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Für die Mobilität der Zukunft

Klettwitz. Seit der Übernahme des Lausitzrings durch die DEKRA bekommt die Rennstrecke eine immer größere Bedeutung in Sachen Testzentrum für automatisiertes und vernetztes Fahren. Ein weiterer Schritt in diese Richtung soll jetzt gegangen werden.
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Ein typisches Testszenario für automatisiertes Fahren auf dem DEKRA-Lausitzring.

Ein typisches Testszenario für automatisiertes Fahren auf dem DEKRA-Lausitzring.

Foto: asl

Um automatisiertes und vernetztes Fahren kompetent testen zu können plant die DEKRA am Lausitzring eine neue Teststrecke zu bauen. Dazu werden die Parkflächen P1 und P2 asphaltiert. Auf ihnen sollen sogenannte Citykurse entstehen. "Mit den Citykursen haben wir die Möglichkeit, Verkehrssituationen in Kleinstätten mit enger Bebauung bis zur Metropole mit breiten Straßenschluchten mit flexiblen Elementen zu simulieren. In verschiedenen Testszenarien können so spezielle Situationen dargestellt werden, um die Alltagstauglichkeit automatisierter Fahrfunktionen zu testen", erklärt Uwe Burckhardt, Leiter Test und Event am DEKRA Lausitzring. Mit flexiblen Elementen können so Kreuzungen, Kreisverkehre, Häuserfronten und unterschiedliche Fahrbahnmarkierungen simuliert werden. "Jede Kreuzung ist flexibel gestaltbar, um jegliche Verkehrssituation darzustellen", erklärt Uwe Burckhardt.
 
Das DEKRA-Testoval bietet auf dem Lausitzring bereits optimale Testvoraussetzungen für Simulationen von Autobahnen. Mit den neuen Citykursen soll jetzt auch eine Möglichkeit für Situationen Innerorts geschaffen werden. Die entstehenden Kurse sind Euro NCAP tauglich. Das bedeutet es kann hier getestet werden, ob Assistenzsysteme im Straßenverkehr zugelassen werden können. An einer Simulationsmöglichkeit für Überlandfahrten wird derzeit gearbeitet. "Für die Mobilität von morgen mit Fahrzeugen, die zunehmend automatisiert und vernetzt fahren, ist es entscheidend, dass diese Funktionen vor der Zulassung auf Herz und Nieren getestet werden", erklärt Uwe Burckhardt. "Mit den neuen Testszenarien auf den Citykursen und später geplanten Überlandstrecken wird unser Standort hier in Südbrandenburg entscheidend gestärkt."
 
Die Bedeutung dieses Prozesses unterstreicht der Bürgermeister der Gemeinde Schipkau, Klaus Prietzel: "DEKRA geht hier den nächsten Schritt hin zu einem auch international bedeutsamen Testzentrum für Mobilitätskonzepte der kommenden Jahrzehnte, und damit werden hoch qualifizierte Arbeitsplätze und Wertschöpfung in der Region gesichert. Demnächst wird dann quasi bei uns getestet, wie sich die Welt morgen bewegt." In seiner Komplexität und Flexibilität sind die "Citykurse" die auf dem Lausitzring entstehen in Europa einzigartig. "Wir sind dem Land Brandenburg, dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz und der Gemeinde Schipkau dafür dankbar, wie sie die zukunftsorientierte Ausrichtung des DEKRA Lausitzrings von Anfang an unterstützt haben und weiter unterstützen", so Uwe Burckhardt. "So bringen wir gemeinsam den Strukturwandel in der Lausitz voran."

 

Keine höhere Lärmbelastung

 
Das neue Bauvorhaben wurde in den letzten Wochen von der Öffentlichkeit bereits kritisch beäugt. Doch die Befürchtungen der Anwohner, die Lärmbelastung in den umliegenden Orten könnte durch einen neuen Testbetrieb steigen, soll unbegründet sein. "Jedes Bauvorhaben, welches den Testbetrieb vorantreibt, sorgt dafür, dass die Geräuschbelastung abnimmt", bestätigt Norbert Kohlenbrenner, Leiter Betrieb und Verwaltung am DEKRA Lausitzring. "Es wird keine Schallbelastung geben, die die gesetzlich vorgegebenen Grenzwerte überschreitet. Im Gegenteil sogar, die Werte werden deutlich unterschritten." Am Wochenende werden die Grenzwerte um bis zu 14 Dezibel und unter der Woche sogar um bis 17 Dezibel im Tagesbetrieb unterschritten. Bei einem Testbetrieb in der Nacht können im Ort Hörlitz Geräusche von bis zu 27 Dezibel gemessen werden. In einigen Fällen können Geräuschspitzen bis zu 51 Dezibel in Meuro gemessen werden. "Diese Geräuschspitzen können bei Bremsmanövern entstehen und sind nur für einen Sekundenbruchteil zu hören. Auch mit diesen Geräuschspitzen liegen wir im Bereich der Grenzwerte", erklärt Norbert Kohlenbrenner.
 
Auch die Befürchtung, dass auf der Teststrecke Rennwagen fahren, kann der Leiter Test und Event am DEKRA Lausitzring ausräumen: "Auf der Teststrecke fahren ausschließlich seriennahe Fahrzeuge, die später auch im Straßenverkehr zugelassen werden könnten. Eine Rennstrecke wird hier nicht entstehen. Für Rennwagen sind zum einen die Sicherheitsvoraussetzungen nicht gegeben, zum anderen lässt die Betriebserlaubnis das gar nicht zu." Die erhöhte Lärmbelastung rund um den Lausitzring stammt hauptsächlich vom Motorsportbetrieb. Je mehr sich das Image vom DEKRA-Lausitzring von der Rennstrecke zur Teststrecke wandelt, desto geringer wird auch die Geräuschbelastung im direkten Umfeld sein, gibt Uwe Burckhardt einen positiven Ausblick für die Anwohner. "Der Motorsport wird jedoch weiterhin ein zu Hause auf dem Lausitzring haben", verspricht Burckhardt. "Die Verbrennungsmotoren sterben aus. Wir müssen Maßnehmen vornehmen, damit wir darauf vorbereitet sind. Diese befindet sich mit den Citykursen direkt in Brandenburg, direkt in Klettwitz. Damit sichern wir uns ein Alleinstellungsmerkmal für die Region", so Siegurd Heinze, Landrat des Landreises Oberspreewald-Lausitz.
 
Durch die geplante Teststrecke gehen dem DEKRA-Lausitzring ein Drittel der jetzt vorhandenen Parkplätze verloren. Die neu entstandene Teststrecke kann bei Großveranstaltungen zum Teil weiterhin als Parkflächen benutzt werden. Damit dient der DEKRA-Lausitzring auch weiterhin als Veranstaltungsort für die Region. Knapp 10 Millionen Euro werden für den Bau der Citykurse investiert. Wenn alles nach Plan läuft, könnte die Teststrecke bereits Ende 2022 fertiggestellt sein. Zusätzlich zu der Bedeutung für die Region, schafft der Bau der Citykurse auch neue Arbeitsplätze. Für den Betrieb der Anlage können in diesem Jahr bis zu fünf Mitarbeiter eingestellt werden. Im Jahr 2023 können fünf weitere Arbeitsplätze entstehen. Gesucht werden dafür Facharbeiter aus der Region wie Schlosser und Maschinisten. Im Bereich Test und Event sind bereits 16 Stellen für das Projekt entstanden. Bis 2027 können hier 30 neue Arbeitsplätze entstehen, die mit Kräften aus der Region besetzt werden könnten.

 

Informationsveranstaltung für Interessierte

 
Um die geplante Baumaßnahme und ihre konkreten Auswirkungen detailliert zu erläutern, lädt die DEKRA Automobil GmbH gemeinsam mit der Gemeinde Schipkau für Mittwoch, den 30. März, 18.30 Uhr, zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung ins Media Center des DEKRA Lausitzrings ein. Mit Fachvorträgen zum Thema Geräusch- und Umweltbelastung soll der geplante Umbau allen Interessierten nähergebracht werden. Damit sich Anwohner und Interessierte auch nach der Veranstaltung noch über das geplante Bauvorhaben informieren können, wurde die Offenlage der der Dokumente zum Bauentwurf bis zum 19. April verlängert.