Bernd Witscherkowsky

Beste Freunde in schweren Zeiten

Elbe-Elster. Seit 1931 steht er dick unterstrichen in den Kalendern von Freunden und Helfern unserer Mitgeschöpfe in Fellmantel oder Federkleid- am 4. Oktober ist wieder »Welttierschutztag«.

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Sie sind Spielkameraden, Beschützer, Seelentröster und beste Freunde. Hunde und Katzen sind aber auch Lebewesen, die unsere Fürsorge und Aufmerksamkeit brauchen.

Sie sind Spielkameraden, Beschützer, Seelentröster und beste Freunde. Hunde und Katzen sind aber auch Lebewesen, die unsere Fürsorge und Aufmerksamkeit brauchen.

Foto: wit

Für die Tierschützer im Landkreis Elbe-Elster aber kein Grund zum Feiern, eher einer um auf das aktuelle Leid der Haus- und »Kuscheltiere« aufmerksam zu machen. Dieses Jahr aber besonders laut und eindringlich. Denn je mehr die Pandemie vermeintlich ihren Schrecken verliert und die tierischen »Kumpels« nicht dringend als Seelentröster gebraucht werden, platzen die Auffangstationen der Tierschutzvereine Herzberg und Finsterwalde aus allen Nähten. Nicht die einzige Sorge, weshalb die ehrenamtlichen Helfer jetzt um Hilfe rufen. Seit 2019 kein Tierheim mehr, die Preise für Futter schießen durch die Decke, Vermittlungen von Vierbeinern nur noch selten und ab November schlägt auch noch die neue Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) zu. »Unsere Pflegestellen in Kostebrau und Schönborn sind am Limit«, sagt Sabine Delloch (65) vom Tierschutzverein Finsterwalde (74 Mitglieder), die sich in Schönborn selbst um elf schnurrbärtige »Findelkinder« kümmert.

Sorgen macht sich Delloch zum Beispiel um die explosionsartige Vermehrung herrenloser Hauskatzen, speziell auf dem ehemaligen »Russenflugplatz« in Finsterwalde: »Allein dort haben wir im Sommer ein gutes Dutzend Tiere eingefangen, in Sicherheit gebracht und kastrieren lassen.« Die Dunkelziffer sei aber wesentlich höher und bei den bald ebenfalls explodierenden Tierarztkosten nur noch schwer zu stemmen. Weshalb die Tierfreundin auch an die Vernunft appelliert: »Hunde, Katzen oder Kaninchen sind keine Freunde für kurze Zeit, kein Spielzeug und gehören schon gar nicht unter den Weihnachtsbaum. Und wer sich für ein Haustier entscheidet, sollte bedenken, dass die Anschaffung selbst nur die geringsten Kosten verursacht«. Über die voraussichtliche Lebenszeit einer Katze sollte man da mit mindestens 13000 Euro, für einen gesunden Hund rund 16000 Euro einplanen. Im Krankheitsfall kann dies auch deutlich mehr werden.

Ziemlich gleiche Probleme wie die Finsterwalder mahnen auch die Ehrenamtler aus Herzberg an. Mit gut 22 Pflegestellen zwar recht gut aufgestellt, ist das Team um Vereinschefin Ilona Bonhoff ebenfalls an der Kapazitätsgrenze, was auch schleichend für die Vereinskasse gilt. Allein die Tierarztkosten verschlangen hier im Vorjahr rund 65000 Euro, bis zum Jahresende 2022 sind 80000 Euro prognostiziert. Susanne Seidler, Mitglied im Vorstand, dazu: »Es ist schon beängstigend, ja wirklich. Was soll aus all den Tieren werden, denen wir nicht mehr helfen können, einfach aus Angst, die Kosten nicht mehr tragen zu können. Wir geben zwar weiter unser Bestes, können aber nur helfen, wenn auch uns geholfen wird. Egal ob durch eigene praktische Hilfe oder Geldspenden«. Und so setzt Susanne Seidler nicht nur am »Welttierschutztag« auf die Solidarität der Elbe-Elster-Länder. Nur den Begriff »herrenlose Tiere« mag die Frau gar nicht: »Alle Haustiere haben oder hatten einmal irgendein Frauchen oder ein Herrchen, besonders Katzen. Und auch deren bewusstes Aussetzen in die Wildnis ist und bleibt eine Straftat«. Hoffnung setzen jetzt alle Helferinnen und Helfer auf ein neues Tierheim, was auf dem Gelände der alten Schuhfabrik zwischen Uebigau und Falkenberg entstehen soll. Der Bauantrag ist längst gestellt, das Grundstück gekauft und der Landkreis beteiligt sich mit 150000 Euro an den Baukosten. Ob das allerdings reichen wird und planmäßig Ende 2023 eröffnet werden kann, darf zumindest angezweifelt werden. Inflation und der reale Wahnsinn auf dem Baustoffmarkt lassen nur wenig Spielraum für gesunden Optimismus.

• Tierschutzverein Finsterwalde e.V.

Sabine Delloch

Telefon: 0151/58419751

Spendenkonto: DE571805 1000 3100 204750, Sparkasse Elbe-Elster

• Tierschutzverein Herzberg/Tierhilfe Südbrandenburg e.V.

Susanne Seidler

Telefon: 0152/29599277

Spendenkonto: DE56 1805 1000 0201 0171 64, Sparkasse Elbe-Elster


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