Jannis Simons

Lausitzer Sportfreunde wachsen beim Ironman über sich hinaus

Cottbus. Anfang August machte sich eine neunköpfige Gruppe aus der Lausitz auf in die polnische Hafenstadt Gdynia bei Danzig. Dort fand an der Ostseeküste ein Ironman-Event statt, bei dem insgesamt 226 Kilometer in drei verschiedenen Disziplinen absolviert werden.

Ironman (dt. „eiserner Mann“) ist laut Wikipedia ein geschützter Markenname von Triathlon-Wettkämpfen, dessen Rechte bei der World Triathlon Corporation liegen. Umgangssprachlich werde der Begriff für Langdistanz-Triathlon-Wettbewerbe genutzt. 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen heißen die drei Einzeldisziplinen, die jeder Teilnehmer innerhalb von 16 Stunden in der genannten Reihenfolge absolviert haben muss. Der erste Triathlon über die Langdistanz fand 1978 auf Hawaii statt. Mittlerweile gibt es Ironman-Events auf der ganzen Welt. Dabei muss jeder Teilnehmer seine Ausrüstung wie Rennrad, Helm, Neoprenanzug, Laufschuhe usw. selbst tragen. Nicht zu verachten ist auch die Startgebühr von 500€.

Mit Tabea Werger, Artem Hoffmann, Philipp Schwittek, Tobias Heumann, Philipp Sander, Tim Richter, Kevin Karow, Julian Noel und Maik Gubbatz, der beim „Ironman 70.3“ (bei dem die Einzeldistanzen die Hälfte des großen Ironmans betragen) antrat, stellte sich eine Gruppe von Lausitzern aus Cottbus und Umgebung im Alter zwischen 25 und 43 Jahren dieser unglaublichen Herausforderung. Eins vorweg: Alle erreichten sichtlich erschöpft aber überglücklich das Ziel und das auch innerhalb der vorgegeben Zeit von 16 Stunden. Bevor dies möglich war und sich die gesamte Gruppe als „Ironman-Finisher“ feiern konnte, war jedoch eine harte Vorbereitungszeit nötig.

Kevin Karow und Tim Richter, beides Fußballer des VfB Krieschow, konnten mit ihrer Teilnahme am Ironman im vergangenen Jahr in Tallinn einige Freunde für diesen Wettbewerb motivieren. Darunter waren viele Amateurfußballer, die die fußballfreie Zeit während Corona nutzten, um intensiv an ihrer Fitness zu arbeiten. So auch Julian Noel aus Drebkau. Hinter dem 31-Jährigen, der für den SV Einheit Drebkau spielt, liegen acht Monate Vorbereitungszeit. Pro Monat ist er rund 120 km gelaufen, die meisten davon mit seinem einjährigen Sohn Leonardo im Kinderwagen, zweimal die Woche ist er mit dem Rad zur Arbeit gefahren und beim Spremberger Schwimmverein absolvierte er Schwimmtraining. Die größte Herausforderung für alle: Training, Beruf oder Studium und Familie unter einen Hut zu bekommen. „Selbst der Weg zu den Schwiegereltern wurde gejoggt“, berichtet Philipp Schwittek. Tabea Werger, die einzige Frau aus der Lausitzer Sportlergruppe, quälte sich die letzten 30 Kilometer mit Magenkrämpfen ins Ziel. „Ich habe vorher noch nie so diszipliniert auf ein Ziel hingearbeitet“, erzählte sie hinterher jedoch stolz.

Der Zieleinlauf war für alle ein überwältigendes Gefühl, standen doch zahlreiche Freunde und Familienmitglieder dort in der Nähe. „Das war der Moment, für den man so lange und hart trainiert hat“, so Julian Noel. „Sport verbindet. Es war großartig zu erleben, wie jeder Teilnehmer angefeuert und mit allen mitgefiebert wurde“, resümiert Maik Gubbatz. Schnellster Zieleinläufer aus der Lausitz war Artem Hoffmann, Mitglied des Triathlon Spreewald e.V., der die gesamte Strecke in knapp 12 Stunden zurücklegte.

„Einmal und nie wieder“, dachte sich Julian Noel kurz nach dem Zieleinlauf. Doch mittlerweile sei der Muskelkater verflogen. „Ich bin bereit für neue Herausforderungen“, meint er. 2022 findet der Ironman u.a. in Frankfurt/Main statt, an dem sicherlich auch wieder einige Lausitzer an den Start gehen werden.

Statements der Lausitzer „Ironman-Finisher“:

Tabea Werger: „Meine Willensstärke ist durch diesen Wettbewerb sehr gewachsen. Gerade zu Beginn der Vorbereitung schien das Ziel unerreichbar, was es aber umso interessanter gemacht hat.“

Tobias Heumann: „Meine Vorbereitungszeit startete Ende Januar nach meiner Corona-Infektion. Etwas mehr als sechs Stunden pro Woche trainierte ich dafür. Die größte Herausforderung für mich war das Radfahren, da man die Höhenmeter wie in Danzig in unserer Region nicht abfahren konnte.“

Artem Hoffmann: „Meine größte Herausforderung war der Kopf. Gleich am Anfang der Radstrecke wurde ich mit Rückenschmerzen konfrontiert. Der Wille und die Leidenschaft brachte mich jedoch ans Ziel.“

Maik Gubbatz: „Die größte Herausforderung war für mich das Schwimmen, sowohl in der Vorbereitung als auch beim Wettkampf. Durch geschlossene Schwimmhallen in der Corona-Pandemie startete das Schwimmtraining bei Wassertemperaturen von 13 bis 15 Grad im Outdoor-Bereich. Schwimmen in der offenen Ostsee bei Wellengang war auch noch einmal ganz besondere Herausforderung.“

Philipp Schwittek: „Ich nehme von dieser Teilnahme mit, dass die Familie das Wichtigste auf der Welt ist, denn die bedingungslose Unterstützung vor und während des Wettkampfs war ganz entscheidend. So kann man alles in seinem Leben schaffen.“

Kevin Karow: „Letztes Jahr wollten mein Kumpel Timmi und ich bei unserem ersten Ironman in Tallinn einfach mal die Grenzen austesten. Dieses Jahr wollten wir eine weitere coole Geschichte zusammen schreiben. Toll, dass diesmal noch so viele weitere Freunde aus Cottbus und Umgebung dabei waren haben. Das hat die Motivation untereinander natürlich noch einmal gesteigert.“

Philipp Sander: Das Gefühl des Zieleinlaufs war unbeschreiblich nach so einem langen Tag. Da schoss das Adrenalin noch einmal in die Höhe, aber auch ein paar Tränen in die Augen.“

Julian Noel: „Ich nehme mit, dass man jedes Ziel erreichen kann, wenn man bereit ist, alles dafür zu geben. Ich hoffe, dass ich mit meinem Finish andere Menschen dazu inspirieren kann, das Beste aus sich herauszuholen und ihre Ziele zu verfolgen. Es muss ja nicht gleich ein Ironman sein.“

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