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Peter Aswendt

Flower-Power-Kult mit Pilzgeschmack

Senftenberg. Hippie-Pop, Hindu-Weisheiten und legendäre Songs erlebt man bei der fulminanten Musicalinszenierung von Hair im Amphitheater.
Flower-Power im Amphitheater. Das Musical Hair begeistert mit dynamischen Tanzeinlagen und Kulthits. V.l.v.: Cassandra Emilienne, Robert Eder und Anthony Curtis Kirby.

Flower-Power im Amphitheater. Das Musical Hair begeistert mit dynamischen Tanzeinlagen und Kulthits. V.l.v.: Cassandra Emilienne, Robert Eder und Anthony Curtis Kirby.

Bild: neue Bühne Senftenberg

Die Sommersaison der neuen Bühne Senftenberg hat spektakulär begonnen: Ausverkaufte Vorstellungen und stehende Ovationen für ein Ensemble, welches sich in das Herz des Publikums tanzt und singt. Natürlich muss man auch das passende Stück dazu haben. Im Fall des Sommer-Saison-Openers der neuen Bühne Senftenberg ist es das Kultmusical Hair, das mit maximaler Besetzung, spektakulärem Bühnenbild und einem eindrucksvollen Hippie-Look von Daniel Ris inszeniert wurde.

 

Zeitlos mit Haltung

 

Vor fast 60 Jahren wurde das Musical Hair uraufgeführt. Bis heute haben die Geschichte und die Musik nichts von ihrer Energie verloren. Hair lässt die Zeit der Blumenkinder wieder auferstehen. In den USA der 1960er-Jahre protestieren Hippies gegen den Vietnam-Krieg – »Make Love, Not War« ist das Motto, alle erwarten »The Age of Aquarius«, das Jahr des Wassermanns, das Liebe und Frieden bringen soll. Zwischen LSD und Räucherstäbchen, freier Liebe und Esoterik taucht Claude (Patrick Gees), der gerade seinen Einberufungsbefehl für den Vietnam-Krieg erhalten hat, auf. Er begibt sich nach New York. Dort trifft er auf Berger (Leon Haller), dessen Freundin Sheila (Cassandra Emilienne) und einige andere Hippies. Die lehnen sich gegen den Vietnam-Krieg auf und versuchen Claude, von ihren Idealen zu überzeugen. Claude sieht sich mit einem immer größer werdenden inneren Konflikt konfrontiert: Die Ideale seiner neuen Freunde passen nicht zu seiner konservativen Herkunft und zu den Wertvorstellungen, mit denen er aufgewachsen ist. Claude muss sich entscheiden: Wird er als Soldat in Vietnam kämpfen und Menschen töten und damit seinem Land dienen – oder wird er den Dienst verweigern und damit eine Gefängnisstrafe sowie gesellschaftliche Ächtung riskieren.

 

Sexy und emotional

 

Sage und schreibe 17 Akteure stehen auf der kleinen Bühne des Amphitheaters. Darunter sechs Tänzerinnen und Tänzer, der Tribe, die vom Kulturregen e.V. aus Wormalge kommen. Die geballte Ensemblekraft beeindruckt emotional wie auch optisch. Typische Hippiekostüme, alle in Beige gehalten, lange Haare und das obligatorische Halluzinogen für den Weitblick, lassen eine psychedelische Stimmung entstehen, die mit Ohrwürmern gespickt ist. Die drei Hauptakteure Cassandra Emilienne (Sheila), Leon Haller (Berger) und Patrick Gees (Claude) zeigen sich stimmgewaltig und überzeugend. Andy Kubiak sorgte als Räucherstäbchen schwingender Mönch für Lachsalven. Als Jimmy-Hendrix-Double kiffte sich Robert Eder (Woof) mit einem Augenzwinkern durchs Hippie-Dasein. So manche Zuschauerin schaute genau hin, als Anthony Curtis Kirby (Hud) und Patrick Gees im Feinripp auf der Bühne stand. Nicht zu vergessen Matthias Manz, der in einer Vierfachrolle sein komödiantisches Potenzial in voller Breite zeigte.

 

Hair ist zwar historisch an den Vietnamkrieg angelehnt, hat aber gerade durch die aktuellen Geschehnisse in der Welt nichts an Aktualität verloren. Das Ensemble lebt im wahrsten Sinne des Wortes das Stück und so verwundert es nicht, dass das Publikum mit stürmischem Beifall Zugabe fordert. Noch bis Ende Juli ist das Musical im Amphitheater am Senftenberger See zu erleben.

Spieltermine

  • 21. Juni, 19.30 Uhr
  • 22. Juni, 19.30 Uhr
  • 11. Juli, 19.30 Uhr
  • 12. Juli, 19.30 Uhr
  • 13. Juli, 19.30 Uhr
  • 18. Juli, 19.30 Uhr
  • 19. Juli, 19.30 Uhr
  • 20. Juli, 19.30 Uhr

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