wit/asl

Kein Rares mehr gegen Bares

Immer am ersten Sonntag des Monats bevölkerten ganze »Heerscharen« Schnäppchenjäger aber auch Freunde von Kunst und Krempel den Finsterwalder Aldi-Edeka-Parkplatz. Damit es jetzt vorbei - Karin und Eberhard Melzer geben den Niederlausitzer Trödelmarkt auf.
Bilder
Nach 18 Jahren ist nun Schluss. Fotos: Archiv

Nach 18 Jahren ist nun Schluss. Fotos: Archiv

Vor 18 Jahren, als ein Horst Lichter noch Fernsehkoch war und »Bares für Rares« nicht erfunden, ging das Finsterwalder Fotografen-Ehepaar schon mit der Idee schwanger, einen regelmäßigen Familiensonntag in der Sängerstadt zu etablieren. Was lag da näher als einen gemütlichen Stadtbummel mit Gucken, Staunen, Feilschen und Kaufen zu verbinden. 2003 war es dann soweit. An seine ersten Trödelmärkte kann sich Eberhard Melzer noch ganz genau erinnern: »Gestartet sind wir damals recht bescheiden im Schloss Finsterwalde. Die Resonanz war allerdings derart groß, dass der Platz für Händler und Publikum schon bald zu klein werden sollte. So zogen wir schließlich in die Berliner Straße und später an unseren letzten Stammplatz auf den Aldi-Edeka-Parkplatz. Das Konzept, nicht nur einen einfachen Trödelmarkt zu veranstalten, sondern einen Erlebnistag für die ganze Familie, ging in all den Jahren auf und die Besucherzahlen machten uns echt Mut.« Mut, den der umtriebige Finsterwalder vor rund zehn Jahren besonders brauchte, weil ihm seine Ärzte nicht mehr alles durchgehen lassen wollten. Aufgeben kam aber nicht in Frage, zu viel Herzblut hatte der Mann schon in das Projekt »Niederlausitzer Trödelmarkt« fließen lassen. Mehr und mehr musste sich jetzt seine Frau Karin mit um die Organisation kümmern, Kontakt zu Händlern und Mitstreitern halten und über reichlich bürokratische Hürde springen. »Mein Mann konnte bald wegen gesundheitlicher Probleme nur noch im Hintergrund agieren. Alles lief eigentlich wie gewohnt, bis uns Lockdown und Pandemievorschriften auszubremsen drohten. Doch dank der Unterstützung vieler Freunde und Mitstreiter konnten wir im August noch einmal einen Neustart wagen. Nicht ahnend, dass das der letzte Trödelmarkt unter unserer Regie sein würde«, so Karin Melzer. Übrigens wieder eine recht erfolgreiche Veranstaltung mit riesiger Resonanz, die bei den Melzers allerdings auch einige Fragen aufwarf: »Würden wir es schaffen, einem drohenden neuen Lockdown mit all seinen Konsequenzen Paroli zu bieten um den ständig steigenden Forderungen des Finsterwalder Ordnungsamtes gerecht zu werden? Eine von vielen Fragen, die wir uns kürzlich mit einem klaren Nein beantworten mussten. So schön auch die letzten 18 Jahre waren, aber die Gesundheit meines Mannes hat jetzt Priorität. Wir danken allen unseren treuen Händlern, Unterstützern und Trödelmarktbesuchern der Niederlausitz«, verabschiedet sich die Mitorganisatorin des beliebten Familiensonntags. Im »Buschfunk« wird aber schon jetzt kräftig spekuliert. Wird der nächste »Niederlausitzer Trödelmarkt« vielleicht in der Nachbarstadt Elsterwerda stattfinden? Zaghafte Äußerungen von Entscheidungsträgern soll es wohl schon gegeben haben.