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Die große Unbekannte: Was verschweigen Florian R. und seine Familie?

Panorama. Die Suche nach der 15-jährigen Rebecca aus Berlin geht weiter. Es wird immer wahrscheinlicher, dass das Mädchen einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Als tatverdächtig gilt Rebeccas Schwager, der zum Zeitpunkt ihres Verschwindens mit ihr allein war.

Wieso schweigt Florian R. im Verhör?

Warum glaubt Rebeccas Familie an seine Unschuld?

Erklärungsversuche, was hinter dem Schweigen des Schwagers stecken könnte

Es gibt eine Reihe von Indizien, die dafür sprechen, dass Florian R. mit Rebeccas Verschwinden zu tun hat. So hat er Autobahnfahrten unternommen, die er zunächst verschwiegen hatte und zu denen er bisher keine Erklärung lieferte. Zudem soll er sich im Verhör in Widersprüche verwickelt haben. Im Auto wurden Haare Rebeccas sowie Fasern der Fleecedecke gefunden, die gemeinsam mit dem Mädchen verschwand.

Rebeccas Familie verteidigt Florian R.

Für all das kann es harmlose Erklärungen geben: In Familienautos finden sich eben Haare von Familienmitgliedern, Florian R. könnte im Verhör auch nur aufgeregt gewesen sein. Die Tatsache, dass ein Richter der Untersuchungshaft zugestimmt hat, spricht aber dafür, dass die Ermittler von einem dringenden Tatverdacht ausgehen.

Viele Puzzle-Teile scheinen zusammenzupassen – aber Rebeccas Familie verteidigt ihren Schwager weiterhin hartnäckig..Rebeccas Mutter Brigitte sagte kürzlich zu FOCUS Online, sie glaube nicht, dass ihr Schwiegersohn mit dem Fall zu tun habe. Auf Instagram rief eine ältere Schwester Rebeccas die Öffentlichkeit auf, ihren Schwager in Ruhe zu lassen.

Die Familie verweist zu Recht auf die Unschuldsvermutung: Solange kein Richter Florian R.s Schuld festgestellt hat, gilt er zwar als tatverdächtig, aber nicht als schuldig.

Auch wenn es für Außenstehende schwer zu verstehen ist, wie geschlossen sich die Familie vor den Tatverdächtigen stellt – Profilern zufolge kommt eine solche Reaktion häufig vor und ist eine Art Selbstschutz. Es sei „immer einfacher zu ertragen, wenn dieses Verbrechen dann durch einen Fremden begangen wurde als durch eine Person, der man vertraut, die aus den eigenen Reihen kommt“, sagte der Profiler Axel Petermann zu FOCUS Online.

Von welcher "anderen Sache" spricht Rebeccas Vater?

Dennoch werfen einige Aussagen der Familie Fragen auf – insbesondere ein Interview von Rebeccas Vater Bernd R., in dem er Andeutungen zu den rätselhaften Autobahnfahrten seines Schwiegersohns macht. Zu RTL sagte Bernd R., dies hänge „mit ner anderen Sache zusammen, die ich aber nicht sagen darf“.

Das könnte bedeuten, dass die Familie weiß, warum Florian R. am vermutlichen Tattag im Auto unterwegs war, es aber nicht verrät. Ob die Familie auch die Ermittler darüber im Unklaren lässt, ist bisher nicht bekannt.

Lesen Sie hier:Suche im Fall Rebecca fortgesetzt - ein einziger Hinweis führte in Waldareal

Man weiß jedoch, dass Florian R. selbst bisher keine Aussage machen will, vermutlich auf Anraten seiner Anwältin. Indirekt bestätigte dies auch Rebeccas Vater, der Florian R. bat, endlich zu reden. Er hoffe, „dass seine Mutter ihm endlich sagt, er soll reden, beziehungsweise auch seine Anwältin, weil die sagen ihm anscheinend immer nur, dass er schweigen soll“, sagte er bei RTL.

Wenn alles ganz harmlos ist, warum redet Florian R. dann nicht?

Die Familie geht offenbar davon aus, dass Florian R. nicht der Täter ist und die Beschäftigung mit ihm die Polizei auf eine falsche Fährte lockt. An seinen Schwiegersohn gewandt sagte Bernd R. im Fernsehen: „Florian, rede einfach! Klär das, damit die ganze Suche in eine andere Richtung geht, und zwar in die richtige. Wir müssen Becky finden.“

Aber wenn der Hintergrund der Fahrten tatsächlich ein ganz anderer ist, als die Polizei annimmt, warum sagt Florian R. das nicht?

Bislang redet die Familie nur in Andeutungen darüber. Aber Bernd R.s Interview-Aussagen weisen darauf hin, dass sein Schwiegersohn sich in einer anderen Sache nicht belasten will und deswegen überhaupt keine Aussage macht. Die wahrscheinlichste Variante ist daher, dass Florian R. zwar eine Straftat begangen hat und die Familie davon weiß oder dies ahnt – diese Tat aber mit dem Vermisstenfall nichts zu tun hat.

Für einen Drogendeal nach Polen?

Am Wochenende wurde über mögliche Details berichtet: Demnach soll Rebeccas Vater Florian R. nach dessen erster Freilassung zur Rede gestellt haben. Dieser habe dann gesagt, dass er für einen Drogendeal in Polen war. Florian R. habe im Verhör dazu geschwiegen - aus Angst vor Strafverfolgung.

Wie glaubwürdig diese Version nun ist, muss bezweifelt werden. Sollte diese Geschichte tatsächlich stimmen, nahm Florian R. in Kauf, dass er die Ermittler bei der Suche nach Rebecca auf eine falsche Fährte geführt hätte und womöglich wertvolle Zeit verspielt hätte. Ebenso würde sich die Frage stellen, wieso Rebeccas Vater diese Informationen nicht an die Ermittler weitergab.

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