Carmen Wolodtschenko

Sternstunden und Schrecksekunden

Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. 1.111 Mal Themen der Region und interessante Menschen im Blickpunkt

Wenn man wie ich, seit über 19 Jahren die WochenKurier-Redaktion in Pirna betreut, dann  haben sich eine ganze Reihe von Erlebnissen und Ereignissen eingeprägt.Sebnitz. Ich werde nie vergessen, wie ich 2002 nach der Jahrhundertflut mit Betroffenen sprach, die zwar verzweifelt aber dennoch von  dem Willen sprühten, nicht aufzugeben. Die Tischlerei  Werner  in Dohna wurde durch die Flut regelrecht weggespült.  Vater und Sohn hatten zwei Wochen später demonstrativ ein Schild an die Firma geklebt: "Wir machen weiter!" Damals lernte ich auch eine Frau aus Dresden-Gompitz kennen, die für Wochen ihren Job als Versicherungsmitarbeiterin "an den Nagel" hängte, um in Heidenau ein Lager für Hilfsgüter zu managen. "Ich konnte nicht anders, als mit zuzupacken, nachdem sich bei mir Bekannte und Geschäftsleute meldeten und  Spenden brachten" erinnerte sich Marianne Linge Wochen später. Dabei war sie selbst alles andere als finanziell auf Rosen gebettet. Und wenn ich an die folgenden Jahre denke, was in der Region wieder oder neu entstanden ist  dann darf man  schon stolz sein.Völlig neu ist die Toskana-Therme Bad Schandau entstanden. Sie ist  heute ein Besuchermagnet, übrigens mit vielen tschechischen Gästen. In Pirna wurde 2011das neue Domizil der Musikschule  in der Küttner-Villa eingeweiht.  Erste Pläne zum Ausbau des Hauses gab es schon 2001. Aber die Fluten der Gottleuba ließen auch dort die musikalischen Träume vorerst untergehen. Es gab aber auch manche Flops. So bewahre ich  noch heute ein Exposé auf, das die grandiose Umgestaltung des Schlosses Sonnenstein zum  Wellness-und Spa-Hotel beschreibt.   2002 sollte das Vorzeigeobjekt eröffnen. Dann passierte lange  nichts und viele hatten jegliche Hoffnungen aufgegeben, dass dieses historische Gebäudeensemble noch zu retten sei. Der Beschluss des Kreistages dorthin den Landratssitz zu verlegen und mit Pirna die Sanierung  des Stadtbild prägenden Ensembles anzupacken, war ein Glücksgriff.Es gab aber auch Schrecksekunden, die jeder Journalist in seinem Berufsleben  kennt. Ich rede hier nicht von den typischen Druckfehlern und Zahlendrehern. Die sind ärgerlich,  aber nie auszuschließen. Wenn aber auf der Titelseite die  Sächsische Blütenkönigin vorgestellt wird und dann eine Elbfähre auf dem Foto dahindümpelt,  könnte man im Boden versinken. Da wurde einfach in der Setzerei das Foto vertauscht.  Aber noch verrückter wurde es, als in einem Interview mit Rolf Bäns, einem Kulturmanager, der jetzt die Begegnungsstätte der Lebenshilfe in Rathen betreut, das Konterfei eines Autohauschefs herausschaute. Ich wusste nicht, wen ich zuerst anrufen und um "Vergebung" bitten sollte, als sich Rolf Bäns in der Redaktion meldete und die Lage entschärfte. "Wissen Sie, noch nie hatte ich so viele Anrufe wie in den vergangenen Stunden. Das trägt auch zur Bekanntheit bei", meinte er versönlich. Wir haben noch heute guten Kontakt.Für die Nachsicht  bei solchen Pannen, das Interesse an unserem WochenKurier  und die Neugier auf jede neue Ausgabe danke ich unseren Lesern, Kunden und den vielen Partnern. Sie dürfen Sich auf die nächsten 1.111 Ausgaben freuen!    Carmen Wolodtschenko

 

Auch der WochenKurier dokumentierte 2002 den Aufbruchsgeist der Bürger nach der Jahrhundertflut. Faksimile: Wo

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