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„Das Grün weicht Gelb- und Orangetönen“

Elbe-Elster. Markus Terne, Bürgermeister der Gemeinde Röderland, im WochenKurier-Interview über den Herbstanfang und über „Suppenhaarsucher“.

Herr Terne, am 22. September ist astronomischer Herbstanfang. Welches Verhältnis haben Sie zum Herbst?

Markus Terne: „Der Herbst ist für mich eine tolle Jahreszeit, denn optisch hat er einiges zu bieten. An den oft noch warmen Spätsommertagen kann ich als sehr naturverbundener Mensch  nicht nur im Wald den Laubbäumen beim Farbwechsel zuschauen.“

Was zeichnet Ihre Gemeinde im Herbst besonders aus?

Terne: „Das lebendige Grün, das uns durch den Sommer begleitet hat, weicht nun auch auf den weitläufigen Wiesen und Feldern meiner Gemeinde einem bunten Mix aus Gelb- und Orangetönen. Traditionell am 3. Oktober laden die Röderländer Landfrauen zum öffentlichen Erntedank nach Haida ein, einem typisch herbstlichen Fest mit Musik und rustikalem Essen.“

Ihre Gemeinde ist 46 Quadratkilometer groß und besteht aus insgesamt sieben Ortsteilen. Wie gut kennen Sie sich in Ihrem Reich aus?

Terne: „Ich finde mich mittlerweile ohne Navi durchs Röderland und habe jeden einzelnen Stein umgedreht.  Aber Spaß beiseite. Ich bin viel in der Gemeinde unterwegs, führe Gespräche vor Ort und verschaffe mir immer einen persönlichen Eindruck. Von daher kenne ich das Röderland ausgesprochen gut, aber es verändert sich natürlich auch. Von daher passiert es hin und wieder, dass auch ich etwas Neues entdecke. Das finde ich dann spannend.“

Der Verwaltungssitz ist in Prösen angesiedelt. Seit Dezember 2011 regieren sie die Gemeinde von dort aus. Wie sitzt es sich im Bürgermeistersessel?

Terne: „Mein Bürostuhl ist zwar ergonomisch, aber immer ‘bequem’ sitzt es sich dort natürlich nicht. Tagtäglich müssen von dort aus Entscheidungen getroffen, Probleme und Konflikte gelöst und Perspektiven entwickelt werden. Das alles geht logischerweise nicht immer reibungslos über die Bühne. Von daher, unter ’bequem‘ versteht man sicherlich was anderes.“

Sie sind seit fast sechs Jahren im Amt. Wie schaffen Sie es, sich stets für ihre Aufgaben zu motivieren?

Terne: „Ganz klar: Erfolg und Zuspruch motivieren, was aber nicht bedeutet, dass ich ständig Erfolgsmeldungen oder Schulterklopfen brauche. Mir macht es riesigen Spaß, zusammen mit den politischen Vertretern, den Bürgern sowie den vielen ehrenamtlich Tätigen die Geschicke meiner Gemeinde zu lenken, Verantwortung zu übernehmen und einen wichtigen Beitrag für eine positive und zukunftsfähige Gemeindeentwicklung leisten zu können. Und sollte es doch mal einen persönlich schwarzen Tag geben, motiviert mich meine Familie.“

Was lieben Sie an Ihrer Gemeinde?

Terne: „Da muss ich gar nicht lange überlegen: die Lebens- und Liebenswürdigkeit unserer Ortsteile, die Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und das ausgesprochen tolle ehrenamtliche Engagement der Einwohner.“

Und was wurmt Sie?

Terne: „Auch wenn ich selbst einer Behörde vorstehe, so ärgert mich doch der in meinen Augen immer weiter zunehmende Bürokratismus, der die Umsetzung kommunaler Projekte und Ideen erschwert, letztendlich Innovationen bremst und kaum noch öffentlich vermittelbar ist. Und mich wurmen Leute, die nur meckern und selbst bei guten und tollen Aktionen und Projekten das ‘Haar in der Suppe’ suchen.“

Was sind die wichtigsten Bauprojekte, die noch in diesem Jahr in der Gemeinde Röderland anstehen?

Terne: „Die nicht nur vom finanziellen Umfang bedeutendste kommunale Baumaßnahme ist natürlich die engergetische Sanierung unserer Schulsporthalle am Schulstandort Prösen. Hier machen wir aus einer einfachen, in die Jahre gekommene Sporthalle eine moderne Schulsporthalle, die auch eine hohe Attraktivität für den Freizeitsport besitzt. Ein neues und besseres Raumkonzept, neueste Ausstattung und die Möglichkeit einer Hallentrennung, die eine Doppelbelegung ermöglicht, zeichnen dieses Vorhaben aus. Und das Besondere: es ist hinsichtlich der Ideenfindung ein wirkliches Gemeinschaftsprojekt von Schulen, Vereinen und Gemeinde geworden, was ich persönlich gern in dieser Form auf viele weitere kommunlale Projekte übertragen würde.“

Die Gemeinde verfügt in Haida, Prösen, Stolzenhain und Saathain über insgesamt vier Kindertagesstätten. Wie sieht zurzeit die Auslastung der Einrichtungen aus?

Terne: „Hier berichtige ich Sie – neben unseren vier von grundauf sanierten Kindertagesstätten nimmt auch der Hort ’Kinderland‘ als weitere Einrichtung am Schulstandort Prösen eine bedeutende Stellung ein. Unsere Einrichtungen sind durchweg sehr gut aufgestellt und ausgelastet. Die Kitas Prösen und Stolzenhain an der Röder sind sogar fast voll belegt und an ihrer Kapazitätsgrenze. Über freie Plätze verfügen die Kindertagesstätten in Saathain und in Haida. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an die Erzieherinnen für ihre tolle Arbeit!“

Was hat die Gemeinde gerade jungen Familien zu bieten?

Terne: „In den Ortsteilen unserer Gemeinde lässt es sich prächtig leben und wohnen. Junge Familien wissen ihre Kleinsten in modernisierten, gut ausgestatteten Kindereinrichtungen mit sehr engagierten Erzieherinnen aufgehoben und bestens betreut. Darüber hinaus werden in der Gemeinde Röderland zwei Schulformen angeboten: die Verlässliche Halbtagsgrundschule sowie ab Klasse 7 die Private Oberschule Prösen. Eine öffentliche Bibliothek ist im Schulkomplex integriert. In unserer Gemeinde besteht ebenfalls eine intakte und aktive Vereinslandschaft. Röderland ist hinsichtlich der Verkehrsinfrastruktur sehr gut angebunden – neben den Bundesstraßen B 101 und B 169 verlaufen durch das Gemeindegebiet die Bahnstrecken Elsterwerda-Dresden sowie Riesa-Elsterwerda. Auch die Breitbandverfügbarkeit kann als ‘gut’ bezeichnet werden.“

Tourismus ist ein aufstrebender Wirtschaftszweig im Landkreis Elbe-Elster. Wie sehen Sie Ihre Gemeinde in diesem Bereich aufgestellt?

Terne: „Stolz bin ich auf unser touristisches Highlight ’Gut Saathain‘. Das ganze Jahr über organisiert hier der Förderverein im Festssaal, in der Fachwerkkirche und in der Ausstellungshalle Veranstaltungen der besonderen Art für Besucher aus nah und fern. Der ’Schwarze-Elster-Radweg‘ führt als touristische Verbindung von Sachsen weiter ins brandenburgische Land und Radler können auf dem Elsterdamm, abseits des Straßenverkehrs, durch Wiesen und Wälder radeln. Erholungssuchende finden auch in den netten und familiär geführten Gaststätten und Pensionen passende Übernachtungsmöglichkeiten.“

Was ist Ihr Lieblingsplatz in der Gemeinde Röderland?

Terne: „Ich setze mich tatsächlich gern auf eine Bank im sogenannten ’Auenwald‘ in Saathain. Dort an einem kleinen Wasserlauf,  über den eine Brücke führt, inmitten urwaldgleich wachsender  Bäumen, habe ich einen tollen Blick auf die Elsterwiesen. Einfach schön zum Entspannen.“

Ihre Gemeinde hat rund 3900 Einwohner. Wie würden Sie den typischen „Röderländer“ beschreiben?

Terne: „Der typische ’Röderländer‘ unterscheindet sich meines Erachtens nicht wesentlich vom typischen Brandenburger – er ist ein Familienmensch, er mag nicht unbedingt die Anonymität, ihm ist der Generationszusammenhalt sehr wichtig.“

Was wünschen Sie sich für Ihre Gemeinde für die Zukunft?

Terne: „Die Gemeinde Röderland mit ihren Ortsteilen hat sich seit der politischen Wende 1989/90 stetig positiv entwickelt. Ich würde mir wünschen, dass wir unsere Gemeinde unter den Gesichtspunkten ‚Kinder- und Familienfreundlichkeit‘ weiter gestalten, dass unsere Senioren hier weiterhin einen festen Platz finden und dass das Engagement und der Wille zur Mitgestaltung wachsen.“

Für welche Eigenschaften stehen die einzelnen Buchstaben im Namen der Gemeinde R-ö-d-e-r-l-a-n-d?

Terne:

R für REIZVOLL
O für OFFEN
E für EIGENSTÄNDIG
D für DURCHSETZUNGSFÄHIG
E für ENGAGIERT
R für RUHIG
L für LEBENSWERT
A für AUßERORDENTLICH
N für NATÜRLICH
D für DAZUGEHÖRIG

Ihr letztes Wort…?

Terne: „Wer immer das letzte Wort haben will, spricht schon bald mit sich allein.“

(Vielen Dank.)

• Künftige große Veranstaltungen in der Gemeinde Röderland:

- Märchenweihnachtsmarkt in Haida am 1. Advent
- Empfang des Weihnachtsmannes Heilig Abend in Prösen


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