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„Das war von Anfang an nicht mein Ding - Beruf Tochter“

Als Lehrerin einmal Kinder unterrichten, davon träumte Antje Kuna-Theile seit ihrer Kindheit. Doch änderte sich mit der politischen Wende in Deutschland der berufliche Werdegang radikal. Die junge Frau leitet heute erfolgreich ein Familien-Unternehmen mit insgesamt 65 Mitarbeitern.
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Firmenchefin Antje Kuna-Theile antwortete den Fragen des Moderators Ralf Henkler. Foto: H. Lübeck

Firmenchefin Antje Kuna-Theile antwortete den Fragen des Moderators Ralf Henkler. Foto: H. Lübeck

In seiner Gesprächsabendreihe „Lausitzer Leuchttürme“ möchte der Bundesverband Mittelständische Wirtschaft gemeinsam mit dem WMZ TV und dem WochenKurier erfolgreiche regionale Unternehmen vorstellen und die „Leuchtturmwärter“ zur Sprache kommen lassen. Ziel ist es, den Menschen hier zu zeigen, welche Leistungen in der Lausitz vollbracht werden. Tochter übernahm zum 25. Jubiläum Gesprächsgast war diesmal die Geschäftsführerin der Holz-Zentrum Theile GmbH Elsterwerda, Antje Kuna-Theile. 1990 von Hartmut und Monika Theile in Stolzenhain/Röder (Elbe-Elster-Kreis) gegründet, übernahm Tochter Antje zum 25-jährigen Firmenjubiläum im Juli 2015 als Hauptanteilseigner die Leitung der Holz-Zentrum Theile GmbH von ihren Eltern. Wichtige Stationen der Firmengeschichte waren auch der Umzug mit Eröffnung des Fachmarktes im Elsterwerdaer Industrie- und Gewerbegebiet Ost im Jahr 1996 und die Eröffnung der Filiale in Bernau. „Doch wie kam es vom Traumberuf Lehrerin zum Sprung an die  Spitze einer Erfolgsfirma?“, wollte Ralf Henkler, Leiter der Wirtschaftsregion Cottbus/Niederlausitz im BVMW, der den Gesprächsabends sehr unterhaltsam und informativ moderierte, wissen. „Ich lernte schon als Kind, Verantwortung zu übernehmen, war in meiner Schulklasse Gruppenratsvorsitzende und FDJ-Sekretär. Insofern gibt es schon Parallelen“, antwortet Antje Kuna-Theile, und: Bereits in Stolzenhain habe ich meinen Eltern geholfen. Außerdem bin ich ein absoluter Familienmensch!“ Nach ihrem Studium zum Diplom Betriebswirt und weiteren Fortbildungsmaßnahmen, u.a. in Frankreich, stieg sie 1997 voll in das Familienunternehmen ein. Tochter als Beruf abgelehnt „Und wie war dann so am ersten Arbeitstag in der elterlichen Firma?“, hakte Ralf Henkler weiter nach: „Also Beruf Tochter war von Anfang an nicht mein Ding. Deshalb habe ich mit angepackt, im Lager gearbeitet oder die Lkw bestückt“, betonte sie. „Auch war es für die Mitarbeiter nicht einfach. Damals noch die ‚kleine Antje‘ und nun sollten sie ‚Frau Theile‘ sagen. Doch es hat alles gut geklappt.“ Steckenpferd Aber ihre Liebe zur Lehrertätigkeit blieb stets erhalten und spielt spätestens seit 2007 eine gewichtige Rolle, als sie als Assistentin in die Geschäftsleitung einzog. So liege ihr das Thema „Ausbildung“ sehr am Herzen, sei sozusagen ihr Steckenpferd: „Wenn junge Leute die Region verlassen, fehlen sie uns in Zukunft als Fachkräfte als auch als Kunden.“ Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 70 jungen Menschen wurde in 25 Jahren eine Ausbildung ermöglicht. Einige sind heute noch im Unternehmen. Nicht zuletzt deshalb erhielt Holz-Zentrum Theile den Ausbildungspreis 2015 und einige Jahre vorher den Ausbildungspreis des Landes Brandenburg. Und auch auf die Frage, „Welche Entscheidungen würde Antje Kuna-Theile treffen, wenn sie Ministerin wäre?“, musste sie nicht lange überlegen: „Ich würde als Bildungs- und Wirtschaftsministerin ein einheitliches Bildungssystem schaffen, die Infrastruktur unserer Region nach Leipzig und Dresden verbessern und die regionale Wirtschaft an einen Tisch holen, um die Jugendlichen hier zu binden.“                     (Heiko Lübeck)


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