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Bewaffnete Raubüberfälle in Pirna: Verdächtiger verhaftet

Augenzeugen sagten: Bei seiner Festnahme in der historischen Altstadt lächelte er „selbstgefällig“. Nach mehreren bewaffneten Raubüberfällen in Pirna schnappte die Polizei nun den mutmaßlichen Serienräuber, der bereits per Haftbefehl gesucht wurde.
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Daniel Förster (Text und Fotos)Pirna. Der Spuk ist vorbei Pirnas Einzelhändler können aufatmen. Die unheimliche Überfallserie in der Altstadt dürfte ein Ende haben, genauso das tagtägliche Zittern vor jedem Ladenschluss. Die Polizei hat den mutmaßlichen Serienräuber, der seit etwa einem halben Jahr in der Altstadt mehrere Verkäuferinnen bedroht und jeweils die Kasseneinnahmen in den Geschäften geraubt hat, dingfest gemacht. Eine Fußstreife aus uniformierten Beamten des Polizeireviers Pirna stellte ihn in Begleitung einer Frau in den letzten Stunden des alten Jahres in der Fußgängerzone. Der Treffer gelang den Ordnungshütern am Sonnabendvormittag, gegen 10 Uhr, an der Dohnaischen Straße zur Schuhgasse vor einer Bäckereifiliale. Die beiden waren dort den Polizisten über den Weg gelaufen. Obwohl der tatverdächtige Räuber sich eine graue Mütze bis tief über die Stirn gezogen hatte und eine Brille trug, erkannte ihn der Polizeihauptmeister „sofort“ als den Gesuchten. Der 40-Jährige sprach den hageren, schlanken Mann an, forderte ihn auf sich auszuweisen, was dieser auch tat. Dann ging alles blitzschnell. Der Polizist nahm ihn auf die eine Straßenseite, seine Kollegin, eine Polizeimeister-Anwärterin, die Frau auf die andere. Direkt vor dem vergitterten Fenster einer Hauswand klickten kurz darauf die Handschellen. „Der Mann ließ sich widerstandslos festnehmen“, sagen Augenzeugen. Seine Begleiterin fing an, zu weinen. Wenig später kamen drei Streifenwagen angebraust. „Als sie ihn in das Auto setzen, hatte er ein selbstgefälliges Lächeln im Gesicht“, berichtet ein Passant. Auch seine Begleiterin nahmen die Polizisten mit. Am frühen Nachmittag wurde der dringend Tatverdächtige nach Dresden zum Haftrichter gefahren und vorgeführt. Der ordnete unverzüglich Untersuchungshaft an. Die Ermittler indes sind froh, dass sie den Altstadt-Räuber geschnappt haben. Seit dem vierten Überfall zwei Tage vor Heiligabend hatte die Polizei mit Hochdruck nach ihm gefahndet. Dabei half ihnen kurz vorm Fest ein entscheidender Zeugenhinweis auf das nochmals veröffentlichte Phantombild. Dadurch gelang es der Kriminalpolizei, den mutmaßlichen Täter, von dem es bis dato nur eine Zeichnung samt Beschreibung gab, überhaupt zu identifizieren: Friedhelm L., 69 Jahre, ein gebürtiger Nordrhein-Westfale mit erheblichen Vorstrafen. Ihn hatte es offenbar erst vor einigen Monaten in die Region verschlagen hat. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Pirna wurde der Mann, der keinen festen Wohnsitz hat, seit kurz nach Weihnachten per Haftbefehl gesucht - wegen vier schweren Raubüberfällen in Pirnas Altstadt. Zwischenzeitlich hatten die Beamten zwei Wohnungen auch in der Pirnaer Innenstadt, die der Mann allerdings unter falschen Personalien gemietet hatte, durchsucht. „Wir waren ihm seit Ende der Woche dicht auf den Fersen“, sagt ein Ermittler. Jedoch waren die Wohnungen verlassen und teilweise leer geräumt. Schließlich gelang der Coup auf offener Straße. Dabei war es wohl eher zufällig, denn der Polizist hatte sich gerade umgedreht, als er den Verdächtigen erkannte und kontrollierte.Der Festgenommene steht in dringendem Verdacht, seit dem Sommer vier Einzelhandels-Geschäfte in der Pirnaer Altstadt überfallen zu haben. Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen gilt als ziemlich sicher, dass der Pistolenmann für den letzten Raub am 22. Dezember 2016 auf die 42-jährige Verkäuferin im Mode Express an der Dohnaischen Straße verantwortlich ist. „Dafür sprechen die Hinweise, die sich auf ihn verdichtet haben“, so ein Ermittler. Aber auch die Überfälle auf die 60-jährige Inhaberin der Mode Galerie auf der Gartenstraße am 16. Dezember 2016, auf die Angestellte des Wein-, Spirituosen- und Feinkostladen „Vom Fass“ in der Barbiergasse am 16. September 2016, und auf das Modegeschäft „Funky Town“ auf der Schuhgasse am 20. August 2016 sollen auf sein Konto gehen. Alle Taten verliefen nach gleichem Muster: Jedes Mal kam der Räuber kurz vor Ladenschluss. Unmaskiert und zunächst völlig unauffällig ging er auf Verkäuferinnen zu, die allein im Geschäft waren. Jedes Mal bedrängte er sie plötzlich, drohte mit vorgehaltener Pistole. Jedes Mal zwang er die Frauen in den hinteren Geschäftsraum bzw. in die Umkleidekabine und fesselte sie meist mit Kabelbindern, bevor er in die Kasse langte und flüchtete. Der Pistolenmann war in zwei Fällen offenbar besonders abgebrüht. Er überfiel die Geschäfte, obwohl die Polizei in unmittelbarer Nähe vor Ort war. (df)