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Einkaufstour mit Minister Müller: Warum er der Kanzlerin einen Osterhasen schenkt

Politik. Noch vor einer Woche war Entwicklungsminister Müller in Mexiko um sich die Zustände in den Produktionsstätten von Exportprodukten anzuschauen. Jetzt wirbt der CSU-Politiker in einer Berliner Lidl-Filiale für mehr Fair Trade. FOCUS Online hat ihn begleitet.

Die Kunden im Lebensmittelmarkt in Berlin-Schöneberg haben es eilig. Es ist 9.45 Uhr an diesem Freitag. Schnell noch ein paar Einkäufe fürs Wochenende erledigen, dann zügig zur Kasse. Die Reporter im Lidl-Markt stören manche zunächst nur. Dann aber werden sie doch neugierig, wen die Fotografen da ins Visier nehmen wollen.

Einkaufstour mit dem Entwicklungsminister

Vor einem prallgefüllten Bananen-Regal stehen zwei Männer – offenbar warten sie auf eine dritte Person. Lidl-Chef Matthias Oppitz und Dieter Overath, Vorstandsvorsitzender von Fair Trade Deutschland, schauen immer wieder zur Tür.

Vor einem prallgefüllten Bananen-Regal stehen zwei Männer – offenbar warten sie auf eine dritte Person. Lidl-Chef Matthias Oppitz und Dieter Overath, Vorstandsvorsitzender von Fair Trade Deutschland, schauen immer wieder zur Tür.

Die „dritte Person“, eigentlich für zehn Uhr erwartet, verspätet sich. Um 10.15 Uhr öffnet sich die Eingangstür. Es ist kein normaler Kunde, der da reinkommt. Die Kameras beginnen zu knipsen. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) betritt den Laden. Er will nicht in erster Linie kaufen, sondern etwas verkaufen – seine Idee von Fair Trade.

„Ich war letzte Woche in Chiapas auf einer Bananenplantage, und wollte die schwere Arbeit mal sehen. Wie geht’s auf Plantagen zu, wie müssen die Leute arbeiten und wie wird eingekauft“, so der Minister. Gerade einmal 15 Cent kämen in Mexiko für ein Kilo Bananen an. Hierzulande werden Bananen zehn Mal so teuer verkauft. „Das ist nicht Fair Trade“, klagt Müller.

Lohnsklaverei in Entwicklungsländern beenden

Müller hat die Menschen in Mexiko getroffen. „Auf der Bananenplantage war der Mindestlohn 100 Pesos. Das sind fünf Dollar – am Tag.“ Für ihn steht fest: Es darf keine Lohnsklaven am Anfang der Wertschöpfungskette geben. „Das stellen wir mit Fair Trade sicher“, so der Minister. Bei einem Kilo Fair-Trade-Bananen nämlich landen, laut Overath, immerhin 44 Cent beim Produzenten – rund ein Drittel des Verkaufspreises.

Müller hat die Menschen in Mexiko getroffen. „Auf der Bananenplantage war der Mindestlohn 100 Pesos. Das sind fünf Dollar – am Tag.“ Für ihn steht fest: Es darf keine Lohnsklaven am Anfang der Wertschöpfungskette geben. „Das stellen wir mit Fair Trade sicher“, so der Minister. Bei einem Kilo Fair-Trade-Bananen nämlich landen, laut Overath, immerhin 44 Cent beim Produzenten – rund ein Drittel des Verkaufspreises.

Weiter geht der Minister zum Schokoladen-Regal. Die einen Kinder, die in Deutschland, essen diese Schokolade, und die anderen? Kinder seien am häufigsten von Lohnsklaverei betroffen, klagt Müller. Das zeige sich vor allem bei Kakao und Kaffee. Bei Kakao mit Siegel habe man zur nächsten Ernte die Mindestpreise und die Fair-Trade-Prämie um 20 Prozent erhöht, ergänzt Overath. So will man die Einkommen der Menschen in den Entwicklungsländern spürbar anheben.

Minister Müller will seine Kabinettskollegen beschenken

Die Schoko-Osterhasen haben es Minister Müller offensichtlich angetan. „Jetzt steht Ostern vor der Tür. Ich werde meinen Kabinettskollegen und der Bundeskanzlerin einen fairen Osterhasen schenken“, sagt der CSU-Politiker schmunzelnd.

Die Schoko-Osterhasen haben es Minister Müller offensichtlich angetan. „Jetzt steht Ostern vor der Tür. Ich werde meinen Kabinettskollegen und der Bundeskanzlerin einen fairen Osterhasen schenken“, sagt der CSU-Politiker schmunzelnd.

Was nach einem kleinen Scherz klingt, ist tatsächlich ernst gemeint. Das Kabinett müsse mit gutem Beispiel vorangehen, drängt Müller. Schließlich werden 150 Millionen Schoko-Hasen in den Wochen vor Ostern verkauft. „Jeder möchte damit Kinder glücklich machen. Und dann soll man daran denken, dass am Anfang der Kette die Kinder unglücklich sind“, so der Entwicklungsminister.

Den Produzenten mehr Macht geben

Dass viele bei diesen Produkten nur schauen, am Ende aber nicht zugreifen, scheint den Entwicklungsminister zu motivieren, immer wieder auf Fair Trade aufmerksam zu machen.

Er geht weiter. „Was kostet das Kilo Kaffee“, fragt Müller in die Runde. Er beantwortet die Frage selbst: zehn bis zwölf Euro. „60 bis 80 Cent bleiben vor Ort auf den Plantagen für das Kilo.“

Sein Ansatz: den Kaffee vor Ort rösten und den Menschen dort auch diesen Teil der Wertschöpfung zu gönnen. So will der CSU-Politiker den Produzenten in Entwicklungsländern mehr Macht geben. Der 63-Jährige will nicht nur kleine Verbesserungen hier und da, sondern im gesamten System. Er fordert, dass Fair-Trade-Grundsätze künftig in den Freihandelsabkommen Standard werden.

Minister Müller bekommt schließlich seine Osterhasen

Die Einkaufstour nähert sich dem Ende. Die Schoko-Osterhasen hat er nicht vergessen. „Wir kaufen ein Paket ein fürs Kabinett und für die Kanzlerin“, murmelt der Minister. Nur wenige Minuten später bekommt er die bestellten Mitbringsel für die Kollegen. Oppitz überreicht Müller die Hasen. Das politische Statement dahinter: Frohe Ostern – auch für Kinder am anderen Ende der Welt.

Die Einkaufstour nähert sich dem Ende. Die Schoko-Osterhasen hat er nicht vergessen. „Wir kaufen ein Paket ein fürs Kabinett und für die Kanzlerin“, murmelt der Minister. Nur wenige Minuten später bekommt er die bestellten Mitbringsel für die Kollegen. Oppitz überreicht Müller die Hasen. Das politische Statement dahinter: Frohe Ostern – auch für Kinder am anderen Ende der Welt.

Im Video: In diesen Lebensmitteln steckt nicht, was Sie denken

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