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Krankenhaus hat Planinsolvenz beschlossen

Spremberg. Das Spremberger Krankenhaus ist am Limit und geht in ein sogenanntes Schutzschirmverfahren. Das beschloss die Gesellschafterversammlung in der vergangenen Woche. Was genau bedeutet das nun?

 

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Gesellschafter-Vertreter, Geschäftsführung sowie Berater der Gesellschaft informierten in Haidemühl  über die aktuelle Situation des Spremberger Krankenhauses.

Gesellschafter-Vertreter, Geschäftsführung sowie Berater der Gesellschaft informierten in Haidemühl über die aktuelle Situation des Spremberger Krankenhauses.

Foto: Bogott

Dr. Mark Boddenberg, Generalhandlungsbevollmächtigter, der Insolvenzrechtskanzlei ECKERT sagt dazu: »Das Spremberger Krankenhaus befindet sich im vorläufigen Verfahren, das drei Monate dauert. Ab dem 1. Dezember beginnt sodann das Hauptverfahren, in dem das Sanierungskonzept für das Spremberger Krankenhaus finalisiert und anschließend im Gläubigerausschuss vorgestellt wird. Wir sind zuversichtlich, dass wir für das Spremberger Krankenhaus eine zukunftssichere Lösung finden werden und die Klinik mit seinen Mitarbeitenden aus dieser Zeit gestärkt hervorgehen wird.«

 

Das zuständige Amtsgericht Cottbus hat am vergangenen Dienstag dem Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens in Eigenverwaltung stattgegeben. »Dies eröffnet dem Spremberger Krankenhaus die Chance, sich neu zu strukturieren und zukunftssicher aufzustellen. Das Eigenverwaltungsverfahren bietet durch seinen besonderen gesetzlichen Schutz genügend Handlungsspielraum und schafft die besten Voraussetzungen, ein langfristig tragfähiges Ergebnis für das Spremberger Krankenhaus zu erreichen. Im Rahmen des Restrukturierungsprozesses möchten wir uns dafür einsetzen, ein auf die Bedürfnisse der Bevölkerung zugeschnittenes Versorgungskonzept zu entwickeln und dabei die wirtschaftlich tragfähigen Teile des Hauses zu erhalten. Der Sanierungsplan sieht bislang einen Ausbau der Psychiatrie sowie der Ambulantisierung vor. An dieser Stelle ist aber zu betonen, dass der Plan nicht abschließend ist. Vielmehr wird dieser weiterhin ausgearbeitet«, so Dorit Aurich, insolvenzrechtliche Beraterin der Insolvenzrechtskanzlei ECKERT.

 

Durch das Schutzschirmverfahren sind die Löhne und Gehälter der Beschäftigten sowie der operative Betrieb und die durchgehende medizinische Versorgung am Krankenhaus Spremberg gesichert. Liane Pötsch bestätigt: »An dieser Stelle ist nochmal zu betonen, dass der Krankenhausbetrieb uneingeschränkt fortgeführt wird und die medizinische Versorgung der uns anvertrauten Patientinnen und Patienten vollumfänglich gesichert ist. Wir werden unserem Versorgungsauftrag umfassend nachkommen und unsere Patientinnen und Patienten in der gewohnten Qualität behandeln.«

 

Gründe für die aktuelle Situation der Spremberger Krankenhaus GmbH sind rückläufige Umsatzerlöse bei gleichzeitig steigenden Kosten für Personal und Material. Auch andere Häuser, die ein anderes Trägermodell gewählt haben, sehen sich vor enormen wirtschaftlichen und gesundheitspolitischen Herausforderungen, wie etwa steigenden Aufwand für Dokumentationen und Datenverarbeitung, Energie oder fehlende Inflationsausgleichszahlungen. »Die Einnahmeeinbrüche durch die andauernde Corona-Pandemie haben die Situation noch verschärft. Rund 80 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland stehen vor immensen wirtschaftlichen Herausforderungen«, sagt Dr. Mark Boddenberg.


Eigentümer des Spremberger Krankenhauses sind der Förderverein Krankenhaus Spremberg e.V. mit 51 Prozent und die Stadt Spremberg mit 49 Prozent.