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Jost Schmidtchen

Ohne Dichtwand gibt es keine klare Spree

Spremberg. Zum öffentlichen Bürgerforum »Klare Spree« hatte das gleichnamige Aktionsbündnis kürzlich in Spremberg eingeladen. Etwa 30 interessierte Bürger waren der Einladung gefolgt, erfreulicherweise auch zahlreiche Stadtverordnete.

Ansichten vom Weißen Wehr, dem Eingangstor zur Kleinen Spree und nachfolgender Trainings- und Wettkampfstätte der Kanuten.

Ansichten vom Weißen Wehr, dem Eingangstor zur Kleinen Spree und nachfolgender Trainings- und Wettkampfstätte der Kanuten.

Bild: Jost Schmidtchen

In diesem Jahr begann die Veranstaltung mit einer Begehung neuralgischer Punkte in der Innenstadt, die von der Braunfärbung besonders betroffen sind. Treffpunkt war das Kanu-Bootshaus der SG Einheit. Dort trainierten zu dieser Zeit gerade die Kinder. Kein schöner Anblick auf dem braunen Wasser. »Wir haben da schon unsere Probleme«, so Mitglieder der SG-Leitung. »Die Boote verfärben sich, seit fünf Jahren stellen wir eine zunehmende Verkrautung der Ufer fest, eine Gefahr besonders für unser Motorboot, welches den Trainingsbetrieb begleitet. Die Antriebsschraube verhakelte sich schon mehrfach im Kraut. Das ist nicht gut, denn das Motorboot hat für die Trainierenden auch eine Rettungsfunktion.«

Schnell wurde klar, dass es zwischen der Eisenhydroxidbelastung und dem Unkrautwuchs eine Wechselwirkung gibt. Betroffen ist auch das Weiße Wehr und die darunter liegende Slalomstrecke, die nicht nur für Trainingszwecke, sondern auch der Ausrichtung nationaler und internationaler Wettkämpfe dient.

Nach der Innenstadtbegehung wurde die Veranstaltung im Spreekino fortgesetzt. Bürgermeisterin Christine Herntier nahm in ihrer Begrüßung den Faden vom Kanu-Bootshaus wieder auf. »Das Weiße Wehr ist in den Durchflussbereichen braun, gleiches gilt für das Mühlenwehr und die angrenzende Schleuse. Das zieht sich weiter über die Lange Brücke entlang der Strittmatterpromenade.« Dieser Zustand sei bedauerlich, denn er schränkt die innerstädtischen Erholungsbereiche ein und die Attraktivität der Stadt in Gänze. Zumal nicht nur Touristen die Stadt besuchen, sondern im Rahmen des Strukturwandels auch offizielle Gäste aus Politik und Wirtschaft. »Für Veränderungen ist Geld da und der Wille, nur die Zeit läuft uns davon.«

Der Blick nach vorn

Dazu gab es drei Fachvorträge, die in ihren Kernaussagen in folgenden Schwerpunkten Einigkeit beinhalteten: Ohne die Dichtwand Lohsa II gibt es keine klare Spree. Der Wasserhaushalt der Lausitz muss nach dem Ausstieg aus der Braunkohle gesichert sein und es besteht die Gefahr, dass mit der Stilllegung der letzten Tagebaue das Phänomen des Eisendioxidaustrittes an anderer Stelle erneut zutage tritt.

Winfried Böhmer, stellvertretender Vorsitzender des Aktionsbündnisses, nannte es erfreulich, dass sich die Eisenfracht der Spree in den letzten Jahren halbiert hat. »Die angestrebten 1,8 mg Fe/l Wasser sind jedoch nur mit der Dichtwand Lohsa II erreichbar.« In dieser klaren Ansage waren sich auch die Fachleute Dr. Klaus-Peter Schulze, freier Mitarbeiter der ASG, und Sven Radigk, Leiter der Projektgruppe Gewässergüte Fließgewässer Lausitz der LMBV, einig.

Die anschließende Diskussion war sachlich und auch von fachlichem Verständnis geprägt. »So sauber wie unterhalb der Ruhlmühle in Neustadt wünschen wir uns auch die Spree in Spremberg. Doch das bleibt vorerst ein ferner Traum«, konstatierte Sven Radigk. Damit wird wohl auch die ehemalige Vorsitzende der Spremberger Stadtverordnetenversammlung, Elke Franke, leben müssen: »Mit acht Jahren habe ich in der Spree gebadet, das möchte ich mit 80 auch nochmal.«

 


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