Dieser Inhalt wird bereitgestellt von
focus.de

"Es stellt sich die Frage, ob der Vorgang nicht rein taktisch motiviert ist"

Politik. Seit Monaten gibt es Zoff zwischen der AfD-Bundesspitze und dem früheren Sachsen-Anhalt-Chef André Poggenburg. Nach viel Gemunkel über eine Abspaltung geht er und will mit einer Art "Ost-AfD 2" wieder in die Landtage. So kommentiert Deutschland die Ereignisse.

"Für die politische Kultur in diesem Land ist das ausgezeichnet"

„Nürnberger Nachrichten“: Unter dem Strich bleibt eine Partei, der die Themen ausgehen und die sich nun gerade in ihren Hochburgen spaltet. Das bedeutet eine düstere Zukunft für die Rechtspopulisten — für die politische Kultur in diesem Land ist das eine ausgezeichnete Nachricht.

"Poggenburg könnte der AfD noch Ärger machen"

„Stuttgarter Zeitung“: André Poggenburg verlässt die AfD und gründet eine neue Partei, die erwartungsgemäß rechts der AfD zu verorten sein wird. Beides ist nicht überraschend. Hier geht ein ohnehin schon gefallener Parteistar, der nur noch mit flamboyantem Rassismus aufgefallen war. Poggenburg könnte der AfD noch Ärger machen - er kennt Interna und wird das vielleicht im Wahlkampf benutzen.

"Es stellt sich die Frage, ob der Vorgang nicht rein taktisch motiviert ist"

„Passauer Neue Presse“: Eine mögliche Öffnung der AfD hin zur bürgerlichen Mitte erscheint einem eingefleischten Anhänger der völkischen Ideologie wie André Poggenburg bereits als „Linksruck“. Sein Austritt samt Gründung einer neuen rechtsradikalen Gruppierung ist deshalb nur folgerichtig. Freilich stellt sich die Frage, ob der Vorgang nicht rein taktisch motiviert ist. Das Ziel könnte sein, den nationalistischen AfD-Flügel auszugliedern, um ihn nach einem gemeinsamen Wahlsieg in einer Koalition mit der Mutterpartei wiederzuvereinigen. Das offene oder klammheimliche Festhalten der AfD an einer nationalistischen Option wäre allerdings eine Katastrophe für Deutschland.

"Meuthen und Gauland sind eine lästige Laus im Pelz los"

„Volksstimme“ (Magdeburg): Rechts, rechter, am rechtesten: Vier Parteien liefern sich im erzkonservativen Spektrum einen Wettbewerb um Deutungshoheit und Wählerstimmen. Wobei das Establishment in diesem Segment derweil die AfD bildet. André Poggenburgs Kornblumen-Partei dürfte das gleiche Schicksal beschieden sein, wie den Organisationen von Frauke Petry und Bernd Lucke – ein Nischendasein. Wer mit Poggenburg marschiert, landet noch dazu schnell im rechtsextremistischen Graben. Für die AfD-Oberen ist der Austritt des sachsen-anhaltischen Scharfmachers ein Geschenk zum Parteitag. Jörg Meuthen und Alexander Gauland sind eine lästige Laus im Pelz los. Aber nur eine. Der Rechtsaußen-Flügel bleibt stark. Wie ernst es die Partei mit einer liberalen Läuterung meint, wird sich vor allen am Nationalisten Björn Höcke zeigen. Fliegt der bei seinen Anhängern sehr populäre Thüringer Landeschef aus der AfD, kann die Partei dort von vorn anfangen.

"Eine Entlastung an der Populistenfront ist es nicht"

„Frankfurter Allgemeine“: Es ist die erste Abspaltung am rechtsradikalen Flügel, dort also, wohin die ostdeutschen Teile der AfD ohnehin neigen. Die Erfolgsaussichten bei den Landtagswahlen in Thüringen, Brandenburg und Sachsen trüben sich damit ein. Können sich Poggenburg und seine Satelliten behaupten, läuft das auf eine Spaltung der AfD in einen 'bürgerlichen' und in einen 'völkischen' Teil hinaus. CDU, SPD und Linke werden in den drei Wahlkampf-Ländern erst einmal aufatmen. Eine Entlastung an der Populistenfront ist es aber nicht. Die bürgerliche Rest-AfD könnte für Protestwähler noch attraktiver werden.

Im Video: Angriff auf AfD-Mann: Polizei fahndet mit diesem Video nach den Tätern

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.