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Amok-Fahrt in Toronto: Polizist wird als Held gefeiert

Panorama. In der kanadischen Metropole Toronto hat ein Mann am Montag einen Lieferwagen vorsätzlich in eine Menschenmenge gesteuert und mindestens zehn Menschen getötet. 15 weitere wurden verletzt, wie die Polizei mitteilte. Der Fahrer wurde festgenommen.

Der Polizist

In den sozialen Netzwerken verbreitete sich kurz nach der Tat ein Video von der Festnahme des mutmaßlichen Täters. Darin ist zu sehen, wie ein Mann mit einem dunklen Gegenstand in der Hand auf kanadische Polizisten zielt. Immer wieder schreit e: „Tötet mich, schießt mir in den Kopf!“

Der Polizist, der ebenfalls in dem Video zu sehen ist bleibt jedoch ruhig, Schüsse fallen in dem Video nicht. Mit vorgehaltener Waffe fordert er den mutmaßlichen Täter mehrfach auf, sich zu ergeben.

Als der Verdächtige ruft, „ich habe eine Waffe“ antwortete der Beamte: „Mir egal, legen Sie sich auf den Boden!“ Der Täter habe es offensichtlich darauf angelegt, sein Leben von einem Polizisten beenden zu lassen, sagte ein ehemaliges Mitglied der Berittenen Kanadischen Polizei der Nachrichtenagentur Reuters. Der Beamte blieb aber von den Drohungen des Amokfahrers unbeeindruckt und nahm den Mann fest, ohne einen Schuss abgegeben zu haben. Die Polizei Toronto wollte den Namen des Polizisten auf Anfrage nicht nennen. Es handle sich aber um „einen sehr erfahrenen Beamten“.

„Er ist ein Held“

„Er ist ein Held“, zitiert die „Toronto Sun“ den Präsidenten der Polizeigewerkschaft der Stadt. „Nicht nur für Toronto, sondern für das gesamte Land.“ Er bewundere den Polizisten für seine Ruhe, so der Gewerkschaftspräsident. Dadurch, dass der Amokfahrer noch lebe, könne er nun über die Tat befragt werden.

Auch Polizeichef Saunders lobte das Vorgehen des Polizeibeamten „Durch sein Training hat der Polizist fantastische Arbeit geleistet“, zitierte der US-Sender CNN Mark Saunders in der Nacht zum Dienstag. Bei der Festnahme des Täters habe der Polizist die Lage schnell begriffen und so eine „friedliche Lösung“ erreicht, sagte er. „Die Polizisten hier lernen, so wenig Gewalt wie möglich anzuwenden.“

Die Tat

Die Tat ereignete sich gegen 13.30 Uhr Ortszeit (19.30 Uhr MESZ) auf der belebten Yonge Straße in Kanadas größter Stadt. Der Fahrer lenkte den Lieferwagen von der Straße mit voller Geschwindigkeit auf den Gehsteig und fuhr auch über den Mel Lastman Square, ein belebter Platz an der Yonge Street. Was den mutmaßlichen Täter zu seiner Amok-Fahrt bewog, ist derzeit unklar.

„Die Yonge Street ist unsere Champs-Élysées“, sagte Amaranth Amarasingam, Terrorismus-Experte am §Institut für strategischen Dialog" in Toronto dem „Toronto Star“. „Auch der Mel Lastman Square ergibt als Ziel eine gewisse Art von Sinn“, so der Experte. Dort seien zu jederzeit Menschenmengen anzutreffen. Zudem könne man „einen Van dort einfacher auf hohe Geschwindigkeiten bringen als in der Altstadt“.

Rettungskräfte stehen auf der Yonge Street, nachdem ein Mann mit einem Lieferwagen Menschen tötete.
dpa/Nathan Denette, The Canadian Press/AP

„Der Lieferwagen mähte Menschen nieder“

Augenzeugen schilderten ihre Erlebnisse nach der Tat in lokalen Medien. "Ich saß im Auto, als ich plötzlich einen weißen Lieferwagen sah, der auf den Gehweg fuhr und die Menschen niedermähte", sagte Alex Shaker dem Fernsehsender CTV. Die Fußgänger seien durch die Luft geschleudert worden. Der Fahrer sei im "Zickzackkurs" über den Gehweg gefahren, sagte Rocco Cignielli. Ein anderer Augenzeuge sagte dem örtlichen Fernsehsender CP24, der Lieferwagen sei "in alles hineingerast".

Der Wagen wurde schließlich auf dem Gehweg gestoppt, die Frontstoßstange war stark beschädigt. Polizeifahrzeuge kreisten den Wagen ein.

Opfer auf dem Gehsteig. Eine Polizistin sichert die Umgebung in der Innenstadt von Toronto.
dpa/Nathan Denette/The Canadian Press/AP

Der Täter

Beim Täter handelt es sich nach derzeitigem Ermittlungsstand um den 25 Jahre alten Alek Minassian. Der Mann stammt offenbar aus Richmond Hill im Norden Torontos. Minassian ist seit 2011 Student am Seneca College, wie seinem Profil im sozialen Netzwerk LinkedIn zu entnehmen ist. Er soll laut einem Bericht des britischen „Telegraph“ mehrere Apps entwickelt haben, darunter eine, die bei der Parkplatzsuche in Toronto hilft.

Täter soll ein Einzelgänger gewesen sein

Ein Kommilitone Minassians beschrieb den 25-Jährigen gegenüber CBC News als zurückgezogen lebenden Einzelgänger: „Ich bin mir nicht sicher, ob er überhaupt enge Freunde hatte“, so der Studienkollege. Er habe ihn nie mit Freunden gesehen, auf dem Campus habe er sich meistens allein bewegt, auch in der Mensa habe er meist allein gesessen.

Die Wohnung Minassians wurde wenige Stunden nach der Tat durchsucht. Polizeichef Saunders sagte der Presse, Minassian sei der Polizei bisher nicht bekannt gewesen. „Nichts deutet derzeit darauf hin, dass die nationale Sicherheit gefährdet war“, sagte Saunders auf die Frage, ob es Verbindungen zum internationalen Terrorismus gab.

Wie unter anderem NBC News berichtet, war Minassian offenbar an einer Online-Diskussion über den Amokläufer von Santa Barbara, Elliot Rodger, beteiligt. Rodger hatte 2014 sechs Menschen in der kalifornischen Stadt erschossen und acht weitere verletzt, bevor er sich tötete.

Im Video: Vorfall in Kanada - Van rast in Menschenmenge in Toronto - 10 Tote und 16 Verletzte

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