Peter Aswendt

Eine magische Nacht auf einer Insel namens „neue Bühne“

Theater-Spektakel feierte mit „STÜRME!“ nach Shakespeare in Senftenberg erfolgreich Premiere.
Bilder
Prospero (Sebastian Volk) (rechts), entfacht mit Hilfe des Luftgeistes Ariel (Alrun Herbing,Anna Schönberg, Hanka Mark) den Sturm. Foto: »neue Bühne Senftenberg«

Prospero (Sebastian Volk) (rechts), entfacht mit Hilfe des Luftgeistes Ariel (Alrun Herbing,Anna Schönberg, Hanka Mark) den Sturm. Foto: »neue Bühne Senftenberg«

Wenn Shakespeares Protagonist Prospero (Sebastian Volk) am versöhnlichen Ende zitiert: „Wir sind der Stoff, aus dem die Träume sind und unser kleines Leben ist von einem großen Schlaf umringt“, dann ist das einer der Gänsehautmomente, die man als Gast des maritim-magischen Spektakels „STÜRME!“ an der neuen Bühne Senftenberg erlebt. Die Geschichte um William Shakespeares „Der Sturm“ hat märchenhafte Züge. Der Herzog von Mailand, Prospero, wird durch die Machtgier seines Bruders mit seiner Tochter Miranda (Anja Kunzmann) ausgesetzt und strandet auf einer einsamen Insel. Dort herrscht Prospero über den missgestalteten Sklaven Caliban (Roland Kurzweg) und dem Luftgeist Ariel (Alrun Herbig, Hanka Mark, Anna Schönberg). Nach zwölf Jahren führt der Zufall die Schiffe von Prosperos Peiniger an seiner Insel vorbei. Ariel soll einen Sturm entfachen und alle stranden auf Prosperos Insel. Die Magie des Streits und der Versöhnung nimmt seinen Lauf. Mittendrin statt nur dabei An sich eine Geschichte wie jede andere, aber an der neuen Bühne Senftenberg ist Spektakel-Zeit. Für die Zuschauer bedeutet das seetüchtig werden und auf einem der drei Schiffe anheuern, die auf der magischen Insel Prosperos stranden. Das Spektakel besteht aus dem Prolog, also dem Vorboten des Sturms, dem Sturm, dem Inselgeschehen und einem Epilog, der gegen Mitternacht jede Müdigkeit verfliegen lässt. Der Gast, der unbedingt eine Stunde vor dem Beginn sein Seemannshandwerk erlernen sollte, erlebt einen Theaterhof, der zu einem Hafen geworden ist, mit allem, was dazugehört. Schiffe liegen am Pier, Hafendirnen gehen ihrem amourösen Handwerk nach und Fischweiber bereiten Essen zu. Mit Heuerbuch und allerhand seemännischem Rüstzeug ausgestattet, wird man einen der drei Schiffsmannschaften zugeteilt. Jetzt steigt die Spannung und ohne zu viel zu verraten, die Farbe eines kleinen Utensils, nämlich ein Bändchen, sagt viel über das zu Erlebende aus. Rot, Gelb und Blau sind die Farben, also Liebe, Neid und Alkohol bestimmt das Inselleben desjenigen, der dieses Bändchen trägt. Prolog mit Vielfalt Im Prolog „Vor dem Sturm“, unter der Regie von Frank Düwel, erleben die Zuschauer in den Kellergewölben der neuen Bühne die magische Welt von Prosperos Schatten. Friedrich Rößiger und Frank Gees, sowie die Mitglieder der verschiedenen Spielclubs sind hautnah zu erleben und verbreiten die ersten Gänsehautmomente. Je nach Besatzung schwelgt man dann mit Kapitän Marlow (Heinz Klevenow) und dem Chor der Bergarbeiter in Jugenderinnerungen oder erlebt mystische Schattenlinien. Wenn der Sturm wieder alle Schiffsmannschaften (Publikum) im großen Saal vereint, spürt man, dass das Erlebte noch nicht richtig zugeordnet werden kann, aber die Insel ist am Horizont zu sehen. Das Inselleben Die Inszenierung von Manuel Soubbeyrand lässt den Protagonisten Prospero mithilfe des Luftgeistes Ariel einen Sturm entfachen. Dass Ariel von Alrun Herbig, Hanka Mark und Anna Schönberg gleichzeitig dargestellt wird, ist zu Anfang etwas verwirrend, klärt sich aber im Verlauf des Stücks sehr schnell, wenn es auf die Inselwelten geht. Das hervorragende Bühnenbild von Andreas Walkows, lässt den Zuschauer auf der einen Seite Prosperos Rachegelüste erleben, aber auch gleichzeitig beim Kampf der Schiffsbesatzungen mit dem Sturm dabei sein. Mit dem Stranden der drei Schiffe werden auch die Zuschauer das verschiedene Inselleben genießen können. Geschickten Videoeinspielungen sorgen dafür, dass man über die Abenteuer der anderen Protagonisten informiert bleibt. Mitreißend und satirisch Das diesjährige Spektakel ist eine fulminante Ensembleleistung. Schon beim Prolog sind inklusive der verschiedenen Spielclubs bis zu 60 Darsteller involviert. Im Hauptteil und auf der separaten Insel brilliert Roland Kurzweg als Caliban, der in seiner gollumschen Gestalt Intrigen spinnt, um seinen ungeliebten Meister loszuwerden. Sebastian Volk spielt sich als Prospero in eine emotionale Größe, die mit dem eingangs erwähnten Zitat sehr tiefgründig und harmonisch endet. Heinz Klevenow als treuer Gonzalo und Sybille Böversen als König Alonso sorgen für manches Schmunzeln. Catharina Struwe scheint mit dem Intriganten Antonio wieder für sich eine maßgeschneiderte Rolle bekommen zu haben, die sie mit diabolischem Können ausfüllt. Dass dies alles mit tosendem Beifall des Premierenpublikums bedacht wurde, ist nicht verwunderlich. Nach dem Sturm folgt meistens die Ruhe, aber an der neuen Bühne kam der Epilog. Mirko Warnatz und Jan Mixa, der auch für Text und Musik verantwortlich ist, zeigten sich als Ferdinand und Miranda der Zukunft. Wenn es dann hieß: „Wer wagt, gewinnt, drum ran an den Speck“, war auch die Sangesfreude des Publikums gefragt. Also, volle Fahrt voraus in den Sturm der neuen Bühne Senftenberg. Denn, die wahrhaft schönsten Dinge entstehen erst durch Unruhe oder Verwirrung – also durch stürmische Zeiten.

„Stürme!“-Termine

• 6./12./13./20./26./27. Oktober und 2./3./10. November
• Freitagsaufführungen beginnen 19 Uhr, Samstagsaufführungen 18 Uhr
• Jeweils eine Stunde vor Beginn startet der Prolog im Theaterinnenhof