Peter Aswendt

„Ich möchte die Herzen der Zuschauer berühren“

Der Film von Fatih Akin „Aus dem Nichts“ ist mit dem Golden Globe ausgezeichnet worden. Die neue Bühne Senftenberg ist das zweite Theater in Deutschland, das die Bühnenfassung aufführt. Premiere ist am 21. September um 19.30 Uhr.
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Marianne Helene Jordan (Mitte) spielt Katja, eine Frau und Mutter, die durch den rechten Terror ihre Familie verloren hat. Jan Mixsa (r.) ist im Stück unter anderem als Richter zu sehen. Foto: neue Bühne Senftenberg

Marianne Helene Jordan (Mitte) spielt Katja, eine Frau und Mutter, die durch den rechten Terror ihre Familie verloren hat. Jan Mixsa (r.) ist im Stück unter anderem als Richter zu sehen. Foto: neue Bühne Senftenberg

Katja (Marianne Helene Jordan) hat eine glückliche, wie man landläufig sagt, „Multi-Kulti-Familie“. Ihr Mann Nuri ist Kurde und beide haben einen sechsjährigen Sohn, Rocco. Katjas Leben nimmt eine dramatische Wendung, als ihr Mann und ihr Sohn bei einem Nagelbombenanschlag ums Leben kommen. Ein Martyrium beginnt für die Frau. Seelisch vergewaltigt, durch falsche Verdächtigungen der Polizei und der voreingenommenen Justiz, driftet sie in Alkohol und Drogen ab. Als dann ein Neonazipaar als Täter gefunden wird, glaubt sie wieder an Gerechtigkeit, was ein jähes Ende nach dem Freispruch der Täter findet. Sie greift zur Selbstjustiz. Hintergrund sind Anschläge der NSU Der Film von Fatih Akin „Aus dem Nichts“ basiert auf die Anschläge der Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). Die Theaterfassung von Armin Petras wurde in Bremen uraufgeführt und erlebt mit der Premiere (12. September) an der neuen Bühne seine zweite Aufführung in Deutschland. Die Regie an der neuen Bühne führt Samia Chancrin, die im Film die Rolle der „Birgit“ spielt. Die Hauptrolle der Katja wird von Marianne Helene Jordan gespielt: „Ich bin schon ein klein wenig stolz, dass mich der Intendant und Samia für diese Rolle ausgewählt habe“, freut sich die Schauspielerin. Mit der Regisseurin Samia Chancrin hatte sie mit „Nellie goodbye“ schon einmal ein emotionales Stück erfolgreich auf die Bühne gebracht, was auch mit einem Theaterpreis honoriert wurde. Tonnenschwere Last Trotz der politischen Aktualität und Brisanz dieses Themas, möchte sie aber die Rolle der „Katja“ als eine Frau im Vordergrund sehen, die kaum Vorstellbares erlebt: „Wir sind uns alle der Realität bewusst und was rechter Terror bedeutet. Ich möchte aber das Schicksal der Katja in die Herzen des Publikums bringen“, so die Schauspielerin, die ihre Wurzeln in Cottbus hat. Dementsprechend ist das Stück auch in zwei Teile angelegt. Im ersten Teil wird die Geschichte der Familie und des Attentats erzählt und im zweiten die endlos demütigenden Gerichtsverhandlungen dargestellt. Dass Katja dabei immer wieder mit dem Tod ihres Mannes und Sohnes konfrontiert wird, ist eine emotionale, tonnenschwere Last für die junge Frau: „Es berührt mich als Schauspielerin sehr und ich bin oft froh, wenn ich von dem Thema abschalten kann“, gesteht sie. Gartenarbeit statt Bühne Abschalten heißt bei Marianne Helene Jordan unter anderem auch Gartenarbeit. Gemeinsam mit Partner und Schauspieler Robert Eder wird im kleinen, eigenen Schrebergarten der Versuch gestartet, eine bürgerliche Kulturlandschaft zu erzeugen. Ungewöhnlich auch ein weiteres Freizeitvergnügen, das Häkeln: „Ich bin gerade dabei, einen Teppich zu häkeln“, schmunzelt sie. Und wenn dann noch Zeit bleibt, wird gemeinsam mit Robert musiziert. Der Teppich wird wohl erst nach der Premiere von „Aus den Nichts“ am 21. September fertig werden, denn das Stück fordert Marianne Helene Jordan: „Die knapp zwei Stunden haben es in sich, ich bin gespannt, wie es die Zuschauer aufnehmen“, zeigt sie sich etwas nervös aber auch erwartungsfroh.

Termine „Aus dem Nichts“:

• Samstag, 21. September, 19.30 Uhr
• Montag, 23. September, 10 Uhr
• Dienstag, 24. September, 10 Uhr
• Freitag, 1. November, 19.30 Uhr