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»Schwarze Grütze« musiziert in Lauchhamer

Die Musikkabarettisten Dirk Pursche und Stefan Klucke sind als »Schwarze Grütze« mit ihrem Programm »Das Besteste« am Donnerstag, 7. November, 19.30 Uhr, in der Friedensgedächtniskirche in Lauchhammer zu Gast. Im Interview sprechen sie über ihre Künstler-Silberhochzeit, Kabarett im Ausland und Klimaschutz.
Das Musikkabarett-Duo „Schwarze Grütze“ kommt am 7. November nach Lauchhammer in die Friedensgedächtniskirche. Foto: Thomas Bartilla

Das Musikkabarett-Duo „Schwarze Grütze“ kommt am 7. November nach Lauchhammer in die Friedensgedächtniskirche. Foto: Thomas Bartilla

Glückwunsch zur Silberhochzeit! Seit 25 Jahren stehen Sie als Musikkabarett-Duo auf der Bühne. Was ist das Geheimnis dieser ein Vierteljahrhundert andauernden, erfolgreichen Künstler-Partnerschaft?

Dankeschön für die Glückwünsche. In dieser schnelllebigen Zeit sind 25 Jahre tatsächlich eine kleine Ewigkeit. Wir sind ja sehr unterschiedliche Typen, aber das muss kein Nachteil sein. Gerade auf der Bühne ist das sogar oft von Vorteil. Vielleicht ist unsere Gegensätzlichkeit das Geheimnis, dass wir so lange erfolgreich zusammen arbeiten.

Und dann ist das natürlich wie in einer Ehe - die übrigens hierzulande im Durchschnitt 15,4 Jahre hält: Wenn es Meinungsdifferenzen oder Probleme gibt, muss man miteinander sprechen und diese ausräumen. Das ist das A und O, das ist das Schwarze und die Grütze.

Als Musikkabarett verbinden Sie zwei ausdruckstarke Kunstformen. Warum haben Sie sich für diese Art der Kleinkunst entschieden?

Wir haben uns beim Musikstudium kennengelernt. Am Anfang haben wir an der Uni Kindermusiktheater gespielt, klassische Singspiele aufgeführt, in einer Swing-Band musiziert und vor allem auch eine Rockband gehabt, für die wir schon damals die Lieder schrieben. Als wir die Lieder dann mal zu zweit ohne die Band gespielt haben, wurde plötzlich im Publikum gelacht, weil so die Texte besser zur Geltung kamen. Daraus wurde dann im Laufe der Zeit unsere ziemlich eigene Form des Musikkabaretts. Wir hatten ja schon immer einen Faible für morbiden Humor. Durch die Musik wird das Schwarze viel weicher und oft erst wirklich lustig.

Kabarett genießt als gesellschaftskritische Kunstform eine hohe Anerkennung im Volk. Welche Rolle spielt dieser Umstand bei der Entwicklung und Gestaltung Ihrer Programme?

Das stimmt. Kabarett ist mittlerweile eine sehr anerkannte Kunstform. Es ist ein wirklicher Vorteil, dass das Publikum an unserer Sicht auf die Dinge interessiert ist.
Wir betreiben generell keinen Kabarett-Populismus. Bei uns wird man kaum Politikerbashing erleben. Einen belehrenden Zeigefinger halten wir nicht in die Höhe, das geht ja auch gar nicht, wir benötigen ihn ja zum Gitarrespielen. Uns interessiert mehr der alltägliche Wahnsinn. Unser Miteinander ist oft ein Abbild der gesamten Gesellschaft. Da steckt auch viel Politik drin, ohne diese benennen zu müssen.

Sie sind viel unterwegs, stehen deutschlandweit auf der Bühne und hatten bereits in der Schweiz und in Österreich Gastauftritte. Inwiefern begreifen Schweizer und Österreicher deutsches Kabarett?

Das Publikum in diesen Ländern ist in aller Regel sehr gut informiert. Durch deutsches Fernsehen, Radio, Tourismus nimmt man vieles wahr. Allerdings können die Leute ja nur über Sachen lachen, die in ihrem Bewusstsein verankert sind, die sie also kennen. Das heißt, wenn wir uns über etwas lustig machen oder Sprüche abwandeln beziehungsweise verdrehen, setzt es natürlich die Kenntnis des Originals voraus. Deshalb machen wir dort etwas ausgiebigere Konzertvorbereitungen, als hierzulande. Manchmal verändern wir im Sinne des Abends auch das Programm etwas ab.

Jetzt führt Ihr Weg Sie nach Lauchhammer – einer Stadt in der Lausitz, die jahrelang vom Bergbau geprägt wurde. Wie gut kennen Sie als Potsdamer diese südlichste Region Brandenburgs?

Die Hälfte unseres Duos stammt ja aus Ortrand, von daher kennen wir die Region wirklich gut. Wir haben schon oft in der Gegend gespielt und haben mittlerweile viele treue Fans hier. Unser direkter Humor kommt hier sehr gut an, bei einigen Entwicklungen ist eine Prise schwarzer Humor ganz hilfreich.

Sie sind mit dem Programm »Das Besteste« in Lauchhammer zu Gast. Was haben Sie für Maßstäbe angelegt, damit es ein Segment aus Ihrem 25-jährigen Repertoire in das »Besteste«-Programm schafft?

Das war in der Tat nicht einfach, sich auf Lieder zu einigen. Einige Nummern kommen beim Publikum gut an, bei anderen finden wir die Textstruktur oder die Musik immer noch toll. Da ist vieles Geschmackssache. Deshalb haben wir in Vorbereitung des Programms auch das Publikum befragt. Dieses hatte wieder andere Favoriten als wir selbst. Mittlerweile nehmen wir uns die Freiheit heraus, neben den Klassikern auch das zu spielen, worauf wir an diesem Tag Lust haben und variieren den Ablauf von Abend zu Abend leicht.

Kabarett übt im Kern künstlerisch-ästhetisch Kritik an Politik und Gesellschaft. Gibt es dabei für Sie eine Grenze, die nicht überschritten werden darf?

Schwarzer Humor spielt ja mit der Grenzverletzung, aus dieser Sicht gibt es nicht wirklich eine rote beziehungsweise schwarze Linie, die wir nicht übertreten wollen. Es ist uns aber sehr wichtig, dass wir über die Musik, den Text oder auch die szenische Umsetzung eine künstlerische Distanz bewahren, die am Ende ja auch den Humor ausmacht. Und wir passen auf, dass unsere Texte nicht persönlich diffamierend oder zu real werden. Das Ganze soll ja auch immer lustig bleiben. Hier gibt es dann doch eine Grenze.

Wie bewerten Sie als Kabarettisten die aktuellen Herausforderungen unserer Gesellschaft hinsichtlich der Aktivitäten an den äußersten Rändern des politischen Spektrums?

Wir sind sowohl in unseren Bühnenfiguren als auch privat überzeugte Demokraten. Wir finden, dass wir verschiedene Meinungen aushalten müssen, auch wenn es manchmal schmerzt. Solange sachlich argumentiert wird, ist die freie Meinungsäußerung absolut großartig. Aber in letzter Zeit ist der Ton aggressiver geworden, aus verbaler Gewalt im Internet wird dann irgendwann reale Gewalt. Das ist nicht hinnehmbar. Natürlich finden diese Entwicklungen Eingang in unsere Programme. Vielleicht kann Humor da sogar helfen. Mit guter Laune ist es viel schwerer, aggressiv zu werden.

Der Klimawandel ist eine globale Herausforderung unserer Zeit. Inwieweit kann Kabarett auch zum Klimaschutz beitragen?

Leider ist unser Konzert an einem Donnerstag. Wäre es einen Tag später, könnten wir es ausfallen lassen und sparten dann Sprit und Strom. Aber Spaß beiseite. Die Jugend macht uns gerade vor, dass man mit Engagement viel erreichen kann. Durch die Aktionen sind Umweltthemen auf die politische Tagesordnung gekommen, das ist ein echter Erfolg.

Im Februar feiert unser neues Programm ’Vom Neandertal ins Digital‘ seine Premiere. Natürlich werden auch Umweltaspekte da eine gewisse Rolle spielen.

Ihre letzten Worte…?

Wir grüßen hiermit alle Leser und hoffen, dass wir uns am 7. November endlich mal persönlich kennen lernen. Wir stehen im Anschluss an das Konzert gern auf ein Glas Bier und zu einem netten Gespräch bereit. Ist das nicht ein schöner Grund, mal wieder in die Kirche zu gehen?

Termin

Schwarze Grütze: „Das Besteste“
Donnerstag, 7. November, 19.30 Uhr
Friedensgedächniskirche Lauchhammer


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