Carola Pönisch

Wieder da: Goldene Hausnummer

Wer feiert noch miteinander, wo gibt es Nachbarschaftshilfe?

Dresden. Erinnern Sie sich noch an die Goldene Hausnummer? Hausgemeinschaften erhielten sie als ideelles Dankeschön für gutes Miteinander und Engagement vor, hinter und im Haus.

Es war nicht alles schlecht! Jedenfalls, wenn man es mit einem gewissen Abstand betrachtet. Die Goldene Hausnummer zum Beispiel: Ein Relikt aus DDR-Zeiten, mag mancher sagen. Aber sie war in erster Linie eine ideelle Anerkennung für Hausgemeinschaften, in denen sich die Mieter umeinander kümmerten, den Vorgarten oder den Hinterhof in Schuss hielten und natürlich auch zusammen feierten.

Das wiederum geschah oft in liebevoll ausgebauten Kellerräumen. Gebaut mit Materialien, die beschafft wurden, weil einer einen kannte, der einen kannte, der Zement hatte oder Holz besorgen konnte. Gern wurde auch spontan im Hof gefeiert, mit Lichterorgel im Baum und mitgebrachten Salaten.

Politisch?

Ins Leben gerufen wurde die Goldene Hausnummer in den 1980er Jahren im Rahmen der Initiative „Schöner unsere Städte und Gemeinden - Mach mit". Wo es bei den Kommunalen Wohnungsverwaltungen oder -genossenschaften an Kapazitäten fehlte (und das war bekanntlich in aller Regel der Fall), sollte sich die Hausgemeinschaft um das Umfeld ihres Hauses kümmern. Also Rasen mähen, Hecken schneiden, blühende Rabatten anlegen und pflegen. Dass natürlich die Hausgemeinschafteten punkteten, die am 1. Mai besonders fleißig Flagge zeigten und das Hausbuch besonders akribisch führten, darf angenommen werden. Voraussetzung für die Verleihung von Goldener Hausnummer samt Urkunde war das nicht.

Auch interessant: Wo so ziemlich alles staatlich verordnet und geregelt war, gab es bei der Gestaltung der Ehren-Hausnummern keine einheitliche Vorgabe, so dass jede Stadt ihre eigene Variante entwickelt hat.

Und heute?

Gibt es heute noch Gemeinschaftsgeist in gemeinschaftlich bewohnten Häusern? Gibt es noch Nachbarn, die sich untereinander mit Eiern, Mehl oder Kartoffeln aushelfen? Die den Feierabend zusammen verbringen und sich im Treppenhaus grüßen anstatt grußlos aneinander vorbeizugehen? Wir denken: Ja, so etwas gibt‘s noch. Oder wieder. Und deshalb wollen wir im August an eine besonders tolle Hausgemeinschaft wieder die Goldene Hausnummer vergeben und die Verleihung mit Bier und Grillgut zur Sommerparty machen. Bewerben Sie sich: per Post, Video, Mail.

So geht's

Mitmachen und gewinnen: Bewerben Sie sich bis einschließlich 25. August unter redaktion@wochenkurier.info, gern mit Video oder Foto. Im September verleihen wir einer Hausgemeinschaft die Goldene Hausnummer inkl. einer Hausparty im Wert von 300 Euro

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Eggerts Ostwind – Wahl-Sinn

Sachsen. Es gehört ins Fach der heutzutage gern produzierten Fotofälschungen, dass die verflossene SED ihren XI. Parteitag einst mit dem Spruch „Für ein Land, in dem wir gut und gerne leben" gelobt habe. Damit ist klar: Der Text des aktuellen CDU-Plakates „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben" stammt nicht, wie der mecklenburgische AfD-Chef Leif-Eric Holm erkannt haben wollte, aus der DDR-Werbekiste. Ob das den Slogan besser macht, sei dahin gestellt. Auf alle Fälle sorgte der Mann mit seiner fälschlichen Behauptung für Misstrauen in AfD-Entäußerungen generell. Und er provozierte Aufmerksamkeit für die gängige Wahlwerbung, der ansonsten wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Und deren Erkenntnisgehalt bei null liegt. Oder wie ergeht es Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wenn Sie sich in diesen Tagen vor der Bundestagswahl tatsächlich einmal durch den Sprüchewald quälen? Wem schreiben Sie beispielsweise den Ruf „Es geht um unser Land!" zu? Der FDP, der AfD, der SPD, den Linken, den Grünen? FDP wäre richtig. Die SPD variiert die nationale Karte mit „Zum Land der Dichter und Denker passt eine Politik, die in Ideen investiert", die AfD mit „Mut zu Deutschland!", während ein Spitzen-Linker versichert: „Mit Armut in unserem reichen Land werde ich mich nicht abfinden". Allein die Grünen haben es nicht so mit dem Deutsch-Nationalen. Sie murmeln etwas „Von weniger Europa hat keiner mehr!" Da wissen wir dann, wo es lang geht. Nach der Wahl. Ihr Hans EggertEs gehört ins Fach der heutzutage gern produzierten Fotofälschungen, dass die verflossene SED ihren XI. Parteitag einst mit dem Spruch „Für ein Land, in dem wir gut und gerne leben" gelobt habe. Damit ist klar: Der Text des aktuellen CDU-Plakates…

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