So verändert die Digitalisierung die Arbeitswelt

Seit einigen Jahren werden die Medien vom Thema Digitalisierung beherrscht. Tatsächlich haben die jüngsten technologischen Innovationen die Arbeitswelt grundlegend verändert. Viele Arbeitnehmer fürchten, dass ihr Arbeitsplatz im Zuge der Digitalisierung wegfällt und sie schon bald nicht mehr gebraucht werden. Wir zeigen, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf die Arbeitswelt hat und wie Beschäftigte vor diesem Fokus ihren Stellenwert erhöhen können.

Vorher jedoch eine Erläuterung dazu, was unter der Digitalisierung der Arbeitswelt überhaupt zu verstehen ist. Der Begriff bezeichnet die Veränderung von Prozessen, welche mehr und mehr mit Hilfe digitaler Geräte abgewickelt werden. Dabei sind nahezu alle Arbeitsfelder betroffen. Computertechnologien und das Internet gelten als wichtigste Grundlage der digitalen Transformation. In immer mehr Branchen werden Abläufe digitalisiert, Arbeiten können per Tablet oder Computer erledigt werden, die Kommunikation wird in den virtuellen Bereich verlagert, Aufgaben werden soweit wie möglich automatisiert. Nach aktuellem Stand ist ein Ende des digitalen Zeitalters und somit ein Ende des digitalen Wandels nicht in Sicht. Immerhin schreiten technologische Entwicklungen immer schneller voran. In diesem Zusammenhang ist eine stetige, schrittweise Umstellung zu einer mehrheitlich digitalen Wirtschaft und Gesellschaft gefordert.

So macht sich die Digitalisierung am Arbeitsplatz bemerkbar

Wie sich der technische Fortschritt am Arbeitsplatz bemerkbar macht, kann sich von Branche zu Branche unterscheiden. Nachfolgend ein paar Beispiele dafür, wie die Digitalisierung am Arbeitsplatz konkret aussieht:

  • Digitale Kommunikation
    E-Mail, Messenger-Systeme und Videotelefonie sind auf dem Vormarsch und werden immer häufiger von Kunden, Kollegen und Geschäftspartnern genutzt. Während der Corona-Pandemie hat die digitale Kommunikation nochmal an Fahrt aufgenommen.
  • Cloud-Speicher
    Mittels Cloud-Speicher und Datenbanken sind ein ortsunabhängiger Zugriff sowie die Sicherung aller relevanten Informationen möglich.
  • E-Commerce
    Inzwischen gibt es fast alle Produkte online. Ein großer Vorteil ist, dass zum Beispiel berufliche Weiterbildungen heutzutage online stattfinden können. Damit entfallen weite Anfahrtswege.
  • ERP-Systeme
    In den Bereichen Einkauf, Produktion, Vertrieb und Lager wird mittlerweile mit so genannten ERP-Systemen (Enterprise Resource Planning) gearbeitet. Diese sorgen dafür, dass Prozesse schneller, transparenter und effizienter werden.
  • 3D-Druck
    In der Fertigung helfen 3D-Drucker dabei, schnell und kostengünstig Bauteile herzustellen.

Die zunehmende Digitalisierung betrifft längst nicht nur die Arbeitswelt. Weil diese auch im Alltag präsent ist, achten einige Städte und Kommunen darauf, digitale Angebote für Senioren zugänglich zu machen. Hierzu fand im Juni 2022 eine Seniorenkonferenz statt. Diese stand unter dem Motto „Chancen der Digitalisierung – eine gemeinsame Herausforderung!?“.

Diese Veränderungen bringt die Digitalisierung mit sich

Die Arbeitswelt 4.0 soll nicht nur für einen schnelleren Wissenstransfer und eine effektivere Zusammenarbeit sorgen. Auch die Vereinfachung von Geschäftsprozessen steht im Fokus. Das lohnt sich auch für Arbeitnehmer. Sie profitieren von flexiblem Arbeiten und einer Verbesserung des Workflows. Neu geschaffene Arbeitsmodelle sind Home-Office, Co-Working-Spaces und Jobsharing.

  • Home-Office:
    Eine Vereinigung von Arbeitsplatz und privatem Wohnbereich. Bei diesem Arbeitsmodell wird Beschäftigten ein hohes Maß an Unabhängigkeit und Vertrauen entgegengebracht. Vorteilhaft ist die Ersparnis von Arbeitswegen und Aufwand.
  • Co-Working-Spaces:
    Wird vor allem von kleinen Unternehmen mit fehlenden Büros oder wenig Platz häufig genutzt. Die Infrastruktur (WLAN, Besprechungsräume etc.) ist in Co-Working-Spaces bereits vorhanden und kann kostengünstig genutzt werden. Darüber hinaus können sich interne und externe Arbeitnehmer miteinander austauschen.
  • Jobsharing:
    Dieses Arbeitsmodell sieht vor, dass sich zwei Teilzeit-Beschäftigte eine Vollzeitstelle zum jeweils gleichen Gehalt teilen.

Auch bei der Einteilung von Arbeitszeit hinterlässt die Digitalisierung ihre Spuren. Zu den bekanntesten Arbeitszeitmodellen gehören

  • 4-Tage-Woche:
    Im Gegensatz zur klassischen 5-Tage-Woche sind Mitarbeiter bei einer 4-Tage-Woche durch die längere Erholungsphase häufig motivierter
  • Teilzeit:
    Familien und Alleinerziehenden kommt dieses meist als 35-Stunden-Modell angelegte System sehr entgegen, können sie so doch Job und privaten Alltag besser aufeinander einstellen
  • Gleitzeit:
    Mitarbeitende müssen lediglich ein Wochen-Soll erbringen und können sich die Zeit dabei frei einteilen
  • Vertrauensarbeitszeit:
    Wie viel Zeit für die Erfüllung einer Aufgabe benötigt wird, spielt hier eine untergeordnete Rolle, solange die übertragenen Aufgaben zuverlässig erledigt werden
  • Jahresarbeitszeit:
    Ähnelt dem Modell der Vertrauensarbeitszeit, nur dass hier ein Soll für das gesamte Jahr vorgegeben wird

Mit Weiterbildung auf die Digitalisierung vorbereiten

Was für Unternehmen von Vorteil ist, scheint unter Beschäftigten für Angst zu sorgen. So ergab eine Umfrage des Beratungsunternehmens EY: Zwölf Prozent haben Angst, durch die Digitalisierung ihren Job zu verlieren. An der 2021 durchgeführten Befragung nahmen deutschlandweit 1.552 Arbeitnehmer teil.

Welche realen Auswirkungen die Digitalisierung hat, lässt sich nicht pauschalisieren. In den meisten Berufen ist auch der Qualifizierungsgrad entscheidend. Experten und Spezialisten sind weniger gefährdet, durch Automaten ersetzt zu werden. Daher gilt: Je geringer das eigene Qualifikationsprofil, umso wichtiger ist es, aktiv zu werden. Berufliche Weiterbildungen sind eine gute Möglichkeit, sich auf die digitale Transformation vorzubereiten. Dank dem Qualifizierungschancengesetz sind viele Weiterbildungen bis zu 100 % förderbar. Arbeitgeber können ihre Mitarbeiter so ohne hohe Kosten auf die Arbeitswelt 4.0 vorbereiten – sowohl mit einer Weiterbildung als auch mit einer Umschulung. Den Antrag auf eine Weiterbildungsförderung stellen Unternehmen direkt bei der Agentur für Arbeit. Wird diesem stattgegeben, bekommen Arbeitgeber je nach Unternehmensgröße einen Zuschuss für die Kosten der geplanten Weiterbildungsmaßnahme sowie für die Lohnfortzahlung während der Weiterbildung. Bislang wurden nur wenige Weiterbildungen vom Arbeitgeber übernommen. Häufig musste man selbst für die Kosten aufkommen. Das Qualifizierungschancengesetz macht es deutlich wahrscheinlicher, eine entsprechende Weiterbildung vom Arbeitgeber finanziert zu bekommen.  

Welche Vorteile bringt die digitale Arbeitswelt mit sich?

Entgegen vieler Befürchtungen schätzen Experten die negativen Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt als eher gering ein. Stattdessen könnten Arbeitnehmer viele Vorteile für sich nutzen. Darunter zum Beispiel folgende:

Effizienteres Arbeiten:
Dank automatisierter Abläufe und dem Einsatz softwaregesteuerter Maschinen werden Arbeitsprozesse effizienter. Somit kann das Unternehmen seine Produktivität steigern, was sich auch positiv auf die Belegschaft auswirken kann.
Zeitsparende Prozesse:
Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Unternehmensbereichen als auch zwischen Kunden und Geschäftspartnern kann durch eine bessere Vernetzung und die Nutzung zentraler Datenbanken erleichtert werden.
Anspruchsvolle Jobs:
Indem einfache Aufgaben weitgehend automatisiert werden, können Arbeitgeber ihre Angestellten mit kreativeren und interessanteren Aufgaben versehen.
Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben:
Viele der neuen Arbeitsmodelle machen den Arbeitsalltag für Mitarbeiter flexibler und fördern die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.

Ungeachtet der Vorteile kann eine ständige Erreichbarkeit auch eine Belastung für Mitarbeiter darstellen. Die eigenen vier Wände sollten eigentlich als Rückzugsort dienen, können so jedoch auch zur psychischen Herausforderung werden. Zudem profitieren einige Berufsgruppen weniger von der Digitalisierung als andere.