J. Schmidtchen

Strukturwandler der Lausitzer Wirtschaft geht in Ruhestand

Ab dem 1. Januar 2016 übernimmt Roland Peine, bisher Technischer Leiter, die Geschäftsführung der ASG GmbH mit Sitz im Industriepark Schwarze Pumpe (ISP) aus den bewährten Händen von Gerhard Hänel.
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Gerhard Hänel tritt in die zweite Reihe zurück und steht dem Unternehmen in der Übergangsphase beratend weiter zur Seite, vor allem bei der Umsetzung begonnener Wirtschaftsprojekte bis zu ihrem Ende. Wie Gerhard Hänel hat kein Zweiter in den letzten 20 Jahren die Lausitzer mittelständische Wirtschaft länderübergreifend so beeinflusst, unterstützt von den Städten und Gemeinden Spremberg, Döbern, Neuhausen, Spreetal, Cottbus und Hoyerswerda. Die Reihenfolge der Aufzählung ist bewusst gewählt, weil sie die Entwicklung des länderübergreifenden Strukturwandels Brandenburg/Sachsen widerspiegelt. Dem scheidenden und dem neuen Geschäftsführer der ASG GmbH steht dazu inzwischen ein Team von 40 Mitarbeitern zur Seite, wobei dieses personell weiter wachsen muss, um den Anforderungen der Wirtschaftsförderung und der Probleme der Ver- und Entsorgung des ISP auch in der Zukunft gerecht zu werden. Gerhard Hänel wurde 1943 in Ortrand geboren, ist dort aufgewachsen und die Stadt ist bis heute seine Heimat. Nach dem Abitur erlernte er im elterlichen Privatbetrieb den Beruf des Feinmechanikers. Das Ziel, den Betrieb zu übernehmen und weiterzuführen, scheiterte 1972 an dem von der SED verordneten Beschluss, wirtschaftliches Privateigentum in VEB zu überführen. Deshalb entschied sich Gerhard Hänel für ein Studium an der TU Dresden in der Fachrichtung Mathematik und Informationstechnik, welches er als Diplommathematiker abschloss. Danach arbeitete er bis 1989 in der Eisenhütte Ortrand. Noch im Jahr 1989 ging er im Auftrag der „Osthandels-GmbH“ für zwei Jahre nach Russland und war dort als Chefingenieur im Bergbauaufbereitungswerk Kriwoj Rog tätig. Nach einer vierjährigen beruflichen Zwischenstation bei der IHK Cottbus wurde er am 1. März 1996 Geschäftsführer der am 1. April 1992 gegründeten Altstadtsanierungsgesellschaft Spremberg (heute ASG GmbH). Das neue Aufgabengebiet sollte fortan seinen beruflichen Lebensinhalt prägen. Die ASG beschäftigte sich damals mit Problemen der Stadtentwicklung, Stadtsanierung und Regionalentwicklung im Raum Spremberg, Döbern und der Gemeinde Neuhausen als treuhänderischer Erschließungs- und Sanierungsträger. Das sollte sich schon bald ändern, als 1998/99 die Vorbereitungen für den ISP begannen, die Wirtschaftsförderung der Stadt Spremberg und der damals noch selbstständigen Gemeinde Schwarze Pumpe übernommen wurde und die Belange der sächsischen Gemeinde Spreetal den ISP betreffend hinzukamen. Bis heute werden alle Aufgabengebiete parallel wahrgenommen. Allerdings werden in Döbern und Neuhausen alle Maßnahmen  der Stadtsanierung zum Jahresende 2015 abgeschlossen. Zukünftiger Schwerpunkt der Tätigkeit der ASG GmbH ist die wirtschaftliche Entwicklung der brandenburgischen/sächsischen Lausitz mit dem ISP, Spremberg und Spreetal. Für Gerhard Hänel gibt es dabei eine entscheidende Erkenntnis: „An einer länderübergreifenden Schnittstelle hat die ASG GmbH zukünftig Führungs-, Leitungs- und Kooperationsfunktionen auszuüben. Der wirtschaftliche Strukturwandel ist länderübergreifend zu begleiten“. Großen Wert legt die ASG GmbH dabei auch auf die Umsetzung der Kooperationsvereinbarung mit der Stadt Hoyerswerda. „Möge sie so gut gedeihen wie mit der Stadt Cottbus“, wünscht sich Gerhard Hänel. „Wir als ASG sind offen für alle“. Dazu gehören auch die Unterstützung von regionalen Unternehmen, von neuen Industrieansiedlungen im ISP und die Schaffung von neuen Kooperationsvereinbarungen und Absatzmärkten in Österreich, Schweden, in der Schweiz und neuerdings in Russland. „Beim Strukturwandel, der kommen wird, gehe ich davon aus, dass die Braunkohle noch bis 2050 ihre dominierende Rolle behält. Und ich sage: Der Strukturwandel muss mit der Braunkohle beginnen und nicht erst danach“, bekräftigt Gerhard Hänel. Was kommt auf den scheidenden Geschäftsführer der ASG im Privatleben zu? Das sind zwei Hobbys: Das Mitmischen als Trompeter und Lyra-Spieler im Spielmannszug Ortrand, verbunden mit der Nachwuchsausbildung, und dann das beim Studium an der TU Dresden einst Gelernte: Astromathematische Beschäftigung mit dem Universum, mit Raum, Zeit und Materie. In diesem Sinne sei  er noch einmal zitiert: „Man kann die  Gegenwart nicht aufhalten, die Vergangenheit nicht zurückholen und die Zukunft nicht fassen“.