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Zwischen Biotonne, Chip und neuem Wertstoffhof

Oberspreewald-Lausitz. Der Abfallentsorgungsverband „Schwarze Elster“ (AEV) schaut auf das Jahr 2017 zurück. Im Interview dazu Dr. Bernd Dutschmann, AEV-Verbandsvorsteher.

Herr Dr. Dutschmann, das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Wie sieht Ihr Fazit für 2017 aus?

Dr. Bernd Dutschmann: „Es war ein aufgaben- und ereignisreiches Jahr für den Abfallentsorgungsverband ’Schwarze Elster‘. Wir haben begonnen, unsere Papiertonnen mit einem Chip auszustatten, um damit unseren Service für die Bürger zu verbessern. So wissen wir eindeutig, welche Papierbehälter an welchen Grundstücken stehen und können bei gewünschten Veränderungen schneller und bürgerfreundlicher reagieren. Des Weiteren haben wir uns 2017 intensiv mit der Einführung der Biotonne beschäftigt. Dazu schrieben wir alle Bürger mit einem Brief an, um sie über die Biotonne und deren Vorteile zu informieren sowie den Bedarf zu erfragen. Geplant ist, Ende 2018 die Biotonne auf freiwilliger Basis im gesamten Verbandsgebiet einzuführen. Parallel dazu haben wir begonnen probeweise in unserer Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlungsanlage in Freienhufen Bioabfälle zu verarbeiten. Bereits seit April 2016 läuft dazu ein Pilotversuch im Raum Schipkau und Großräschen, bei dem wir gute Erfahrungen beim Sammeln von Bioabfällen machen konnten. Weiterhin haben wir die Entsorgungsleistung und den Service für den Bürger sichergestellt. Entsprechende Leistungen wurden wieder ausgeschrieben und vergeben. Gleichzeitig erfolgte die weitere Optimierung von Prozessen im AEV, um den Kundenservice und die Bürgernähe sicher zu stellen. Dazu wurde auch der Onlineservice auf unserer Internetseite verbessert, so dass der Bürger quasi rund um die Uhr unsere Leistungen im ersten Schritt beantragen kann – etwa seinen Sperrmülltermin. Diesen Bereich werden wir 2018 weiter ausbauen und automatisieren, so dass der Bürger sich beispielsweise seinen nächsten Sperrmülltermin selbst aussuchen kann.“

Sie sprachen es bereits an, dass Sie die Sammlung von Bioabfällen seit April 2016 im Raum Schipkau und Großräschen als Pilotversuch durchführen. Welche Erkenntnisse haben Sie bisher gewinnen können?

Dutschmann: „Die Biotonne wird im Testgebiet intensiv von den Bürgern genutzt. Die eingesammelten Bioabfälle enthalten kaum Störstoffe und können damit sehr gut verarbeitet werden. Zudem haben wir Erkenntnisse über Anschluss- und Nutzungsgrad der Biotonne gewonnen und sind mit den eingesammelten Mengen sehr zufrieden. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz gibt 35 Kilogramm Bioabfall pro Einwohner vor, wir bewegen uns sogar leicht darüber - und das, obwohl nicht alle Bürger im Versuchsgebiet die Biotonne nutzen. Das war für uns eine Bestätigung, dass wir die Biotonne auf freiwilliger Basis einführen und ab 1. Januar 2019 flächendeckend im Verbandsgebiet Bioabfälle einsammeln werden. Neben den Privathaushalten, die bereits per Brief darüber informiert wurden, wollen wir mit Gewerbetreibenden und Wohnungsgesellschaften ab Anfang 2018 ins Gespräch zur Biotonne kommen und über unser Angebot informieren.“

Die Wertstoffhöfe des AEV sind ein fester Baustein des Entsorgungsangebotes. Wie zufrieden sind Sie mit dem bestehenden Angebot?

Dutschmann: „Die Bürger nutzen dieses Angebot sehr umfassend, das sehen wir an den deutlich gestiegenen Abgabemengen verschiedener Abfallfraktionen in den letzten Jahren. Das betrifft insbesondere Sperrmüll und Gartenabfälle, die am häufigsten auf unseren Wertstoffhöfen angeliefert werden. Insbesondere wird der AEV-Wertstoffhof in Hörlitz, der seit 2015 in Eigenregie bewirtschaftet wird, frequentiert. Aufgrund der intensiven Nutzung und Resonanz der Bürger haben wir ein Wertstoffhof-Konzept erarbeitet, welches von der Verbandsversammlung beschlossen wurde. Inhalt dieses ist es, weitere Wertstoffhöfe im Verbandsgebiet zu eröffnen, um den Service und die Bürgernähe zu erhöhen sowie die Getrenntsammlung von Wertstoffen zu verbessern. Aktuell sind wir dabei, in Lauchhammer eine geeignete Fläche zu suchen. Zudem soll im Rahmen der Umbaumaßnahmen in Freienhufen ein weiterer Wertstoffhof für die Region Großräschen und Umgebung entstehen.“

Ein großes Projekt des AEV ist das Bioabfall- und Wertstoffzentrum in Freienhufen. Was genau soll dort entstehen?

Dutschmann: „Seit 2005 betreiben wir in Freienhufen bereits unsere Mechanisch-Biologische Abfallbehandlungsanlage (MBA), in der wir den Restabfall und Sperrmüll verarbeiten. Aus den organischen Anteilen des Restabfalls erzeugen wir Biogas, das im eigenen Blockheizkraftwerk verstromt und anschließend ins Netz eingespeist wird. Im geplanten Bioabfall- und Wertstoffzentrum werden wir zukünftig alle anfallenden Bioabfälle in einer geschlossenen Halle verwerten und vor Ort Kompost sowie Biogas erzeugen, welches über das Blockheizkraftwerk verstromt wird. Der hergestellte Kompost soll zukünftig über unsere Wertstoffhöfe angeboten werden.“

Wie ist der aktuelle Stand zum Bioabfall- und Wertstoffzentrum in Freienhufen und wie sieht der  Zeitplan dafür aus?

Dutschmann: „Die Erarbeitung der Genehmigungsunterlagen für das Projekt sind fast abgeschlossen, anschließend werden werde diese beim Landesamt für Umwelt eingereicht. Folgend beginnt das Genehmigungsverfahren, welches drei bis vier Monate dauern wird. Nach der Genehmigung schreiben wir die Bauleistungen aus, um im September 2018 den Grundstein legen zu können. Das würde gut zu unserem 25-jährigen Verbandsjubiläum passen. Gebaut werden soll drei Monate, so dass ab Januar 2019 die Anlage in Betrieb geht.“

Der AEV feiert 2018 sein 25-jähriges Bestehen. Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf das kommende Jubiläum?

Dutschamnn: „Die Abfallwirtschaft befindet sich aufgrund von immer wieder neuen Regelungen und Änderungen im ständigen Wandel. Ich denke zum Beispiel an das Deponieverbot, welches 2005 in Kraft trat und auf deren Basis der AEV die MBA gebaut hat, um Restabfall und Sperrmüll vorzubehandeln, bevor ein Teil davon deponiert werden konnte. Darüber hinaus hat der Gesetzgeber in den letzten Jahren die Wertstoffsammlungen immer mehr fokussiert. Zur Umsetzung hat der AEV 2006 die vier Wertstoffhöfe im Verbandsgebiet eröffnet, die täglich intensiv von Bürgern und Gewerbetreibenden genutzt werden. Das sind nur einige Aufgaben, die der AEV mit Bravour gelöst hat. Darüber hinaus haben in den letzten Jahren immer mehr Rechentechnik und IT-Systeme Einzug gehalten. Die Müllmarke wurde durch einen Chip im Restmüllbehälter abgelöst, mit dem die Leerungen gezählt werden, dazu kam ein neues leistungsfähiges Abrechnungssystem, dass weitere Prozesse beim AEV verbessert hat. 2017 haben wir ein Dokumentenmanagementsystem eingeführt, so dass ein papierloses Büro immer näher rückt. Davon versprechen wir uns weitere Verbesserungen, um die Qualität unserer Verwaltungsarbeit noch mehr zu steigern.“

Ein Blick in die Zukunft: Wo wird es hingehen mit dem AEV und mit dem Thema Abfall?

Dutschmann: „Das Aufkommen an Restabfall ist seit Jahren stabil, beim Sperrmüll und bei Elektrogeräten haben wir jedes Jahr steigende Mengen. Ursachen dafür sind nicht mehr so langlebige Produkte oder das häufigere Wechseln von Einrichtungsgegenständen als das früher der Fall war. Die Unterhaltungselektronik ist zwar haltbar, unterliegt jedoch einem hohen moralischen Verschleiß, so dass man schneller etwas Neues kauft, was wir deutlich bei den Abfallmengen merken. Zukünftig werden wir die getrennte Sammlung von Wertstoffen noch intensivieren und das saubere Trennen der Fraktionen auf den Wertstoffhöfen noch verstärken. Unsere Hauptaufgaben sehen wir bei der ständigen Verbesserung des Services für den Bürger, beim Ausbau des Recyclings und der Sensibilisierung der Bevölkerung zur Vermeidung von Abfällen. Hier setzen wir bereits in Kitas und Schulen an oder sind mit Aktionen auf Messen unterwegs, um mit den Bürgern zur Abfalltrennung und –vermeidung ins Gespräch zu kommen. Somit ist die Abfallwirtschaft immer in Bewegung und wird sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen.“

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