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Verdienen am Absturz: Wer Wirecard am Boden sehen will

Finanzen. Viele Anleger haben durch den Absturz der Wirecard-Aktie ein Haufen Geld verloren. Andere hingegen haben satte Gewinne eingefahren. Derzeit wetten diese Fonds gegen den Dax-Konzern.

Worum geht's eigentlich? Erfahren Sie hier mehr zur Wirecard-Affäre

Von knapp 200 Euro auf etwas mehr als die Hälfte: Noch vor weniger als einem halben Jahr feierte die Börse Wirecard. Nach einer rasanten Kursentwicklung stieg der Zahlungsdienstleister in den Dax auf und verdrängte dort die Commerzbank. Doch dann kam der Absturz nachdem die "Financial Times" in mehreren Artikeln Zweifel an den Geschäftszahlen von Wirecard gesät hatte. Fast neun Milliarden Euro an Börsenwert gingen verloren.

Manche Anleger aber freut der Absturz. Sie haben auf sinkende Kurse gesetzt und mit den Turbulenzen rund um die Aktien eine Menge Geld verdient. Einer ist der Fonds Odey Asset Management beispielsweise. Die Londoner kleckern nicht, sondern klotzen: Mit derzeit etwa 95.000 leerverkauften Aktien wettet der Hedgefonds mit über 97,5 Millionen Euro gegen den Zahlungsdienstleister aus Aschheim. Das geht aus Meldungen im Bundesanzeiger hervor. Und Odey ist nur einer von vielen größeren wie kleineren Investoren, die Wirecard derzeit im Visier haben.

Für die Londoner dürfte sich das Investment bereits bezahlt gemacht haben. Bei einem Leerverkauf leiht sich ein Investor Aktien, um diese nach einem Kurseinbruch billig zurückzukaufen. Die Differenz ist dabei sein Gewinn.

Für die Londoner dürfte sich das Investment bereits bezahlt gemacht haben. Bei einem Leerverkauf leiht sich ein Investor Aktien, um diese nach einem Kurseinbruch billig zurückzukaufen. Die Differenz ist dabei sein Gewinn.

Schon seit dem 30. Januar – der Tag des ersten kritischen Artikel der "Financial Times" zu angeblich gefälschten Verträgen bei Wirecard – wettet Odey gegen den Konzern. Damals verkaufte der Hedgefonds 0,56 Prozent der Aktien leer. Damaliger Wert des Pakets (Schlusskurs): 103,1 Millionen Euro. Derzeitiger Wert eines gleich großen Anteils: Nur noch 70,4 Millionen Euro.

Auch Kanadas Pensionsfonds wettet gegen Wirecard

Odey dürfte mit seiner Wette also über 30 Millionen Euro im Plus liegen, die nachfolgenden vier Aufstockungen der Leerverkaufsposition noch gar nicht berücksichtigt. Daneben spekulieren seit kurzem auch der New Yorker Hedgefonds Slate Path Asset Management und sogar das Canada Pension Plan Investment Board (CCPIB), der Vermögensverwalter des kanadischen Pensionssystems, gegen Wirecard.

Odey dürfte mit seiner Wette also über 30 Millionen Euro im Plus liegen, die nachfolgenden vier Aufstockungen der Leerverkaufsposition noch gar nicht berücksichtigt. Daneben spekulieren seit kurzem auch der New Yorker Hedgefonds Slate Path Asset Management und sogar das Canada Pension Plan Investment Board (CCPIB), der Vermögensverwalter des kanadischen Pensionssystems, gegen Wirecard.

Mit Leerverkaufspositionsgrößen von 1,25 respektive 0,36 Prozent sind hier nochmal 157 Millionen beziehungsweise 45 Millionen Euro gegen Wirecard gesetzt, gemessen am derzeitigen Kurswert. Diese drei Investoren sind auch nur die Leerverkäufer alter Schule, die direkt über die Aktie gegen Wirecard wetten. Dazu dürften noch unzählige weitere Geier kommen, die mittels Derivaten auf den Niedergang der Aschheimer spekulieren.

Mit Leerverkaufspositionsgrößen von 1,25 respektive 0,36 Prozent sind hier nochmal 157 Millionen beziehungsweise 45 Millionen Euro gegen Wirecard gesetzt, gemessen am derzeitigen Kurswert. Diese drei Investoren sind auch nur die Leerverkäufer alter Schule, die direkt über die Aktie gegen Wirecard wetten. Dazu dürften noch unzählige weitere Geier kommen, die mittels Derivaten auf den Niedergang der Aschheimer spekulieren.

Nicht zum ersten Mal in der Schussbahn

Wirecard ist damit schon zum vierten Mal in die Schussbahn geraten. Bereits 2008, 2015 und 2016 gab es Leerverkaufsattacken gegen den Konzern, wobei allerdings die Leerverkäufer mit desaströsen Analysen nachhelfen wollten.

So etwa das selbsternannte Researchhaus Zatarra Research. Im Februar 2016 gab Zatarra einen kritischen Report über Wirecard heraus. Kursziel: 0 Euro. Damals notierte die Aktie bei rund 40 Euro. Zatarras Anschuldigungen erwiesen sich als haltlos, die Börsenaufsicht verurteilte den Bericht als Marktmanipulation. Kurz danach verschwand Zatarra von der Bildfläche, und Wirecards Stratosphärenflug begann.

Zatarra ist ein typischer Fall: Für ein vermeintlich leichtes Ziel wird ein Report fabriziert, für den über Twitter und andere soziale Medien kräftig getrommelt wird. Misslingt die Attacke, verschwindet das “Researchhaus” wieder. Nur wenige Investoren halten sich länger als reine Shortseller, schon allein, weil schlechte Aktien in einem bullischen Gesamtmarkt oft trotzdem steigen.

Die Leerverkäufer sind dieses Mal nicht die Angreifer

Allerdings ist es dieses Mal anders. Weder hat der "Angreifer" – die “Financial Times” mit drei kritischen Berichten zu Wirecard – ein finanzielles Motiv, noch sind die Shortseller kleine Buden, die mit übler Nachrede einen schnellen Gewinn erzielen wollen. Odey Asset Management etwa verwaltet seit 1991 Vermögen und betreut in 16 verschiedene Fonds rund 1,19 Milliarden Dollar (890 Millionen Euro).

Der in London beheimatete Fonds trägt den Namen seines Gründers, Crispin Odey, der in Großbritannien einen Ruf als geschickter Investor, aber auch als Permabär genießt – das heißt, Odey blickt praktisch dauerhaft pessimistisch auf den Markt. Bei Wirecard hat Odey hoch gepokert – und bislang Recht behalten. Passenderweise lernte Odey sein Handwerk bei Barings. Die britische Traditionsbank ging selbst an einem Bilanzskandal zugrunde.

Der in London beheimatete Fonds trägt den Namen seines Gründers, Crispin Odey, der in Großbritannien einen Ruf als geschickter Investor, aber auch als Permabär genießt – das heißt, Odey blickt praktisch dauerhaft pessimistisch auf den Markt. Bei Wirecard hat Odey hoch gepokert – und bislang Recht behalten. Passenderweise lernte Odey sein Handwerk bei Barings. Die britische Traditionsbank ging selbst an einem Bilanzskandal zugrunde.

Auch Slate Path und CCPIB gehören nicht zu dem Kaliber Shortseller, die persönlich für den Kursrutsch sorgen. Dem Investoren-Tracker WhaleWisdom zufolge verwaltet der New Yorker Hedgefonds 3,8 Milliarden US-Dollar für gerade mal sieben Kunden. Sowohl Odey als auch Slate Path sind aber Zwerge, verglichen mit CCPIB: Der Pensionsfonds legt für die rund 20 Millionen Mitglieder des Canada Pension Plans fast 370 Milliarden US-Dollar an.

Für Wirecard-Anleger macht das die Affäre aber noch unangenehmer: Wenn solche Giganten die Vorwürfe der “Financial Times” für sich instrumentalisieren, ist die Lage ernst. Gerade ein Investor wie CCPIB würde keinesfalls leerverkaufen, wenn die Kritik aus der Luft gegriffen wäre, wie bei der Schmierkampagne Zatarras.

Im schlimmsten Falle aber bewahrheitet sich sogar, was Zatarra damals behauptete: Bei Wirecard läuft nicht alles sauber. Damit wäre die Erfolgsstory Wirecard dahin.

Im schlimmsten Falle aber bewahrheitet sich sogar, was Zatarra damals behauptete: Bei Wirecard läuft nicht alles sauber. Damit wäre die Erfolgsstory Wirecard dahin.

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