigen, dass bei einem von hundert Menschen hier Deutschland eine Gluten-Unverträglichkeit vorliegt. Die überwiegende Mehrheit der Betroffenen weiß jedoch nichts davon – bei ihnen treten die klassischen Symptome nur sporadisch oder in abgeschwächter Form auf. Auch ist ein Ausbruch der Erkrankung in jedem Lebensalter möglich. Experten haben hierbei jedoch zwei Häufigkeitsgipfel beobachtet: Der erste liegt zwischen dem 1. und dem 8. Lebensjahr, der zweite zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr.

Erblich bedingt

Warum die einen stärker unter Zöliakie leiden als andere, ist wissenschaftlich ebenso wenig erforscht wie die Ursache der Krankheit selbst. Erbliche Faktoren dürften eine Rolle spielen, ebenso das Immunsystem, vielleicht die Ernährung, mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit kommen dann noch Umweltfaktoren hinzu – die komplexen Zusammenhänge sind längst nicht geklärt.

Ernährung umstellen

Wissenschaftlich gesichert ist dafür eindeutig: Wer an Zöliakie erkrankt ist, muss seine Ernährung komplett umstellen. Getreidesorten wie Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und Hafer enthalten das unverträgliche Gluten, also auch sämtliche daraus hergestellte Produkte wie Brot, Nudeln oder auch Süßgebäck (siehe Infokasten). Aber auch in älteren Getreidesorten wie Einkorn, Emmer oder Urkorn steckt Gluten.

Ernsthafte Folgen für die Gesundheit

Denn bei an Zöliakie Erkrankten betrachtet das Immunsystem fälschlicherweise Bestandteile des für Gesunde harmlosen Klebereiweißes Gluten als etwas Feindliches und produziert dagegen Antikörper– ähnlich wie bei einer allergischen Reaktion. Allerdings wird dabei gleichzeitig auch die Darmschleimhaut angegriffen, was zu einer chronischen Entzündung führt. Über den Dünndarm können dann nicht mehr genügend Nährstoffe aufgenommen werden, was auf Dauer zu weiteren ernsthaften Folgen für Gesundheit und Wohlbefinden führt.

Schnelltest für zu Hause

Zur Diagnose von Zöliakie werden Schnelltests angeboten, die einfach zu Haue durchgeführt werden können, aber keine hundertprozentige Sicherheit bieten können. Den bietet wie im Fall von Annette F. nur eine Dünndarm-Biopsie beim Facharzt für Gastroenterologie. Bei dieser endoskopischen Untersuchung wird eine Kamerasonde an einem dünnen Schlauch über Mund, Speiseröhre und Magen in den Dünndarm geschoben. Dabei werden unterwegs aus verschiedenen Bereichen Gewebeproben entnommen und anschließend mikroskopisch untersucht.

„Der Eingriff selbst war gar nicht so schlimm und in einer guten Viertelstunde erledigt“, erinnert sich Leserin Annette F. Viel schlimmer ist für sie, dass sie künftig wohl für alle Zeit auf ach so viele Leckereien verzichten muss, die bei Gesunden jeden Tag auf den Tisch kommen.

Zöliakie: „Verbotene“ und „erlaubte“ Lebensmittel

Gluten, auch Klebereiweiß genannt, ist in den folgenden Getreidesorten enthalten: Weizen, Dinkel, Roggen, Hafer, Gerste, Grünkern etc. – ebenso in allen daraus hergestellten Lebensmitteln wie Brot und Brötchen, Müsli, Teigwaren, paniertem Fleisch und Fisch, Pizza, Gnocchi und Knödel, aber auch in Kuchen, Torten, süßen Teilchen aus Hefe- oder Blätterteig, Keksen, Müsliriegeln, Salzstangen, Eiswaffeln und Knabbergebäck. Auch Bier und Malzbier sind tabu.

Weil sie kein Gluten enthalten erlaubt sind dagegen z.B. Reis, Mais und Wildreis, ebenso Hirse, Buchweizen, Amaranth und Quinoa, außerdem Kartoffeln, Salate, Obst und Gemüse, Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, Zucker, Honig, Nüsse, Eier, Milch, Butter, Jogurt und ausgewählte Käsesorten, ebenso Tofu und Sojamilch. Auch reine Fruchtsäfte, Wein und Sekt darf genossen werden – die beiden letzteren natürlich nur in vernünftigen Mengen.

Weitere Informationen im Internet:

Auf der Internetseite der „Deutschen Zöliakie-Gesellschaft“ finden Betroffene und Angehörige nicht nur fundierte Hintergrundinformationen über Krankheitsbild, Diagnose und Stand der medizinischen Forschung, sondern auch zahlreiche praktische Tipps und Alltagshinweise, bis hin zu leckeren Rezepten und einer Liste mit Herstellern glutenfreier Produkte.

Die Internetseite der „Vereine für Unabhängige Gesundheitsberatung e.V.“ bietet ebenfalls ausführliche Hintergrundinformationen – nicht nur speziell zu diesem Thema, sondern auch zu vielen weiteren Themen rund um gesunde Ernährung, Lebensmittelunverträglichkeiten und Allergien.

Sie haben Erfahrungen mit einer Lebensmittelunverträglichkeit? Schreiben Sie uns! – Als Kommentar oder E-Mail an stefanstaindl@wochenkurier.info

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Goldschakal tappt in Fotofalle

Görlitz. Zum ersten Mal ist in Sachsen ein Goldschakal nachgewiesen worden. Das teilte das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) heute in Dresden mit. Das Tier war bereits am 30. März auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz im Landkreis Görlitz in eine Fotofalle gegangen. Jetzt liegt die offizielle Bestätigung vor, dass es sich um einen Goldschakal handelt.  Als Goldschakal identifiziert wurde das Tier vom LUPUS Institut, das im Auftrag des LfULG das Wolfsmonitoring in Sachsen durchführt. Durch Vergleichsaufnahmen vom gleichen Kamerastandort sei gut zu erkennen gewesen, dass das fotografierte Tier größer als ein Rotfuchs und kleiner als ein Wolf ist. Von der Gestalt her ist die Zuordnung zum Goldschakal sicher. Seitdem gibt es keine weiteren Hinweise auf die Anwesenheit des Tieres. Die anpassungsfähige Art besiedelt bevorzugt verbuschtes und feuchtes Gelände mit Versteckmöglichkeiten, bewohnt jedoch auch andere Lebensräume. Auf dem „Speisezettel“ des Goldschakals stehen vorwiegend kleinere Säugetiere wie Wühlmäuse und Ratten, aber auch Früchte und Aas. Das scheue Tier stellt keine Gefahr für den Menschen dar, kann jedoch ähnlich wie ein Fuchs auch ungeschützte kleinere Nutztiere töten.  Der Goldschakal ist eine besonders geschützte Tierart und im Anhang V der Europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie gelistet. Zukünftig sollen Hinweise auf den Goldschakal aufmerksam geprüft und dokumentiert werden. Das Landesumweltamt bittet die Bevölkerung, Aufnahmen aus Wildkameras, die auf den Goldschakal schließen lassen, zur Dokumentation in der Artdatenbank Sachsen zu übermitteln: E-Mail: DB-Arten.LfULG@smul.sachsen.de Homepage: https://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/8048.htm Hintergrund Der Goldschakal (Canis aureus) gehört, ebenso wie Fuchs und Wolf, zur Familie der Hundeartigen. Besonders die Unterscheidung vom Wolf bedarf eines geschulten Blickes. Farblich ähnelt er dem Wolf, mit einem Einschlag ins Rötliche und einem deutlichen, hellen Kehlfleck. Insgesamt wirkt das Tier kurzbeiniger als ein Wolf. Die Schnauze ist spitzer und zierlicher als die des Wolfes. Vom Fuchs ist das Tier durch seine gedrungenere Gestalt und einen deutlich kürzeren Schwanz mit schwarzer Spitze zu unterscheiden. In Europa kommt der Goldschakal seit alters auf dem Balkan vor. Dort wurde er verfolgt und fast ausgerottet. Durch Schutzmaßnahmen erholten sich die Bestände allmählich. Besonders seit den 1960er Jahren kam es neben Vorstößen einzelner Tiere auch zu festen Ansiedlungen von Familien bis weit nach Nordwesten. Der Goldschakal siedelte sich von Bulgarien aus in Rumänien und Serbien und später in Italien, Slowenien, Österreich, Ungarn und der Slowakei wieder an. In Tschechien vermehrte sich der Goldschakal im Jahr 2018 erstmals in der Nähe von Prag auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz.  In Deutschland wurden seit 1996 einzelne Goldschakale nachgewiesen. Im Süden Brandenburgs hielt sich ein Tier zwischen 1996 und 1998 in der Braunkohlefolgelandschaft auf. Weitere Nachweise liegen aus Bayern, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein vor. Einige dieser Tiere haben Sachsen sicherlich unerkannt durchquert. Zum ersten Mal ist in Sachsen ein Goldschakal nachgewiesen worden. Das teilte das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) heute in Dresden mit. Das Tier war bereits am 30. März auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz im…

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