Dany Dawid

Kundgebung gegen Krisenpolitik

Cottbus. Gestiegene Energiepreise sowie Lieferengpässe gefährden aktuell nicht nur Betriebe und Unternehmen, sondern auch Arbeits- und Ausbildungsplätze. Daher rufen Kreishandwerkerschaft und Mittelstandsinitiative zu einer Kundgebung auf.

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Besonders Bäcker und Fleischer gehen von einer sich noch weiter verschlechternden Situation aus.

Besonders Bäcker und Fleischer gehen von einer sich noch weiter verschlechternden Situation aus.

Foto: Pixabay

Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, sagt: »Die Richtung der von Bund und Ländern beschlossenen Entlastungen im Energiebereich stimmt zwar, doch nun braucht es Tempo bei der Umsetzung, damit die Entlastungswirkungen so schnell wie möglich für unsere Betriebe zum Tragen kommen. Jedoch werden die getroffenen Beschlüsse nicht reichen, damit gerade die energieintensiven Handwerke ihren Betrieb weiterführen können. Die Strompreisbremse und die Härtefallregelungen müssen jetzt so ausgestaltet und konkretisiert werden, dass sie energieintensive Betriebe tatsächlich durch diese schwere Zeit bringen. Keine Beschlüsse hat die Politik zu notwendigen Unterstützungslösungen für die Betriebe getroffen, die trotz dieser Entlastungen überfordert sein werden. Auch hier bedarf es zielgenauer Unterstützungen, wie das auch von der Gas- und Wärmekommission gefordert worden ist.«

Markus Jerger, Vorsitzender des Bundesverbandes Der Mittelstand. BVMW e.V., kritisiert, dass der Mittelstand im Vergleich zu den Großkonzernen deutlich benachteiligt wird und betont: »Anstatt die mittelständische Wirtschaft zeitgleich mit der Industrie ab Anfang Januar zu entlasten, hilft die Gaspreisbremse den Unternehmen erst ab März. Dabei brauchen mittelständische Unternehmen schon jetzt günstige und verlässliche Energie, um weiter produzieren zu können und um den Winter zu überleben.«

 

Konjunkturumfrage zeichnet düsteres Bild

Die jüngste Herbst Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Cottbus bestätigt die düstere Lage der Unternehmen. Fast die Hälfte der Betriebe, die sich an der Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Cottbus beteiligt haben, gibt an, dass die momentane Lage für sie stark bedrohend bis existenzbedrohend ist. Betroffen sind nahezu alle Gewerke. War in den letzten Jahren das Bauhauptgewerbe auf der Überholspur, liegen die Einschätzungen nun unter den Werten der Vergangenheit. Die Erwartungen für die kommenden Monate sind im Keller. Im Gesamthandwerk rechnet nur jeder zehnte Betrieb damit, dass sich die wirtschaftliche Lage verbessern wird. Im Vorjahreszeitraum waren es noch doppelt so viele. Schaut man in die einzelnen Gewerke, sieht die Lage noch dramatischer aus. So gehen drei Viertel der Bäcker und Fleischer von einer sich weiter verschlechternden Situation aus. Nicht ein einziger erwartet eine Aufhellung der Stimmung. Die Unternehmen glauben nicht, dass die Politik die Probleme in den Griff bekommt.

Wie schwierig die Umstände sind, beschreibt der Gubener Tischlermeister Matthias Baum so: »Ich habe zwar volle Auftragsbücher und Spaß an der Arbeit, aber die Schnauze vom ganzen Drumherum voll.« Aufgrund der Energiepreise macht er sich große Sorgen um die Zukunft. Erst im Mai ist der Handwerksbetrieb in die Grunewalder Straße gezogen. Rund 150.000 Euro mehr als veranschlagt kosteten Umbau und Sanierung des Objektes. Hier sind 13 Mitarbeiter. beschäftigt. Ebenso arbeitet Matthias Baum als Restaurator an bedeutenden Bauwerken, wie der Humboldt-Universität oder der Berliner Staatsoper mit. »In der Denkmalpflege spielen die Materialpreise keine große Rolle, da dabei die handwerkliche Arbeit im Fokus steht. Anders ist das beim Möbel- und Innenausbau«, so Matthias Baum. Dass Gleitklauseln auch in bestehenden Verträgen angewendet werden können, hätte er sich gewünscht. Obendrein verzögern sich viele Baustellen oder Termine werden nicht eingehalten. »Da das Material aber schon eingekauft wurde, haben wir immense finanzielle Vorleistungen. Und es werden immer mehr«, sagt der Tischlermeister.

 

»Viele Unternehmen werden nicht Stand halten können«

Auch Per Kadach, Geschäftsführer des Spremberger Familienunternehmens Fleischerei Kadach, der sogar kürzlich angesichts der anhaltenden Energiekrise in der europäischen Ausgabe der US-amerikanischen Tageszeitung Politico zu Wort kam, berichtet: »Ich kann nicht sagen, wie lange wir noch überleben können, wenn sich nichts ändert. Aber wenn sich die Dinge nicht ändern, werden viele Unternehmen nicht Stand halten können.« Aktuell wird die Firma in der fünften Generation von Per und Beate Kadach geführt. Das über 170 Jahre alte Traditionsunternehmen ist mit mehreren Filialen in der Region vertreten und beschäftigt über 100 Mitarbeiter.

 

Mittelstand demonstriert am Freitag in Cottbus

Um auf den prekären Zustand aufmerksam zu machen, organisiert die Kreishandwerkerschaft mit Unterstützung der Mittelstandsinitiative nun eine Kundgebung unter dem Motto »5 nach 12 – Gegen die schwarze Zukunft für Unternehmer«. Sie findet am Freitag, 25. November, in Cottbus auf dem Oberkirchplatz um 12.05 Uhr statt. Der Lauf startet gleich nach der Kundgebung an der Oberkirche. Hier findet auch die Abschlusskundgebung der Mittelstandsinitiative statt.


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