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Medienbericht: FBI-Dokumente belasten neuen VW-Chef Herbert Diess

Finanzen. Volkswagen befreite sich langsam wieder von den Negativ-Schlagzeilen – dann der nächste Paukenschlag in der Affäre um manipulierte Diesel: Die US-Justiz hat Anklage gegen Ex-VW-Konzernchef Martin Winterkorn erhoben. Lesen Sie die Entwicklungen hier im News-Ticker von FOCUS Online.

Diess soll frühzeitig über Betrugssoftware und drohende Milliarden-Strafen informiert worden sein

Sonntag, 13. Mai, 07.40 Uhr: Der neue VW-Vorstandschef Herbert Diess ist in die Abgas-Affäre tiefer verstrickt als bisher bekannt. Das geht aus vertraulichen Dokumenten der US-Bundespolizei FBI hervor, die „Bild am Sonntag“ vorliegen. Demnach wurde er bereits Wochen vor Bekanntwerden des Diesel-Skandals über die Betrugssoftware und die finanziellen Folgen für den Konzern informiert.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt unter anderem gegen Diess wegen des Vorwurfs der Marktmanipulation. Diess und der damalige Konzernchef Martin Winterkorn sollen Öffentlichkeit und Anlegern Milliardenrisiken verschwiegen haben. Volkswagen bestreitet die Vorwürfe.

Es geht um die entscheidenden Wochen, bevor die Abgas-Manipulationen am 18. September publik wurden. Laut „Bild am Sonntag“ erklärte der damalige VW-Manager Oliver Schmidt in seiner FBI-Vernehmung: Er habe Diess bereits am 25. August 2015 vor den gewaltigen finanziellen Folgen gewarnt. Schmidt sitzt wegen des Abgasbetruges in den USA im Gefängnis ein. Auf Anfrage bestätigt VW das Treffen, erklärt aber dazu: „Sofern Herr Schmidt überhaupt den gesetzlichen Maximalstrafrahmen erwähnt haben sollte, hat er jedenfalls nicht erklärt, dass mit konkreten Strafzahlungen in dieser Höhe zu rechnen sei.“

„Bild am Sonntag“ liegt die VW-interne Präsentation aus der Besprechung mit Diess vor. US-Ermittler haben sie für die FBI-Akten ins Englische übersetzt. Darin heißt es auf der ersten Folie: „Übersicht der Strafzahlungen ‚Defeat Device‘“. Die Nennung dieses juristischen Begriffs in einer Unterlage für den Vorstand ist brisant: Denn VW behauptet bislang, dass damals nicht klar gewesen sei, ob es sich wirklich um ein sogenannten „Defeat Device“ handelt.

Konkret werden in dem Dokument zudem die finanziellen Risiken aufgelistet. Demnach würden sich die „max. Strafzahlungen ohne Kanada“ bei insgesamt 482.006 betroffenen Fahrzeugen in den USA auf mehr als 18 Milliarden Dollar belaufen. Weitere Kosten kämen auf VW zu, weil ältere Fahrzeuge womöglich zurückgekauft und außer Landes gebracht werden müssten.

VW betont, dass der Konzern zum damaligen Zeitpunkt von einer deutlich geringeren Strafzahlung ausgegangen sei. Denn bei Verstößen gegen US-Umweltgesetze hätten Autohersteller nur moderate Bußgelder zahlen müssen, so Volkswagen.

Im Video: Willkommen im Wirtschaftskrieg: Wie der Kuschelkurs mit VW Deutschlands Industrie beschädigt

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