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Krebs gezielt bekämpfen

Senftenberg. Eine maßgeschneiderte Krebstherapie ist das Projektziel eines neuen regionalen Wachstumskernes. Darin haben sich Partner aus der Wirtschaft, Medizin und Wissenschaft zusammengeschlossen. Kern des Bündnisses ist das Innovationszentrum in Senftenberg mit einem gemeinsamen Labor.

Mittels detaillierten Informationen über den Zustand eines Patienten sollen eine individualisierte Diagnose und damit eine individuelle Therapie ermöglicht werden. Gemeinsam mit der Technischen Universität Dresden und der Wirtschaft arbeiten die Forscher an entsprechenden Technologien und Software-Lösungen, die gleich mehrere Messwerte auf Basis der digitalen Fluoreszenz automatisiert zusammenführen und auswerten können. »Neu ist, dass wir verschiedene Biomarker zusammenführen wollen, die uns detallierte Informationen über den Zustand eines Patienten geben. Zudem ist die Fluoreszenzmikroskopie ein Verfahren, dass noch detailreichere Informationen über Zellen und Gewebe als die klassische Lichtmikroskopie liefert«, erklärt Prof. Peter Schierack, Leiter des BTU-Fachgebietes Multiparameterdiagnostik, während der Auftaktveranstaltung des regionalen Wachtumskernes.

»Mit dem Projekt wollen wir bahnbrechende Entwicklungen in der personalisierten Medizin bestreiten«, unterstreicht Prof. Dr. Dirk Roggenbuck, Sprecher des Wachstumskernes, und fügt an, dass der Wachstumskern damit einen soliden Beitrag zum Strukturwandel in der Lausitz leisten soll. »Bis 2030 soll das Projekt mit 16 Teilprojekten 130 nachhaltige Arbeitsplätze schaffen«, sagt Roggenbuck.

Wachstumskern-Projekt trifft den Zeitgeist

Für Prof. Dr. Christiane Hipp, amtierende Präsidentin der BTU, passt das Wachstumskern-Projekt »Praemed.Bio« genau in den Zeitgeist. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek habe aktuell die Nationale Dekade gegen Krebs ausgerufen und dafür 62 Millionen Euro in den nächsten Jahren vorgesehen, um neue Forschungskonzepte zu befördern. Für Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sei Krebs eine der größten gesundheitspolitischen Herausforderungen der nächsten Jahre und auch die EU will in den nächsten 20 Jahren den Krebs verstärkt ins Visier nehmen. »Die Kollegen sind seit vielen Jahren an diesen Themen dran, haben wunderbare Grundlagen in Forschung und Transfer geschaffen, um erstens die vielen Meilensteine, die bei der effizienten Therapie von Tumorpatienten anstehen, zu bewältigen aber gleichzeitig auch, um an die vielen neuen Forschungsgelder, die sich hier auftun, partizipieren zu können.« Prof. Hipp sei zuversichtlich, dass bessere Behandlungsmethoden durch die Arbeit des Verbundes in Zukunft möglich sein werden.

Besonders erfreulich ist es laut Prof. Roggenbuck, dass das Deutsche Konsortium für Translationale Krebsforschung des Deutschen Krebsforschungszentrums, eines der nationalen Meinungsbildner auf dem Gebiet der modernen Krebsforschung, für das Bündnis gewonnen werden konnte.

Wie Kathrin Meyer, Ministerialrätin im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), sagt, nehmen Wachstumskerne in der BMBF-Programmfamilie »Unternehmen Region« einen besonderen Stellenwert ein. »Es soll sich ein Bündnis entwickeln, dass nach innen lebt und nach außen sichtbar wird. Gemeinsam sollen Stärken und Poteniale in und um Senftenberg gehoben werden. Ziel ist es, Forschungsergebnisse schneller in die Anwendung zu bringen«, informiert Meyer und fügt an, dass das BMBF das Bündnis mit 8,2 Millionen Euro für die nächsten drei Jahre unterstütze. Wichtig sei jedoch auch, dass die beteiligten Unternehmen sich mit 3,3 Millionen Euro beteiligen. »Praemed.Bio« habe mit seiner Vision das BMBF und die Gutachter überzeugt und sei ein wichtiger Beitrag zum Strukturwandel in der Region.

Siegurd Heinze, Landrat Oberspreewald-Lausitz, und Andreas Fredrich, Bürgermeister in Senftenberg, freuen sich, dass das Innovationszentrum zunehmend seiner einstigen visionären Idee gerecht wird und sicherten jeweils weiterhin ihre Unterstützung zu.

Info

• Das Projekt geht bis 2022. Daran soll sich die Produktentwicklungsphase mit Nachfolgeprojekten anschließen. Nach einer entsprechenden Zertifizierung könnte das System 2026 an den Markt gehen.

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