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Im Bienenstock: Mehr als Honig

In Kreischa eröffnet im April eine Bienenstocktherapie-Station. Menschen mit Atemwegserkrankungen können hier »Bienenluft« inhalieren. Auch Wissenschaftler der TU Dresden beschäftigen sich mit dem Thema.
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Dirk Jäger in der Bienenstocktherapie-Station. Foto: Schramm

Dirk Jäger in der Bienenstocktherapie-Station. Foto: Schramm

 Die Kompetenzen liegen quasi in der Familie: Dirk Jäger ist Hobby-Imker, seine Frau Kinderärztin. »Vor etwa zwei Jahren haben wir das erste Mal von der Bienenstocktherapie gehört«, sagt der 38-Jährige als er in einer kleinen Holzhütte auf dem Gelände der Baumschule Kreiser in Kreischa steht. Insgesamt acht Bienenvölker sind hier in den typischen Beuten untergebracht. »Wenn die Saison beginnt, zählt jedes Volk etwa 50.000 Bienen«, sagt Jäger. Auf einer Bienenkiste sitzt das für die Inhalation notwendige Gerät, über das die Luft aus dem Bienenstock sanft angesaugt und über einen beheizten Schlauch mit Inhalationsmaske am Ende zum Anwender gelangt. In einer Sitzung von 2 x 15 Minuten inhaliert der Patient die Luft aus dem Bienenstock«, erzählt Dirk Jäger. Die Anwender haben dabei selbstverständlich keinen Kontakt zu den Bienen. Die Luft in einem Bienenstock wird neben Flavonoiden, ätherischen Ölen  und Pollen auch von Propolis bestimmt, einer harzähnlichen Substanz, die das Bienenvolk vor Bakterien und Pilzen schützt. »Durch den Flügelschlag der fleißigen Helfer herrscht eine gute Zirkulation«, erzählt der Imker. Der Geruch erinnert etwas kandierte Mandeln – süßlich mit schwacher herb-holziger Note. Seinen Ursprung hat das natürliche Heilverfahren in Osteuropa. Es wurde durch Zufall von Wanderimkern entdeckt, die naturgemäß längere Zeit mit ihren Bienenvölkern leben – auf engstem Raum. »Vor allem Menschen, die an Heuschnupfen, Asthma COPD oder Infektanfälligkeit leiden, nutzen die Bienenstocktherapie«, meint Jäger. So sei das Verfahren beispielsweise in Österreich schon sehr weit verbreitet. Allerdings müssen für die richtige Dosis auch genügend Bienen im Bienenstock sein. Das heißt, die Therapie ist nur zwischen Mai und September – während der Bienenflug-Saison – möglich. Die vorherige Untersuchung durch einen Arzt ist obligatorisch. Seit geraumer Zeit läuft an der Fakultät für Chemie und Lebensmittelchemie der TU Dresden eine wissenschaftliche Studie dazu. Im Kern geht es um die chemische Zusammensetzung der Bienenstockluft.  »Wir sind noch nicht komplett fertig«, sagt Prof. Karl Speer. Für die Wissenschaftler bestand die Herausforderung darin, eine einheitliche nachvollziehbare Messmethode zu entwickeln, die es bis dato noch nicht gab. »Der Bienenstockaufbau, die Größe des Volkes und viele andere Dinge spielen dabei eine Rolle«, sagt Prof. Speer. Die Studie beschränkt sich tatsächlich nur auf die messbaren Inhaltsstoffe. »Inwiefern sich eine positive Wirkung auf den Organismus nachweisen lässt, das müssen Mediziner im Anschluss klären«, so Speer.  Er geht davon aus, dass frühestens im Herbst 2019 erste Ergebnisse vorliegen.

Die Eröffnung der Bienenstocktherapie-Station (Lockwitzer Str. 4) findet am 13. April, von 9 bis 15 Uhr, statt.


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