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350-Jährige in Calau lange erhalten

Sieben Meter im Durchmesser, 18 Meter hoch: Die „Napoleoneiche“ in Calau glänzt wahrlich mit Modelmaßen. Doch dem Naturdenkmal und Wahrzeichen der Stadt geht es schlecht. Kein Wunder, ist die Stieleiche doch über 350 Jahre alt. Wie es aktuell um den Baum steht und wie er möglichst lange für die Zukunft erhalten werden kann, darüber informierten der Baumsachverständige Michael Stein und Ferry Richter von der Unteren Naturschutzbehörde jetzt die Abgeordneten des Bau- und Finanzausschusses der Stadt Calau.
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Die „Napoleoneiche“ in Calau wurde vor rund 350 Jahren gepflanzt und ist als Naturdenkmal ein beliebtes Fotomotiv der Stadt. Foto: Michael Stein

Die „Napoleoneiche“ in Calau wurde vor rund 350 Jahren gepflanzt und ist als Naturdenkmal ein beliebtes Fotomotiv der Stadt. Foto: Michael Stein

„Der Baum ist geschädigt und es besteht hohe Bruchgefahr“, heißt es im Zustandsgutachten, welches die Stadt Calau und die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Oberspreewald-Lausitz bei Steins Unternehmen, der GSP Grundstücks Service und Pflege GmbH in Lübbenau, in Auftrag gegeben hat. So habe die markante Eiche, die bereits 1958 als Naturdenkmal eingestuft wurde, im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Schädigungen erlitten. So kam es im Sommer 1990 in Folge eines Blitzeinschlages zu einer enormen Schädigung im Mittelstamm. Altersbedingt treten zudem Pilzinfektionen und Braunfäule auf, die unter anderem die Stabilität des Baumes gefährden und den Holzabbau voranschreiten lassen. Michael Stein: „Im Ergebnis der umfangreichen Untersuchung muss festgestellt werden, dass jahrzehntelanger Holzabbau zu einem sehr kritischen Verhältnis zwischen den noch tragfähigen Restwandstärken des Holzkörpers und der damit zu tragenden Gesamtlast geführt hat. Es besteht Bruchgefahr.“ Um das beliebte Calauer Naturdenkmal möglichst lange zu erhalten, einigten sich die anwesenden Ausschussmitglieder schließlich auf eine von zwei Varianten, die Stein zum weiteren Verfahren vorschlug. Dazu erläutert Margitta Görs, Bauamtsleiterin der Stadt Calau: „Die Abgeordneten folgten der Empfehlung der Fachbehörde und des Gutachters. Danach wird die Eiche zu einem Torso bis auf etwa acht Meter Höhe zurück geschnitten. Damit ist die Verkehrssicherheit gewährleistet.“ Zudem habe das Gutachten von GSP ergeben, dass die Eiche damit noch eine maximale Lebensdauer von etwa zehn Jahren hat. „Während dieser Zeit werden Sämlinge gezogen, wovon der stärkste nach Absterben des Baumes für Ersatz sagen soll“, erklärt die Bauamtsleiterin.   Die Schnittmaßnahmen sollen in der ersten Hälfte des Monats März erfolgen. Die Kosten hierfür betragen rund 2.000 Euro und werden von der Stadtverwaltung und der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises geteilt.

Hintergrund

Ein Wahrzeichen von Calau ist die Napoleon-Eiche, eine Stieleiche mit einer Höhe von etwa 18 Metern. Ihr Stammumfang liegt bei mehr als sieben Metern und ihr Alter wird von Fachleuten auf mehr als 350 Jahre geschätzt. Sie gehört zu den 174 Naturdenkmälern des Landkreises Oberspreewald-Lausitz. Die Bezeichnung der Eiche geht auf die Durchreise Napoleons am 21. Juli 1813 zurück, der auf dem Weg nach Bautzen in Calau seine Pferde wechselte und im Schatten der Eiche gerastet haben soll. (PM/Stadt Calau)