Roberto Rink

Gastro: Massive Einbußen!

Die Gastro- und Hotelleribranche verzeichnet im Januar 2022 einen dramatischen Umsatzverlust von 60 Prozent im Vergleich zum Januar 2019.
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Lange Lockdowns und strenge Einlassregeln sorgen für leere Stühle bei der hiesigen Gastronomie. Die im Bildvordergung zu sehenden Stühle werden gar für immer leer bleiben, denn sie gehören zum MARIENECK Pirna, was im Frühjahr seine Pforten endgültig schließen wird.                                                            Foto: D. Förster

Lange Lockdowns und strenge Einlassregeln sorgen für leere Stühle bei der hiesigen Gastronomie. Die im Bildvordergung zu sehenden Stühle werden gar für immer leer bleiben, denn sie gehören zum MARIENECK Pirna, was im Frühjahr seine Pforten endgültig schließen wird. Foto: D. Förster

Foto: Daniel Förster

Sachsen. Laut einer Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) verzeichnen Unternehmen der Branche dramatische Umsatzeinbrüche. In Sachsen ist die Situation besonders prekär. An der vom 17. bis 20. Januar 2022 durchgeführten deutschlandweiten DEHOGA-Umfrage nahmen knapp 300 von 5.800 sächsischen Betrieben teil. Von ihnen gaben an, dass über 65 Prozent der Unternehmer die Existenz ihres Betriebes in Gefahr sehen. Bundesweit sind es derweil mit 57 Prozent etwas weniger.
Die Lage ist aber weiter sehr angespannt und das Gastrogewerbe bleibt fest im Griff der Corona-Verordnungen. Die Umsatzeinbrüche liegen im Januar 2022 im Vergleich zu Januar 2019 bundesweit bei satten 50 Prozent, in Sachsen sogar bei 60 Prozent. Verantwortlich dafür sehen 95 Prozent der in Sachsen befragten Unternehmen dabei die 2G und 2Gplus-Zugangsregelungen sowie die Absagen von Veranstaltungen und Messen.
84 Prozent unter Kurzarbeit
»Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt, Frust und Resignation machen sich breit«, sagt DEHOGA-Präsident Guido Zöllick. Er fordert auch eine Verlängerung der Kurzarbeit-Sonderregelungen und Anpassung der Überbrückungshilfen. In Sachsen haben im Januar 84 Prozent der befragten Unternehmen Kurzarbeit angezeigt und mehr als 80 Prozent planen dies für Februar. »Die Unternehmer fühlen sich im Stich gelassen und in ihren Nöten durch die Politik in einem unerträglichen Maße ignoriert«, resümiert Axel Klein, Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Sachsen.
Neben dem Regel-Chaos bei 2Gplus berichten die Hälfte der Befragten von Konflikten mit Gästen und über 35 Prozent von höherem Personalaufwand, um die Regeln einhalten zu können. Ein Drittel der sächsischen Unternehmen schloss aus wirtschaftlichen Gründen ganz die Türen und ging damit ein hohes Risiko ein: Kurzarbeit für die Angestellten.
Beschränkungen aufheben und mehr Unterstützung
Um die Branche noch zu retten müssen schnellstens die 2G und 2Gplus-Beschränkungen sowie Tanzverbote aufgehoben werden, fordern die Befragten. Zudem müssen die Sozialversicherungsbeiträge für die Unternehmen komplett erstattet und die Mehrwertsteuersenkung auf Speisen entfristet werden, fordert Verbandschef Klein: »Um Arbeitsplätze und Beschäftigungsverhältnisse zu sichern, müssen hier vom Land dringend Unterstützungen kommen, denn sonst bleibe in vielen Betriebe das Licht aus.« Diese Maßnahmen finden auch bei den befragten Unternehmern einen hohen Anklang. Zudem wünschen sich viele Betriebe eine Verlängerung der erhöhten Leistungssätze beim Kurzarbeitergeld über den 31. März 2022 hinaus und die Aufstockung der Überbrückungshilfe IV.
Schließungen
Wenn der Trend nicht umgekehrt wird und die Politik die Gastro- und Hotelleriebranche weiter im Stich lässt, ist mit einer großen Insolvenz- und Schließungswelle in diesem Bereich zu rechnen. Nur ein Beispiel dafür ist das MARIENECK auf dem Pirnaer Marktplatz, was im Frühjahr seine Pforten für immer zusperren wird. »Leider haben sich die Umstände und Voraussetzungen derart geändert, dass ich nach einigen schlaflosen Nächten mich dazu entschieden habe, diese Entscheidung genau so zu treffen«, schreibt Besitzer Mario Gabriel.