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Ein Stück Geschichte auf Litfasssäulen

Weesenstein. Sonderausstellung „Böhmen ist mein Heimatland“ bis 31. März auf Schloss Weesenstein

Im Zeitalter der Digitalisierung wirken Litfasssäulen etwas nostalgisch. Früher waren sie sehr verbreitet und beliebt für Bekanntmachungen aller Art. Deshalb hatten Matthias Donath und Lars-Arne Dannenberg auch ein „gutes Händchen“, als sie dieses „Relikt der Vergangenheit“ für ihre neue Sonderausstellung auf Schloss Weesenstein nutzten, um ein Stück Geschichte darzustellen: das Leben von Deutschen und Tschechen in Nordböhmen von 1918 bis 1945. Ein Thema, das nicht ganz einfach ist und das sie mit vielen Hintergrundinformationen aufarbeiteten.

Schon der Titel „Böhmen ist mein Heimatland“ lässt aufhorchen. Wohl kaum einer weiß, dass in der tschechischen Nationalhymne gefragt wird „Wo ist mein Heimatland?“ Damals gaben auch Deutsche ganz selbstverständlich die Antwort: Böhmen; denn Böhmen war ein Land, in dem zwei Völker weitgehend friedlich zusammen lebten. Auch die 1918 gegründete Tschechoslowakei war Heimat von Einwohnern deutscher Sprache. Die Ausstellung erzählt von den hellen und dunklen Seiten dieses Zusammenlebens.

Dazu arbeiteten die beiden Historiker eng mit nordböhmischen Museen zusammen, von denen sie zahlreiche Leihgaben für die Ausstellung erhielten. So sind neben Gebrauchsgegenständen des täglichen Lebens, wie eine Liwanzen-Pfanne für die Zubereitung der traditionellen böhmischen Süßspeise, auch Fotos, Plakate, Uniformen, Medaillen u. a. Zeitdokumente zu sehen.    

Vor allem aber zeigt die Ausstellung  die Ursachen für das Anwachsen des Zwiespaltes zwischen den in Nordböhmen lebenden Deutschen und Tschechen, die Bemühungen um ihre politische Lösung und die immer häufiger auftretende Gewalt. 

In der Begleitbroschüre, die sowie die Litfasssäulen zweisprachig ist, erhält man noch mehr Informationen über die historischen Ereignisse:  wie es zur Sudetenkrise, zum Münchner Abkommen, zum Reichsgau Sudetenland und schließlich zur Einverleibung der Tschechoslowakei durch Hitler-Deutschland kam.  Letztlich waren es Enttäuschung und Unzufriedenheit  der deutschen Minderheit in der Tschechoslowakei, die zur Radikalisierung führten. Diese war ein guter Nährboden für die Verbreitung der nationalsozialistischen Ideologie. Mehrheitlich begrüßte die deutschsprachige Bevölkerung den Anschluss an das Deutsche Reich und feierte Hitler als „Befreier des Sudetenlandes“.

Als nach dem 2. Weltkrieg die Tschechoslowakische Republik in den Grenzen vor dem Münchner Abkommen  neu entstand, mussten 3,5 Millionen Deutsche das Land verlassen. Damit endete das Zusammenleben von Deutschen und Tschechen in Böhmen.

Die interessante Ausstellung, die bis zum 31. März auf Schloss Weesenstein zu sehen ist, wird von Vorträgen, Sonderführungen und einer Busexkursion in die Grenzregion Tschechiens begleitet. Danach wird sie im Schloss Decin und anschließend im Stadtmuseum  Usti gezeigt.     (gs)

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