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Die Frau zum Lied der Stadt

Sie gehört längst zur Sängerstadt wie das berühmte Lied. Am Sonntag konnte Karin Melzer einen runden Geburtstag feiern.
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So wie man die Frau kennt: Immer ein Mikro in der Hand und ein Lächeln im Gesicht. Foto: ws

So wie man die Frau kennt: Immer ein Mikro in der Hand und ein Lächeln im Gesicht. Foto: ws

Siebzig Jahre alt wurde die Finsterwalderin, die in ihrem Leben so manche Unterhaltungsbühne rockte am letzten Februartag. Man kann es kaum glauben bei der agilen, temperamentvollen und lebensbejahenden Frau. Mit überschäumender Freude begrüßte sie in Melzers Garten am ehemaligen Forsthaus Mitglieder ihrer Gruppe »Lebensfroh«. Die Frauen und Männer mit körperlicher und geistiger Behinderung sind ihr ans Herz gewachsen. Seit fast einem Jahr darf sie wegen Corona nicht mit ihnen gemeinsam singen, was sie tüchtig schmerzt. Karin du fehlst uns«, war Sonntag immer wieder zu hören.

Höhepunkte

Auch die Eltern vieler von Karins »Lebensfroh« Schützlingen wissen, was Karin Melzer als Mutmacherin bedeutet und was sie mit ihrer offenen Art geleistet hat. Mit Ehrungen kennt sich Karin Melzer aus. Aber diese aus ehrlichem Herzen kommenden Dankeschöns sind etwas Besonderes. »Der Tag, an dem ich dich kennenlernte, war der schönste Tag für mich«, traf Holger Steinigk die Gefühle zahlreicher Gratulanten. 2002 wurde Karin Melzer mit dem Förderpreis der Rotarier Finsterwalde geehrt und 2007 mit der Louis-Schiller-Medaille für verdienstvolle Bürger der Sängerstadt. Gesang prägte Karin Melzers Leben: als Sängerin, Gesangslehrerin und Betreuerin der vier kleinen Finsterwalder Sänger und seit 2002 mit der Leitung der Gruppe »Lebensfroh« über die Kreismusikschule. 2011 sendete das RBB Fernsehen ein Porträt über ihre Arbeit mit der Gruppe. Einen besonderen Höhepunkt erlebte Karin, als ihr in der Berliner Gedächtniskirche mit dem »Shine & Light« aus den Händen von Jazz-Ikone Jocelyn B. Smith eine besondere Ehrung zuteil wurde. Sie war mit »Lebensfroh« zum Mitsingeprojekt »Every body can sing« eingeladen worden. Während des Konzertes gab es die Ehrung für ihre Arbeit mit Menschen mit Behinderung. Karin Melzer ist ihre Gruppe »Lebensfroh« ans Herz gewachsen. Deshalb tut ihr auch die durch Corona erzwungene Trennung besonders weh. Ihre Schützlinge möchten das Singen mit »unserer Karin« nicht missen. In Finsterwalde sind sie seit Jahren beim Sängerfest und anderen Konzerten nicht wegzudenken. Auf eine CD wurden die besten Lieder gepresst. Die kulturelle Arbeit mit den behinderten Menschen ist der Lebensinhalt von Karin Melzer geworden, die solch ein Schicksal mit ihrem eigenen Sohn erlebt hat und sich jetzt auch liebevoll um ihren erkrankten Mann Eberhard kümmert. Karin Melzer hat in Finsterwalde ein Stück Kulturgeschichte mitgeschrieben. Da war das Engagement der ausgebildeten Sängerin und Musiklehrerin für die Kindergesangsgruppe »Die Finsterwalder Spatzen«, aus deren Reihen Begabungen wie Silvi Ecknigk, Paloma Klose und Steve Lorper hervorgegangen sind und die mit Auftritten im Fernsehen die Sängerstadt bekannter gemacht haben, da war ihr Einsatz für die Ausbildung und Betreuung der »Vier kleinen Finsterwalder Sänger«, über welche die Tradition der Sängerstadt weitergetragen wurde und da ist ihr Einsatz für die Gruppe »Lebensfroh«. Karin Melzer betont immer wieder, dass sie alles nur mit Hilfe von Ehemann Eberhard und von zahlreichen Mitstreitern geschafft habe. Karin Melzer lebt zwei Leidenschaften, die Musik und die Arbeit mit Menschen.

Spaß und Leidenschaft

Schnell stand für sie fest: »Ich werde Sängerin«. Ein Gesangsstudium für Chanson und Musical an der Hochschule für Musik Carl-Maria von Weber in Dresden brachte das Rüstzeug. Auch wenn die Geburt und das Schicksal von Sohn »Olli« ihr Leben veränderte, blieb die Musik ihr Lebenselixier. »Die Finsterwalder Spatzen«, 1985 gegründet, haben Finsterwalde durch Auftritte im Fernsehen nach außen getragen, Musicals und einige CDs sind geblieben. »Ich möchte, dass Behinderte so behandelt werden wie wir alle.« Diesen Grundsatz will Karin Melzer mit der Gruppe »Lebensfroh« weiterleben und hofft deshalb, dass sie bald wieder miteinander singen können.


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