Elisa Thaute

Samtpfoten kratzen an Haustüren

Senftenberg. Mit dem Instinkt von Überlebenskünstlern suchen "wilde Katzen" die warmen Stuben der Tierschützer

Es wird kalt im Landkreis, die Komposthaufen der Kleingartenanlagen sind leer gefressen, Mäuse und Vögel knapp. Mit dem Instinkt von Überlebenskünstlern schnurren sie nun wieder um die Häuser der zivilisierten Seenländer - die "wilden Katzen". Immer in der Hoffnung ein gerührtes Menschenherz zu finden und eine Hand, die sie füttert. Keine unbegründete Hoffnung, denn wie sagte einst schon Victor Hugo (1802 bis 1885): "Gott schuf die Katze, damit der Mensch einen Tiger zum Streicheln hat." Doch die niedlichen Knuddel-Tiger, oft Nachkommen ausgesetzter oder entlaufener Hauskatzen, haben ein ganz natürliches Problem: Streuner stehen auf freie Liebe! Zwei Mal im Jahr kann eine Katzendame bis zu fünf Junge bekommen. Schnell werden so aus einer Population von 500 wild lebenden Mietzen in einem Jahr 5000. Wie viele sich derzeit heimlich im OSL-Kreis tummeln, können selbst die Südbrandenburger Tierfreunde, das sind 19 Mitglieder eines gemeinnützigen Tierschutzvereins mit Sitz in Senftenberg, nur vermuten. Sie sind es aber, die sich aus Tierliebe ehrenamtlich seit 1998 auch mit dieser Problematik befassen. Den ausgesetzten oder vernachlässigten Haustieren eine "Notaufnahme" als Zwischenstation bis zur Vermittlung bieten, oder so lange pflegen, bis sich Frauchen oder Herrchen eines der Außenreißer bei ihnen melden. Kein Tierheim weit und breit und die Kommunen können oder wollen auch nur das leisten, was das Gesetz vorschreibt, oder die Kämmerer in den Kassen lassen. Genau das ist es, was der Vorsitzenden des Vereins, Mildred Paulick, zunehmend mehr Sorgen bereitet. Besonders weil der Frau und ihren Mitstreitern klar sein dürfte, dass Liebe auch durch den Tiermagen geht. Und das kann für Schützer unserer Mitgeschöpfe recht teuer werden, was nicht allein etwas mit Futter zu tun haben muss. Mildred Paulick dazu: "Die meisten Kosten entstehen uns derzeit durch ausgesetzte, zurückgelassene oder verwilderte Hauskatzen. Die inzwischen sieben Futterstellen für 51 Tiere verschlingen viel Geld, die sich allein aus Mitgliedsbeiträgen nicht mehr lange finanzieren lassen. Was Tiernahrung inzwischen kostet, wissen Haustierbesitzer wohl nur zu gut." Das sieht auch ihre Vereinsfreundin Carina Brüning so, ergänzt aber: "Mit dem Futter allein ist nicht viel geholfen. Auch wenn wir alle Verwaltungskosten, also Telefon, Porto, Papier und Benzin schon aus eigener Tasche bezahlen, bleiben die Kosten für den Tierarzt. Für die Erstuntersuchung wird das bei Fundtieren zwar von der Kommune übernommen, aber damit ist es ja nicht getan." Was Carina Brüning meint, hat etwas mit der Eindämmung der "Streuner-Schwemme" und Folgekosten für Veterinärmediziner  zu tun. "Hätten wir im Land Brandenburg eine Kastrationspflicht für Katzen privater Halter, die freien Auslauf haben, wäre das Problem verhältnismäßig schnell in den Griff zu bekommen. Leider sparen sich ihre Halter den Eingriff, der je nach Geschlecht zwischen 50 und 90 Euro kosten kann; letztlich bleibt es an uns hängen. Bei unseren schmalen Renten wohl recht unfair", sagt Monika Franke, Tierschützerin aus Großräschen. Doch was echte Tierfreunde aus der Seestadt und dem Seenland ausmacht, ist, für die Sache ihrer Schützlinge zu kämpfen. Und so planen sie jetzt die Errichtung eines Mini-Tierheimes in Großräschen, auf dem Grundstück von Cornelia Hantzsch (Foto). Eine Art Auffang- und Quarantänestation für Fundtiere, ausgesetzter oder misshandelter Kreaturen, was etwa 5000 Euro kosten wird. Mildred Paulick ist aber optimistisch, dass das Geld zusammen kommt: "Tierschutz geht uns nämlich alle etwas an und ich bin mir  sicher, dass unsere Mitmenschen ein Herz für diese gute Sache haben werden." Um es wieder mit den Worten von Victor Hugo  zu sagen (Les Misérables): "Tiere sind nichts anderes als die Gesichter unserer Tugenden und Laster." Es werden also Spender gesucht, die dem gemeinnützigen Verein finanzamtstechnisch gestatten, für diesen Zweck Rücklagen zu bilden. Wer  helfen will, findet Informationen, Hintergründe zum Thema "Fundtiere" und Tierschutzgesetz im Netzt unter www.wochenKurier.info.  Die Vereinschefin selbst ist unter Telefon 03573/ 73464 zu erreichen. 

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