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Straupitz: Bürgermeister rückt Schlüssel heraus

Ab sofort hat der Fastnachtsverein Straupitz/Spreewald e.V. das Sagen im Spreewaldort Straupitz (Amt Lieberose/Oberspreewald). Am heutigen Samstag musste Bürgermeister Andre Urspruch den Schlüssel der Gemeinde herausrücken.
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Dazu nahm er den Weg bis zur Festhalle an der Laasower Straße auf sich. Denn dort hatten sich die Mitglieder des Fastnachtsvereins getroffen, um das Gelände winterfest zu machen. Blätter wurden zusammengekehrt und auf einem Wagen geladen, Rasen gemäht und Ecken von Unrat befreit. Eine Schlüsselübergabe am 11. November war aus terminlichen Gründen leider nicht möglich. Bereits 2013 hatte so einst Bürgermeister Winfried Rekitt dem Fastnachtsverein den Schlüssel während eines Arbeitseinsatzes übergeben. Um 11.11 Uhr war es soweit: Bürgermeister Andre Urspruch stand jetzt im Mittelpunkt. „Wir haben ein sehr bewegendes Jahr hinter uns“, sagt er und spricht etwa vom Verlust des früheren Bürgermeisters Winfried Rekitt und vom Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Dort steht die Gemeinde jetzt im Bundeswettbewerb. „Was Winfried Rekitt begann, dass haben wir in seinem Sinn weitergeführt. 2014 ist er mit Straupitz im Wettbewerb Kreissieger geworden, qualifizierte sich für den Landeswettbewerb. Dort belegten wir jetzt den zweiten Platz“, berichtet Andre Urspruch und fügt an, dass im Juni 2016 die Bundesjury für zweieinhalb Stunden Straupitz besuchen wird. „Wir sind guter Hoffung“, sagt der Chef der Gemeinde. „Der dörfliche Zusammenhalt hat uns über diesen Wettbewerb getragen - und das wird auch auf Bundesebene so sein. 20 Vereine und Instituationen haben sich bisher für diesen Wettbewerb engagiert. Darauf bauen wir auch im Juni. Verstellen wollen wir uns nicht. Wir wollen uns so präsentieren wie wir sind - mit unseren Stärken und Schwächen. Wir wollen zeigen, dass wir ein Dorf mit Zukunft sind.“ Die Vorbereitungen für den Besuch der Bundesjury hat der Bürgermeister heute allerdings symbolisch in die Hände des Fastnachtsvereins gelegt: „Wir vertrauen da auf euch“, sagt Urspruch und schmunzelt. Diesen Schabernack konnte er sich nicht verkneifen. Wenn er schon die Amtsgeschäfte abgeben muss, dann richtig. Doch das Prinzenpaar Henrik Schulz I. (23 Jahre) und Anna-Lena Jerol I. (22 Jahre) konnte er mit so einer Aussage nicht schocken. Sie hätten mit ihren Anhängern selbstverständlich den Jurybesuch vorbereitet. Vorerst halten sie den goldenen Gemeindeschlüssel in den Händen. Für den Fastnachtsverein Straupitz/Spreewald e.V. ist das aktuelle Prinzenpaar eine Besonderheit. „Wir waren 2002 hier in Straupitz bereits das Kinderprinzenpaar“, sagt Henrik Schulz. „Soweit ich weiß, gab es das bisher bei uns in Straupitz noch nie.“ Der 23-jährige Prinz führt, wie er erzählt, eine lange Familientradition fort: „Mein Bruder und meine Schwester waren ebenfalls schon einmal Teil eines Kinderprinzenpaares und später auch ein großes Prinzenpaar. Das ich heute hier als Prinz stehe war also folgerichtig.“ Bruder Daniel Schulz gehörte 1997 zum Straupitzer Kinderprinzenpaar, Schwester Anna Schulz im Jahr 2000. In der Saison 2009/2010 war Daniel der große Prinz, Anna in der Saison 2010/2011 eine große Prinzessin. Dagmar Schulz, Mutter aller drei Kinder, war heute bei dem ersten öffentlichen Auftritt ihres Sohnes Henrik als erwachsener Prinz natürlich mit dabei. „Es zeigt, dass wir als Familie für den Fastnachtsverein leben. Unsere Kinder sind damit aufgewachsen und haben sich unserer Tradition angeschlossen. Das ist ein schönes Gefühl, zumal sie es alle ohne Zwang für sich selbst entschieden haben“, sagt Dagmar Schulz. Wie sie sagt, freut es sie, dass sich ihre Kinder so stark in das Dorfleben mit eingebracht haben und bringen. Sie selbst hatte 1985 den ersten Kontakt mit dem Fastnachtsverein in Straupitz - als Prinzessin des großen Prinzenpaares. Bürgermeister Andre Urspruch kann sich, wie er sagt, noch gut an das Kinderprinzenpaar Henrik und Anna-Lena erinnern: „Im Jahr 2002 war ich Präsident und habe Henrik während seiner Ansprache das Mikro gehalten. Sie haben damals ihre Aufgabe sehr gut erfüllt und werden diese neue Herausforderung jetzt ganz sicher meistern.“ Für Andre Urspruch ist diese besondere Situation des Prinzenpaares eine schöne, einmalige und seltene Geschichte und ein wunderbares Signal: „Es zeigt die Konstanz in der Fastnacht und hebt die Bedeutung von Tradition hervor. Auf der anderen Seite ist das auch ein Zeichen, dass sich junge Leute mit Straupitz verbunden fühlen, sie hier bleiben und nicht abwandern.“ Wie Kristin Orbanz aus dem Vorstand des Fastnachtsvereins informiert, steht das neue Kinderprinzenpaar ebenfalls fest. „Es sind Maja Guttke und Louis Matschke“, erzählt sie und fügt an, dass in dieser Saison ein Jubiläum gefeiert wird: „Wir begehen 60 Jahre Karneval. Am Karnevalssonntag werden dabei erstmals die Minifunken auftreten. Das sind Schüler aus unserer Grundschule. Sie trainieren bereits für ihren großen Auftritt. Sie werden den Kindertanz eröffnen.“ Die Straupizter Fastnacht wird 2016 vom 5. bis 7. Februar gefeiert. Freitag wird ab 19.30 Uhr zur Trachtenpolonaise mit anschließendem Tanz eingeladen. Vor dem Hintergrund des Jubiläums „60 Jahre Karneval“ sollen am Freitagabend 60 Trachtenpaare auf der Tanzfläche stehen. Am Samstag startet um 7.30 Uhr das Zampern durch den Ort. Um 21 Uhr wird zum Tanz mit Band geladen. Sonntag zieht wieder der große Karnevalsumzug durch Straupitz. Eröffnet wird der Tag ab 13.30 Uhr mit den Ansprachen vor der Kirche. Ab 19.30 Uhr gibt es ein Showprogramm und einen Tanzabend. Seit 191 Jahren wird es 2016 die Straupitzer Fastnacht geben. Diese Erkenntnis ist der Gemeinde seit Anfang November dieses Jahres bewusst. In einem historischen Rechnungsbuch von 1825 steht der Beweis. Darin sind Kosten für Verzehrung in der Fastnacht festgehalten. „Das ist nicht nur ein Alleinstellungsmerkmal für uns in Straupitz, sondern zeigt auch, wie fest die Tradition der Fastnacht bei uns verankert ist“, sagt Bürgermeister Andre Urspruch.