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Die Chefin klopft auf Holz

Dass ihr erstes Jahr im neuen Job im gefühlten »Lockdown« endet, hätte Janine Schmidt (44) am 1. Dezember 2019 wahrscheinlich auch nicht erwartet.
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Seit über einem Jahr auf dem Chefsessel. Janine Schmidt löste 2019 die langjährige Geschäftsfüherin Sigrid Jähnichen ab. Foto: wit

Seit über einem Jahr auf dem Chefsessel. Janine Schmidt löste 2019 die langjährige Geschäftsfüherin Sigrid Jähnichen ab. Foto: wit

Dem WochenKurier sagte die Chefin der Seniorenzentrum Albert Schweitzer gGmbH damals, dass sie sich »auf die große Herausforderung« freuen würde. Eine Herausforderung ist es inzwischen im wahrsten Sinne des Wortes geworden, aber die Freude darüber dürfte sich auch bei ihr heute in deutlichen Grenzen bewegen. Und dennoch klopft die Frau auf das sprichwörtliche Holz, denn der Kelch einer Covid-Katastrophe scheint an ihren drei Einrichtungen vorerst vorübergegangen zu sein, zumindest bis zum Redaktionsschluss: »Unser stringentes Hygienekonzept hat sich bisher gut bewährt. Die wenigen Fälle von Ansteckungen unserer Bewohner mit dem Virus haben wir ganz gut in den Griff bekommen, zumal die Ursachen dafür eher außerhalb unserer Häuser lagen. Unsere Pflegekräfte, Verwaltungsangestellte und alle sonstigen Teams ziehen in dieser Situation richtig toll mit und halten sich an alle Spielregeln, die wir schon im Frühjahr aufgestellt und immer wieder präzisiert haben. Kein leichtes Unterfangen, weil wir unseren Bewohnern und deren Angehörigen möglichst viel Normalität in unnormalen Zeiten bieten möchten.«

Pflegekosten

Was nicht immer gelingt, denn derzeit steht beispielsweise der Wohnbereich 1 im Finsterwalder Pflegeheim unter Quarantäne, die allerdings demnächst aufgehoben werden soll. Nicht unter Quarantäne stehen die jährlich steigenden Kosten für einen Pflegeplatz. »Blaue Briefe« kündeten den Pflegebedürftigen jüngst Entgelterhöhungen von 167,49 Euro pro Monat an. Wer es in seinem langen Arbeitsleben nicht auf genügend Rentenpunkte gebracht hat, wird die ab 1. Januar fälligen 1.842,24 Euro ohne »Vater Staat« nicht mehr stemmen können. Dass sich hier sprichwörtlich »die Katze in den in den Schwanz beißt«, bedauert Janine Schmidt sehr und hätte auf derartige Botschaften zum Jahresausklang gern verzichtet. »Einer der Kostentreiber ist der so genannte Pflegefond, in den alle Pfleganbieter und Krankenhäuser einzahlen, um die zentrale schulische Pflegeausbildung (Generalistik) zu refinanzieren«, so Schmidt.

Kostentreiber

Entgegen aller Prognosen habe sich allein dieser Wert verdoppelt und würde ab Januar mit 2,01 Euro pro Tag und Bewohner zu Buche schlagen. Hinzu kämen dringend notwendige Investitionen in und an den Häusern, die für 2021 geplant wären.

Hintergrund

Die Seniorenzentrum »Albert Schweitzer« gGmbH ist Träger von Pflegeeinrichtungen in Herzberg, Doberlug-Kirchhain und Finsterwalde mit Kurzzeit-und Verhinderugspflege.


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