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Lauchhammer blickt auf das Jahr 2021

Das neue Jahr 2021 liegt vor Lauchhammer. Bürgermeister Roland Pohlenz spricht darüber im WochenKurier-Interview. Die Stadt hat im neuen Jahr viel vor. Sie will etwa infrastrukturelle Projekte realisieren, die Digitalisierung der Schulen voranbringen, Straßen, Gehwege und Plätze erneuern und ein Seniorenforum in der Neustadt 2 entwickeln.
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Roland Pohlenz ist Bürgermeister in der 14200-Einwohner starken

Roland Pohlenz ist Bürgermeister in der 14200-Einwohner starken

Wie viel Geld nimmt Lauchhammer im Jahr 2021 in die Hand, um in die Stadt zu investieren und wo liegen die Schwerpunkte? Im Rahmen unseres Doppelhaushaltes 2020/21 ist ein Investitionsvolumen von 10,2 Millionen Euro geplant. Davon sind 8,5 Millionen Euro Fördermittel des Landes. Der Eigenanteil der Stadt Lauchhammer beträgt 1,7 Millionen Euro. Im Rahmen des Stadtumbaus und der Stadtentwicklung wollen wir mehrere infrastrukturelle Projekte realisieren, die Digitalisierung der Schulen voranbringen, Straßen, Gehwege und Plätze erneuern, ein Seniorenforum in der Neustadt 2 entwickeln  und unser Kulturhaus brandschutzseitig sanieren. Mit der weiteren Digitalisierung von Verwaltungsvorgängen werden wir den nächsten Schritt zu mehr Bürgerfreundlichkeit machen. Investieren werden wir auch in das Ortsteilzentrum Grünewalde, das Vereinshaus „Domiziel“,  die Kita „Bummi“ und in den Schlosspark. Bei Letzterem geht es um die Bestandssicherung von Gebäuden. Geplant ist weiterhin der barrierefreie Umbau des Frauen- und Kinderschutzhauses. Mit dem Beginn des 2. Bauabschnitts  an der Kegelhalle werden sich die Bedingungen für die Kegelsportfreunde im Sportforum Lauchhammer-Ost perspektivisch weiter verbessern. Welche größeren Maßnahmen wird es 2021 im Straßenbau geben? Im Fokus steht hier die grundhafte Sanierung der Naundorfer Straße. Fahrbahn und Gehwege werden erneuert sowie die Regenwasserableitung neu geordnet. Der Wasserverband Lausitz saniert während der Baumaßnahme die Trinkwasserleitung. Die Verlegung von Glasfaserkabeln durch die Firma LKS ist ebenfalls geplant. Der Ausbau soll im Frühjahr 2021 beginnen und erfolgt in zwei Jahresscheiben. Der erste Bauabschnitt umfasst den Bereich von der Ortrander Straße bis zum Wehlenteichweg. 2022 folgt dann der Abschnitt vom Wehlenteichweg bis zur Wilhelm-Külz-Straße. In diesem Jahr werden über das Projekt »Fernradwegemodernisierung« des Landkreises OSL Radwege in Lauchhammer modernisiert. Das wird nicht nur Einwohner, sondern auch Touristen freuen. Welche Bedeutung hat der Radtourismus für Ihre Stadt? Das über 88 Quadratkilometer große Stadtgebiet von Lauchhammer ist geradezu prädestiniert für ausgiebige Radtouren. Wir haben als Stadt Lauchhammer selbst fünf Radwandertouren entwickelt und in einem entsprechenden Flyer dargestellt. Die Tagestouren ermöglichen Eindrücke  aus Industriekultur, idyllischen Landstrichen und beeindruckenden Tagebaulandschaften. Die Beschreibung der einzelnen Touren findet man natürlich auch auf der Internetseite der Stadt Lauchhammer. Ich denke, diese Radtouren sind eine sinnvolle Ergänzung zum Fernradwegenetz des Landkreises. Der Radtourismus ist ein sich ständig entwickelnder Faktor im touristischen Gesamtangebot unserer Region. Die Modernisierung des Fernradwegenetzes ist somit ein wichtiger Schritt zur weiteren Erhöhung der Attraktivität des regionalen Tourismuskonzeptes. Zugleich kann damit die Stadt auf eigene touristische und kulturelle Besonderheiten hinweisen, wie zum Beispiel den Kunstguss. Wo sehen Sie weitere Entwicklungsmöglichkeiten hinsichtlich des Tourismus in Lauchhammer? Einen Schwerpunkt sehe ich in der weiteren strategischen Vermarktung der Kunstgusstradition. Lauchhammer ist der Ort der „Erfindung“ des Eisenkunstgusses und die erste Produktionsstätte gusseiserner Großplastik. Das Kunstgussmuseum in Lauchhammer-Ost ist einzigartig in Deutschland. Der historische Modellfundus umfasst ca. 2800 Objekte. Im vergangenen Jahr haben wir, übrigens im Rahmen der landkreisweiten Tour de OSL, einen touristischen Infopunkt am Kunstgussmuseum eröffnet. Das für insgesamt 340 000 Euro grundsanierte ehemalige Nebengebäude bietet einen barrierefreien Zugang, einen individuellen Informationsbereich für Besucher, Sitzgelegenheiten innen und außen sowie behindertengerechte Sanitäreinrichtungen. Der Kunstguss hat für die Stadt Lauchhammer generell einen sehr hohen Stellenwert. Er widerspiegelt  eine fast 300-jährige Industriegeschichte. Wir wollen das gesamte Areal, bestehend aus Museum, Kunstgießerei und Friedensgedächtniskirche, touristisch weiterentwickeln. Das ist von entscheidender Bedeutung auch im Hinblick auf das Bestreben der Stadt, den offiziellen Titel „Lauchhammer Kunstguss-Stadt“ zu tragen. Weitere wichtige touristische Säulen sind und bleiben natürlich die Biotürme und der Reliktepark. Letzterer wird vom Traditionsverein Braunkohle Lauchhammer betreut und weiterentwickelt. Und nicht zu vergessen der Grünewalder Lauch. Hier ist in den letzten Jahren ein wahres Paradies für Campingfreunde aller Couleur entstanden. In diesem Jahr wird durch eine private Investition am Strand ein Wasserspielplatz entstehen. Der ehemalige Kohlebergbau holt Lauchhammer immer wieder ein: Mit der Grubenteichsiedlung, der Wilhelm-Külz-Straße und dem Pappelweg sind drei Standorte im Stadtgebiet rutschungsgefährdet. Anwohner müssen umziehen, verlieren ihre Häuser. Befürchten Sie, weitere Standorte in der Stadt aufgeben zu müssen? Solche dramatischen Szenarien wie bei den drei genannten Standorten sind wohl nicht mehr zu erwarten. Als im Februar 2019 die betroffenen Anwohner und Firmen in der Wilhelm-Külz-Straße über die unumgängliche Absiedlung  informiert wurden, habe ich mich als Bürgermeister unverzüglich mit einem offenen Brief an den Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg gewandt. Die Stadtverordnetenversammlung hat diese Initiative unterstützt und begleitet. Darin habe ich neben angemessenen Entschädigungen für die Bertoffenen zum wiederholten Mal  die Erarbeitung eines dringend notwendigen Gesamtkonzeptes für Lauchhammer eingefordert. Dieses Konzept wird in diesem Jahr fertiggestellt. Das Gesamtkonzept erfasst und bewertet alle bergbaulichen Gefährdungssituationen im Abgleich mit unseren städtebaulichen Entwicklungszielen, die in verschiedenen Strategiepapieren festgeschrieben sind. Es wird dargestellt, wo und wie die Stadtentwicklung durch die Wirkungen des Grundwasserwiederanstieges und des Altbergbaus negativ beeinflusst wird und was dagegen zu tun ist. Dabei erfolgt auch eine Prioritätensetzung bezüglich der weiteren in Verantwortung der LMBV im Stadtgebiet noch durchzuführenden Sicherungsmaßnahmen. Die Stadt Lauchhammer muss und wird mit diesen besonderen Herausforderungen auch in den nächsten Jahren leben müssen. Sie kann sich aber der Unterstützung durch das Land Brandenburg und der LMBV sicher sein. Es gibt also keinen Grund zur Verzweiflung, sondern es bietet sich die einmalige Chance, die Stadt so zu entwickeln, dass diese bergbaulichen Beeinflussungen nicht dauerhaft eine sinnvolle städtische Entwicklung ausbremst. Lauchhammer ist 2021 Sprecherstadt des Regionalen Wachstumskerns (RWK) Westlausitz. Was kommt da in diesem Jahr auf Lauchhammer zu? Das Jahr 2020 war für den RWK ein Jahr mit schwierigen Rahmenbedingungen. Erstmals standen keine Fördermittel für die internen Organisationsprozesse zur Verfügung. Die Corona-Krise tat ihr Übriges. Die Ausbildungsmesse wurde zunächst von September 2020 auf Februar 2021 verschoben und musste schließlich ganz abgesagt werden. Dennoch sind sich alle fünf Kommunen des RWK Westlausitz einig, die Zusammenarbeit fortzusetzen und gemeinsam an Projekten im Rahmen des Strukturwandels in der Lausitz zu arbeiten. Ein Strategiepapier wurde bereits mit den Städten abgestimmt und enthält Maßnahmen wie die Installierung eines Europäischen Logistikzentrums für Bevölkerungs- und Katastrophenschutz in Senftenberg, die Errichtung eines KV-Terminals in Schwarzheide oder die Reaktivierung der Gleisanbindung im Industriegebiet Lauchhammer-Süd. In Großräschen ist ein „Innovatives Lernzentrum Lausitz“ in Planung und in Finsterwalde wird ein „Kreativcampus“ entwickelt. Alle Projekte werden mit einer Stimme durch den RWK unterstützt. • Stadt LauchhammerRWK WestlausitzKunstgießerei Lauchhammer