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Pilzgefahr lauert auf dem Polenmarkt

WochenKurier-Leser berichtet von Giftpilzen im Angebot

Südbrandenburg. Der schnelle Weg über die Grenze ist nicht nur für Autofahrer oder Raucher lohnend, weil sparsam. Auch Lebensmittel werden dort gern gekauft, in der Saison auch Pilze. Hier sollten potentielle Kunden jedoch genauer hinschauen, denn jüngst sind einem Leser des WochenKurier Giftpilze angeboten worden.

„Ich traute meinen Augen nicht. Der Händler hat wirklich vier Körbe mit Giftlorcheln angeboten“, ist Dirk Gräber aus Meuro noch heute fassungslos. Seit frühester Kindheit sammelt er Pilze, kennt daher den charakteristischen Pilz sehr genau. Den Händler im polnischen ?eknica (Bad Muskauer Grenzübergang) hat er nicht auf die giftige Ware angesprochen. „Was hätte er auch sagen sollen?“, fragt sich Gräber. 

Umso wichtiger sei es ihm, andere Besucher des Marktes auf die Gefahren hinzuweisen. Diese Probleme sind dem Pilzsachverständigen Lutz Helbig aus Drebkau durchaus bekannt. 

Todesfälle bekannt

„Jedes Jahr registrieren wir Vergiftungen und Todesfälle. Die meisten resultieren einfach aus Unwissenheit.“ Die Fühjahrs- oder Giftlorchel ist Helbig zufolge ein überaus häufiger Pilz, der vor allem im April und Mai zu finden ist. Früher galt dieser sogar als essbar. „Man meinte, dass er, wenn er richtig zubereitet ist, genießbar sei. Allerdings ist die Wirkung des Giftes nicht nachvollziehbar.“ 

So nennt Helbig den Fall einer 65-Jährigen, die vor einigen Jahren aufgrund einer Vergiftung mit Giftlorcheln erkrankte. Zuvor gab sie an, diesen Pilz in der Vergangenheit ohne Folgen gegessen zu haben. Helbig: „Gerade das zeigt, wie gefährlich es sein kann, diesen Pilz zu verzehren.“ In Deutschland ist er eindeutig als Giftpilz klassifiziert. Auch im Nachbarland Polen gibt es eine behördliche Liste, die 44 Pilzarten auszeichnet, deren Handel erlaubt ist. „Die Giftlorchel befindet sich nicht darauf“, bestätigt uns Lutz Helbig nach dem Studieren der Liste. Das bedeutet: Der Händler, der Dirk Gräber in ?eknica seine Pilze anbot, hat offenbar gegen geltende Gesetze gehandelt. 

Gesetze hin oder her: Pilzexperte Lutz Helbig mahnt dazu, nur die Pilze zu sich zu nehmen, die man kennt. „Das ist die Grundregel und gilt fürs Sammeln wie für das Einkaufen.“ Wichtig sei auch die Zubereitung: Mindestens 20 Minuten sollten die Pilze erhitzt werden, da einige Arten roh ebenfalls giftig sind (z.B. Halimasch).

Angst davor, beim nächsten Pilzkauf Giftlorcheln zu bekommen, brauchen Sie übrigens nicht haben. Deren Saison ist aktuell beendet.

 

Pilzexperte Lutz Helbig im Interview

Ein Leser des WochenKurier berichtete ja, dass in Polen Giftlorcheln zum Kauf angeboten werden. Kann so etwas auch in Deutschland auch passieren?

Das ist auch in Deutschland mit Grünlingen schon vorgekommen. Hier sollte einerseits der Kunde wachsam sein. Nichts kaufen, was man nicht kennt. Außerdem ist der Markthändler für das verantwortlich, was er verkauft. Er kann also im Vergiftungsfall zur Rechenschaft gezogen werden.

Was raten Sie Sammlern, egal ob sie es gewerblich oder privat tun?

Die alte Regel, die viele schon aus der Kindheit kennen: Sammle nur das, was du auch kennst. Ich denke, dass man damit am besten fährt. Ist man sich doch mal unsicher, stehe ich als Pilzberater gern zur Seite.

Wie oft werden Ihre Dienste in Anspruch genommen?

Im Schnitt um die 50 mal im Jahr werde ich gezielt kontaktiert, um zu beraten. Handybilder nutzen mir jedoch nichts. Konsistenz und Geruch - alles das spielt bei der Feststellung ebenfalls eine Rolle und kann digital nicht erfasst werden.

Egal ob Giftlorchel oder andere Pilze; Warum kommt es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen doch jedes Jahr zu Vergiftungsfällen?

Das hängt natürlich von Person zu Person ab. Wir beobachten aber schon einen Trend, wonach mehr Vergiftungen auftreten, wenn insgesamt weniger Pilze verfügbar sind. Offenbar steigt dann die Risikobereitschaft etwas mitzunehmen, was man eigentlich nicht wirklich kennt.

Wie groß ist das Angebot der heimischen Arten, die essbar sind?

Von derzeit in Brandenburg rund 6.000 nachgewiesenen Arten sind etwa 200 essbar. 200 weitere sind giftig. Der Rest ist unbedeutend und ungenießbar.

Haben Sie einige Tipps für leidenschaftliche Pilzsammler?

Wichtig ist es zu schauen, wo man sammelt. Im Kiefernwald wird man keinen Birkenpilz finden. Vielmehr sollte man schauen, welche Pilze in welchen Biotopen wachsen. Dazu muss man sich die Umgebung gut anschauen. Das Wetter sollte feucht und nicht zu warm sein, etwa 22 Grad. Dann sind die Chancen am besten.

Text und Interview: Jan Hornhauer

 

Für weitere Fragen erreichen Sie Pilzberater Lutz Helbig unter Tel.: 035602 /21736

Infos online unter www.blp-ev.de

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