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Modedesignerin heiratet im 20.000 Euro teuren Hochzeitskleid

Der Rock mit Schleppe misst vom Bund bis zum Saum 2,90 Meter und hat einen Spitzen-besetzten Saumumfang von sage und schreibe 10,20 Meter. Elf Lagen mit etwa 70 Metern verschiedenen Stoffen und zusätzlich rund 20 Meter Spitze wurden verarbeitet. Im sorbischen Hochzeitskleid der Spreewälder Modedesignerin Sarah Gwiszcz stecken rund 400 Arbeitsstunden des kleinen „Wurlawy“-Teams während des vergangenen Lockdowns.
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„Wenn man das Kleid mit Haube, Schleier, Unterrock und allem Pi Pa Po beziffern würde, wären wir bei etwa 20.000 Euro“, erzählt die aus Ragow bei Lübbenau stammende, junge Frau. Vor kurzem hat die Gründerin des Modelabels „Wurlawy“ in der Lübbenauer Nikolaikirche geheiratet. Nach dem Heiratsantrag  ihres Liebsten Bruno Zelder und der standesamtlichen Eheschließung im vergangenen Jahr folgte erst jetzt Corona bedingt die kirchliche Hochzeit mit dem sympathischen  Handwerker und dem ab und zu auch als Männermodel mitwirkenden Ehemannes. Der Hochzeitsauftritt des jungen Paares sorgte in der Spreewaldstadt für einigermaßen Aufsehen. Nicht nur bei der Fahrt mit dem Zweispänner des Haflingerhofes von Dietmar Noack aus Groß Klessow klickten die Kameraverschlüsse. Auch das ungewöhnliche Brautkleid mit der „schönen Sarah“ im Lübbenauer Schloss war ein ungewöhnliches Fotomotiv. Sie trug übrigens eine Blaudruckschleife als traditionelles Element um die Hüfte und auf dem Kopf die von ihr als Eigenkreation entwickelte Lappa (Haube). Seit der Hochzeit sind die Nachfragen nach sorbischer Hochzeitsmode plötzlich stark angestiegen. „Dass wir auch tolle Hochzeitskleider entwerfen können, war vielen bisher nicht bekannt“, sagte Sahra Gwiszcz. Ende August werden die Kleider erstmals im Laden in Lübbenau zur Anprobe angeboten. Allerdings muss dabei das sorbische Hochzeitskleid nicht unbedingt 20.000 Euro kosten. Die Grundmodelle beginnen bei 295 bis 350 Euro.  „Alltagsmodelle im online-Shop sind noch günstiger“, sagte die Modedesignerin. Vor sieben Jahren hat sie das Modelabel „Wurlawy“ gegründet. Das heißt frei aus dem Sorbischen übersetzt „Wilde Spreewaldfrauen“. Sie kommen in einer sorbischen Sage vor. Nach dem Abitur studierte Sarah Gwiszcz an der Berliner Akademie Mode & Design. Hier erhielt sie auch die Aufgabe, Mode für junge Sorben zu entwickeln. Aus dem EU-geförderten Projekt „Sorbisch modern“ wurde in kurzer Zeit das jetzt auch landesweit bekannte Label „Wurlawy“.   „Es ist nicht die Neuerfindung der Spreewälder Tracht, sondern Mode, die durch die Tracht inspiriert ist“, erklärte Gwiszcz ihre Geschäftsidee. Sie verbindet die seit Jahrhunderten entstandene Trachtenmode aus dem Spreewald mit modernen Elementen und holt die charakteristische Bekleidung ihrer Heimat aus der Vergessenheit heraus und macht sie mit modernen Schnitten und Materialien „alltagstauglich“. „Ein bisschen wild, ein bisschen unkonventionell und garantiert anders“, so interpretiert sie ihr neues Modelabel. Gegenwärtig arbeitet sie an einem neuen Outfit für die Golßener Gurkenkönigin, nachdem schon die Burger „Wendenkönigin“ von ihr eine neue Ausstattung erhalten hat. Zweimal im Jahr stellt die Lübbenauerin ihre neuen Kollektionen bei Modemessen in Berlin und auch bei Modenschauen vor. „Wurlawy“ zum Anfassen gibt es außerdem jetzt in der Dauerausstellung im „Wendischen Museum“ Cottbus und noch bis zum 13. August bei einer Sonderausstellung im Cottbuser „Wendischen Haus“. (kay)

Laden-Atelier Wurlawy Ehm-Welk-Straße 27 03222 Lübbenau www.wurlawy.de Tel. 0176/ 780 191 21