J. Weser

Ein Dorf hat sich im Schloss eingerichtet

Altenau ist im Schloss Doberlug angekommen. Die Fotoausstellung ,,Sehnsucht Himmel Blau“ des Künstlers Paul Böckelmann zeigt das Alltagsleben eines Dorfest.
Bilder
Spaß an den Bildern haben Paul Böckelmann (re.) und Kulturamtsleiter Andreas Pöchl.     Foto: J. Weser

Spaß an den Bildern haben Paul Böckelmann (re.) und Kulturamtsleiter Andreas Pöchl. Foto: J. Weser

Die Ausstellung ist bis zum 31. Januar zu sehen. Vorigen Sonntag wurde sie vor zahlreichem Publikum im Schlosshof durch das Schalmeienorchester des MSV Grün-Weiß Fichtenberg eröffnet. Dr Rainer Ernst als Leiter der Elbe-Elster-Museen und Laudator Professor Peter Bräunig aus Berlin führten in die Ausstellung ein.

Das Dorf als Heimat zeigt die Ausstellung in vielen Facetten. Böckelmann, der selbst seit mehr als drei Jahrzehnten in Altenau lebt, schaut in die Häuser und Wohnstuben der Einwohner, holt sie bei ihrer Arbeit, ihren Hobbys und beim Feiern vor die Kamera und vermag Lebenseinstellungen auf den Bildern zu zeigen.. Er ist mitten unter den Menschen in ihrer dörflichen Landschaft. Heimat charakterisierte Professor Peter Bräunig aus Berlin in seiner Laudatio als sich nie ganz erfüllende ,,himmelsblaue Sehnsucht". Böckelmann sei mit fotografischen Mitteln eine lebendige soziologische Studie gelungen ,,über einen Ort stellvertretend für viele Orte des Landkreises", befand Dr. Rainer Ernst.

Das Thema Heimat hat in der Ausstellung besondere Brisanz durch die aktuellen Flüchtlingsströme gewonnen. Flüchtlinge suchen eine neue Heimat, wie Flüchtlinge und Vertriebene sie nach 1945 auch in Altenau gefunden haben, erinnert Peter Bräunig, der seine Kindheit und Jugend selbst in der Elbe-Elster-Region verbracht hat. Böckelmanns Fotoausstellung zeige, ,,wie heutige Einheimische heimisch geworden sind", schlägt der Laudator den historischen Bogen.

,,Heimat ist für mich jeder Ort, an dem auch Fremde ihren Platz finden!" Als ,,Fremde", als Künstler haben Paul Böckelmann und seine Frau E.R.N.A. in Altenau ihren Platz gefunden, sich seit 1980 das Vertrauen der Einheimischen erworben, das alte Pfarrhaus zum Kunstrefugium entwickelt und im Dorf Offenheit vorgelebt. Mit dem erworbenen Vertrauen war möglich, dass fast alle Dorfbewohner dem Künstler ab 2010 für das Projekt ,,Altenau- ein Dorf öffnet sich" Türen und Tore öffneten und Einblick in ihre Lebensgeschichten gewährten.

Paul Böckelmann ist im besten Sinne eine ,,bürgerlich-bäuerlich-volkstümliche" Darstellung von Alltagsleben gelungen, lautet das Fazit. Als Begleitveranstaltung zur Ausstellung liest am 20.11. Holger Hübner vom Staatsschauspiel Dresden Textcollagen aus den Altenauer Biografien.