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Zwischen Hoffen und Bangen

Lauchhammer. Die Corona-Einschränkungen im Handel und in der Gastronomie wollen Einzelhändler und Gastronomen in Lauchhammer nicht länger hinnehmen. Für sie ist ein Öffnen ihrer Geschäfte und Betriebe unabdingbar. Erneut machten sie darauf mit der Aktion »5 nach 12« auf dem Marktplatz aufmerksam.

Rund 70 Gewerbetreibende beteiligten sich an der gemeinsamen Aktion mit dem Verein der Selbständigen Lauchhammer e.V.. Mit Plakaten und Trillerpfeifen forderten sie erneut eine Rückkehr zur Normalität - unter Berücksichtigung entsprechender Hygienekon­zepte.

Mit Mut und mit Augenmaß

Unterstützt wurden sie dieses Mal von der Mittelstandsinitiative Cottbus. Diese setzt sich seit Januar für eine Wiederherstellung des gesellschaftlichen und öffentlichen Lebens ein - mit Mut, mit Augenmaß und mit vernünftigen Argumenten.

Mitinitiator Matthias Schulze: »Aktuell kann der Unternehmer nicht mehr selbstständig über sein Wohl entscheiden. Doch die Initiative will nicht nur Unternehmer ansprechen, sondern alle, die in diesem Boot sitzen. 60 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland sind im Klein- und Mittelstand organisiert. Das sind 54 Prozent der Wertschöpfung in Deutschland. Und wir sind gerade dabei, diese komplett zu zertreten.« Wie Schulze berichtet, gibt es gut ausgeklügelte Hygienekonzepte, die eine Infektion minimieren. »Es ist nie nachgewiesen worden, dass es im Handel, in der Gastronomie und in der Hotelerie zu Hotspots gekommen ist. Bis heute weiß man nicht eindeutig, wo die Infektionensherde sind«, sagt Matthias Schulze und fügt an, dass sich die Mittelstandsinitiative unter anderem dafür einsetzt, Kommunen mehr Kompetenzen einzuräumen: »Wir würden dabei helfen, Kompetenzteams mit Vertretern aus dem Gesundheitswesen, der Medizin, der Wirtschaft und der Verwaltung, aufzubauen, die vor Ort viel schneller und punktuell reagieren könnten. Es muss mehr Mut zum Risiko her, denn die Menschen brauchen eine Perspektive.«


Schulze sprach erneut die Ungerechtigkeit an, die zwischen Supermärkten und Einzelhandelsläden bestehe. Die Forderung der Initiative, den Einzelhandel wieder zu öffnen,  würde die Verkaufsfläche vergrößern und somit das Ansteckungsrisiko verringern. Wie Matthias Schulze informiert, hatten sie am 15. März eine Videoschalte mit Ministerpräsident Diemtar Woidke und Wirtschaftsminister Jörg Steinbach: »Das Ergebnis war ernüchternd. Das tut weh, denn wir wollen als Initiative gern unterstützen.«

Dialogbereitschaft und Planungssicherheit

Wie Marcel Petermann, Leiter der Geschäftsstelle Senftenberg der Industrie- und Handelskammer, vor Ort in Lauchhammer sagt, stehen sie als Verband hinter den Unternehmen. »Wir erleben im direkten Kontakt, wie es den Unternehmen geht und kämpfen uns täglich durch die Verordnung«, sagt Petermann. Für ihn kommt es jetzt auf drei wesentliche Punkte an. Der IHK-Geschäftsstellenleiter spricht von Dialogbereitschaft auf allen Seiten, von Planungssicherheit für die Unternehmen und von einer Gleichbehandlung. »Es braucht eine Perspektive für alle, mit einem Zeitraum, der die Leute noch leben lässt. Dann sind Maßnahmen auch vermittelbar. Wichtig ist, dass sie vor allem praktikabel sind, sonst geht das letzte Fünkchen Akzeptanz verloren. ›Click & Meet‹ etwa ist nicht wirtschaftlich«, betont Marcel Petermann.

Wie Jens Bohge, Geschäftsführer vom Themencamping Grünewalder Lauch und Präsident vom Mitteldeutschen Verband der Camping- und Wohnmobilwirtschaft, berichtet, steht den Unternehmen der Branche das Wasser bis zum Hals: »Nach Mallorca kann ich fliegen aber Campingurlaub in der Lausitz ist gefährlich? Das ist nicht mehr nachvollziehbar. Wenn es keine geregelten Angebote gibt, dann haben wir das Problem des Wildcampens. Wir Campingplatzbetreiber haben Hygienekonzepte und können eine Nachverfolgung sicherstellen.«

Ina Pachtmann, Inhaberin eines Einzelhandelsgeschäftes in Lauchhammer und Mitinitiatorin der Aktion »5 nach 12» in Lauchhammer, freut sich, dass ihre diensttäglichen stillen Aufrufe Zuwachs finden: »Das zeigt die Solidarität unterein­ander. Die Stadt wird so als eine Einheit wahrgenommen.« Wie sie sagt, hatten sie mit der bisherigen erlaubten Öffnung Hoffnung auf bessere Zeiten: »Doch die Stimmung trüb sich wieder ein, wenn wir auf die aktuellen Inzidenzwerte schauen.«

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Pulver der Königin – einst gepriesen, heute verpönt

Doberlug-Kirchhain. Zwei Nichtraucher huldigen noch bis Anfang Januar den Raucherutensilien im Weißgerber-Museum in Doberlug-Kirchhain. Museumsleiter Dr. Andreas Hanslok und der Doberluger Sammler Frank Mende haben mit der Sonderausstellung »Der blaue Dunst – Entstehen und Vergehen des Tabakrauchs« ein sozialgeschichtliches Phänomen der Menschheit in die Museumsräume gebracht. Natürlich musste die Ausstellung wegen der Corona-Auflagen ohne offizielle Eröffnung vor einigen Wochen starten. Bis zum Ausstellungsschluss erhofft sich der Museumschef entsprechend der jeweiligen Zugangsregelung interessierte Besucher. Verliebt in Rauchverzehrer Seit geraumer Zeit treibt den Nichtraucher Andreas Hanslok die Idee für diese Ausstellung um. Mit dem Doberluger Sammler Frank Mende, ebenfalls passionierter Nichtraucher, hat er einen engagierten Partner bei der Gestaltung dieser Schau gefunden. Frank Mende ist glücklich, dass er durch die Ausstellung seine Sammlungsbestände, die bei ihm zu Hause zumeist in Schränken, Kisten und Schachteln aufbewahrt sind, für Besucher präsentieren konnte. »Ich habe meine Sammlungsgegenstände hier neu kennengelernt.« Das betrifft vor allem die vielen so genannten Rauchverzehrer in den unterschiedlichsten Dekors und Gestaltungen vom bellenden Hund bis zum Porzellanliebespärchen. »Irgendwann habe ich mich in die Rauchverzehrer verliebt, die über Jahrzehnte in ziemlich jeder bürgerlichen Familie als Schmuckaccessoires die Wohnzimmer schmückten.« Dazu haben sich im Laufe der Jahre viele andere Utensilien zum Rauchen sowie Werbematerial aller Art für das Rauchen zu seiner Sammlung gesellt. „Es war nicht leicht, die richtige Auswahl von besonderen Gegenständen vom Streichholz bis zum Instrumentarium für das Pfeifenrauchern auszuwählen. »Dafür hatte ich Dr. Hanslok an meiner Seite.« Seit 45 Jahren ist Frank Mende von der Sammelleidenschaft infiziert. Für ihn ist das Sammeln Lebensinhalt und lässt ihn seine seit Jahrzehnten vorhandene Lungenkrankheit besser bewältigen. Die habe nichts mit dem Rauchen zu tun, denn er habe nie im Leben geraucht. Allerdings werden in der Ausstellung zahlreiche Besucher an die eigene Leidenschaft des Rauchens erinnert, die bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts sozial akzeptiert war und zum gesellschaftlichen Leben dazu gehörte und durch Werbung der Tabak- und Zigarettenproduzenten zum Style hochgejubelt wurde. »Natürlich wollen wir mit der Ausstellung keine Werbung für das Rauchen machen, zumal es inzwischen weitestgehend aus dem offiziellen öffentlichen Leben verschwunden ist«, betont Andreas Hanslok. Aber als sozialgeschichtliches Phänomen habe es die gesamte Welt über Jahrhundert geprägt. So führen Texte und Bilder in der Ausstellung durch einen Teil der Kulturgeschichte von den Anfängen in indianischen Kulturen Amerikas über die Griechen, Römer und Germanen. Kolumbus wird zugeschrieben, dass er den Tabak mit nach Europa gebracht habe. Den Siegeszug des Tabaks in Europa beförderte mit der französischen Regentin Katharina von Medici (1519 – 1589) eine Frau, die liebend gern Tabak als »Pulver der Königin« schnupfte. Später wird das Zigarrenrauchen zum Symbol für Reichtum aber auch für Revolution. Für den Schriftsteller Erich Kästner war »Kreativität ohne Rauch nicht denkbar«. Die Tabakpfeife sorgte noch besser dafür, den blauen Dunst lange dampfen zu lassen. Das Rauchen, erfahren Ausstellungsbesucher, war bis ins 20. Jahrhundert Domäne der Männer, erst dann verstanden Frauen wie Marlene Dietrich es als Mittel der Emanzipation. Auch Belege für die Zigarrenproduktion in Doberlug-Kirchhain fehlen in der Ausstellung nicht. Natürlich zeigt die Schau auch die Schädlichkeit des Rauchens und wie sich das Bewusstsein in der Gesellschaft zum Thema Rauchen verändert hat.Zwei Nichtraucher huldigen noch bis Anfang Januar den Raucherutensilien im Weißgerber-Museum in Doberlug-Kirchhain. Museumsleiter Dr. Andreas Hanslok und der Doberluger Sammler Frank Mende haben mit der Sonderausstellung »Der blaue Dunst – Entstehen…

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