Sprachförderung in der Schule

Keine Sprache, die wir jemals lernen, werden wir wie unsere Muttersprache einsetzen. Die Sprache, die wir als erstes nach der Geburt hören und die uns durch unsere eigene nonverbale Zeit begleitet ist die, in der wir fluchen und in der wir unsere Gefühle am besten ausdrücken können - ein Leben lang. Die Deutsche Sprache ist eine schwierige Fremdsprache und hält für den Lernenden viele Hürden bereit. Wer aber in Deutschland zur Schule gehen möchte, der braucht wenigstens Grundkenntnisse in Deutsch.

Identitätsentwicklung und Sprache

Was hat Sprache mit unserer Identität zu tun? Wir definieren uns durch die Interaktion mit anderen und sind dabei angewiesen auf Feedback. Kinder benötigen die gemeinsame Sprache als Mittel für die Entwicklung ihrer Identität. Es ist daher wichtig, dass das soziale Umfeld eines Kindes dessen Muttersprache anerkennt und nicht darüber hinweg bügelt. Davon hängt sogar die Bildung eines positiven Selbstbildes ab. Ausgrenzung passiert oft über Sprache, insbesondere auch wegen eines dem Rest der sozialen Gruppe unbekannten Dialekts.

Sprachförderung - aber wie?

Die Diskussion darüber, ob nur Kinder mit ausreichenden Deutschkenntnissen die Schule besuchen dürfen, ist in vollem Gange. ‘Ausreichend’ ist auch bisher nicht klar definiert. Bereits vor Schuleintritt können Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist oder die in einer sozialen Gruppe aufgewachsen sind, wo ein starker Dialekt gesprochen wird von Deutschunterricht profitieren. Dieser muss allerdings kindgerecht und spielerisch gestaltet sein, denn Kinder lernen nicht nur durch Zuhören. Am besten geeignet ist dafür der Besuch einer Kindertagesstätte oder einer ähnlichen Einrichtung, wo die Kinder mit Gleichaltrigen kommunizieren, aber auch die korrekt gesprochene Sprache von Erwachsenen hören. Eine andere Option sind aber auch Plattformen und Apps, die Deutsch Nachhilfe online ermöglichen.

Besonders wichtige Punkte in der Kommunikation mit Kindern sind:

  • Die Zusammenarbeit mit dem Elternhaus des Kindes. Eltern, die eine Muttersprache sprechen, die nicht Deutsch ist, haben oft Vorbehalte, da ihre Kinder nun eine fremde Sprache erlernen, derer sie selbst nicht mächtig sind. Sie befürchten, dass dies einen Keil in das Verhältnis zwischen ihnen und ihren Kindern treiben könnte. Diese Angst ist unbegründet und Eltern sollten darin unterstützt werden, mit ihrem Kind weiterhin in dessen Muttersprache zu kommunizieren. Das Aufwachsen in zwei Sprachen ist eine durchweg positive Sache, die gefördert werden sollte.
  • Die Korrektur muss durch das eigene korrekte Sprechen erfolgen. Kinder theoretisch korrigieren zu wollen, ist fruchtlos, weil es erstens nicht verstanden wird und zweitens bewirkt, dass das Kind sich unverstanden zurückzieht und fortan weniger sprechen wird, weil es kein positives Feedback erhalten hat.
  • Einfache Sätze wählen. Das Kind muss dort abgeholt werden, wo es in seiner sprachlichen Entwicklung steht. Überforderung würde ebenfalls zu einem sprachlichen Rückzug des Kindes führen.
  • Durch das Stellen von Fragen können Kinder zum Erzählen motiviert werden. Im freien Erzählen entsteht Dynamik und dadurch Freude.
  • Die eigenen Handlungen sprachlich zu begleiten. Egal, was man als Erwachsener in Gegenwart eines Kindes ausführt: es ist sinnvoll, die Taten mit erklärenden Worten zu versehen.
  • Kinder lieben Geschichten, sie lieben Gesang und lernen mit Begeisterung Reime/Gedichte. Das kann man sich zunutze machen in der Sprachförderung. In vielen Kindergärten und Kindertagesstätten sind diese Dinge sowieso schon integrativer Bestandteil des Angebotes und können ausgebaut werden. 

Fazit

Es gibt im Prinzip nur ein paar Sachen, die sprachliche Integration verhindern, und die sind relativ offensichtlich. Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, müssen sich akzeptiert fühlen und ihre Andersartigkeit wertgeschätzt werden und nicht Anlass zur Ausgrenzung geben. Es ist für Muttersprachler eine wunderbare Gelegenheit, den eigenen Kulturkreis im Vergleich zu anderen Kulturen zu erleben, Unterschiede festzustellen und diese nicht zu bewerten, sondern anzuerkennen als Teil der Vielfalt, die wir auf der Welt haben.

 

 

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