André Schramm

Schrecklich schicke Brücke

Pirna. In den nächsten drei Jahren wächst das Herzstück der Ortsumgehung Pirna über das Gottleubatal: 918 Meter lang, gut 16 Meter breit und bis zu 70 Meter hoch. Das gefällt nicht jedem.

 »Eine wunderschöne, schlanke und elegante Brücke«, schwärmte die Projektleiterin Barbara Fahland beim Baustart. Auch die Kollegen der Branche seien begeistert von dem, was bis Ende 2021 über der Rottwerndorfer Straße entstehen soll. Die Gottleubatalbrücke ist das technologisch anspruchsvollste Teilprojekt Pirnas neuer Südumfahrung.

18 Meter in den Boden, 70 Meter in den Himmel

»Zunächst müssen Bohrpfähle in den schwierigen Untergrund getrieben werden – bis in eine Tiefe von 18 Metern«, erzählt die Projektleiterin weiter. Die Arbeiten dazu sollen im Februar 2019 starten. Zuvor werden noch die notwendigen Baustraßen eingerichtet. Auf den Pfählen sitzen später die Betonplatte (Fundament) und die Brückenpfeiler – je nach Standort zwischen 21 und 68 Meter hoch. Letzteres entspricht  etwa der Höhe eines 20-Geschossers.  
Erst im Oktober 2018 wurde der Auftrag für das Bauwerk nach europaweiter Ausschreibung an eine internationale Arbeitsgemeinschaft vergeben, der ARGE »BeMo Tunneling« (Dortmund) und »Metrostav a.s.« aus Prag. In der tschechischen Landeshauptstadt werden u.a. die Stahlhohlkästen – der Unterboden der Brücke – gefertigt, die später vom Sonnenstein aus Richtung Pfeiler vorgetrieben werden sollen. Vom »Land« bis zum ersten Kontakt sind immerhin 76 Meter »Luft« zu überwinden. Anschließend ist der Fahrbahnaufbau an der Reihe – zweispurig Richtung Sonnenstein, einspurig zum Zubringer.

Dulig: »Südumfahrung alternativlos«

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) nannte die Südumfahrung »alternativlos«. »Sie ist nicht nur für die Pirnaer wichtig, sondern für die ganze Region«, sagte er mit Blick auf den Verkehr in die Sächsische Schweiz und die kürzeren Wege für Gewerbebetriebe. Besonders froh sei er über das Tempo des Großprojektes. Man lebe schließlich in Zeiten, in denen manches Infrastrukturprojekt sehr lange dauert oder gar nicht erst auf die Strecke kommt.

Weitsprung am Brückenpfeiler?

Für Teile der Sportanlage des LSV Pirna dürften damit spätestens ab 2022 schattige Zeiten anbrechen. Ein Brückenpfeiler wird unmittelbar neben der Tartanbahn errichtet. »Wir sind in engen Abstimmungen mit dem Verein«, sagte Barbara Fahland. So soll beispielsweise eine Weitsprunggrube umgesetzt werden. Baustraßen werden nun, nicht wie ursprünglich geplant, über die Sportanlage, sondern durch die benachbarten Gartenanlage geführt. Ganz ohne Einschränkungen für die Sportler wird es aber nicht gehen. »Wir wollen die Arbeiten in diesem Bereich hinauszögern, so dass die Sportanlage in der kommenden Saison 2019 noch genutzt werden kann«, sagte die Projektleiterin.  Befürchtungen, es könnten später achtlos entsorgte Dinge von der Brücke herabfallen, konnte sie zerstreuen: »Sichergestellt wird das durch zwei Meter hohe Windschutzwände«.

"Steuerfinanzierter Umweltfrevel"

Reichlich Kritik am Vorhaben kam von Umweltverbänden. »Mit dem Seidewitztal, dem Kohlberg, dem Gottleubatal und Pirnas Stadtwald, der Viehleite verläuft die Südumfahrung durch vier Naturschutzgebiete bzw. durch den Lebensraum von Eisvögeln, zahlreichen Fledermausarten, Juchtenkäfern und vielen anderen Tierarten«, sagte Sebastian Schmidt, Vorsitzender der Regionalgruppe »Oberes Elbtal« des Naturschutzbundes Pirna. Er nannte das Projekt eine ökologische Katastrophe und kündigte in Sachen »Ausgleichsmaßnahmen« seine vollste Aufmerksamkeit an. Ganz unbegründet ist diese Fürsorge nicht.  »Zwölf Jahre nach der Fertigstellung der A17 sind 120 Ausgleichsmaßnahmen noch nicht realisiert«, so Schmidt mit Bezug auf eine kleine Anfrage des Grünen-Landtagsabgeordneten Wolfram Günther aus dem Jahr 2017.  Die »Interessengemeinschaft Natur, Umwelt und Heimat« sprach von Umweltfrevel auf Steuerzahlerkosten.

"Gebaut wie geplant"

Unterdessen sind am Ende der Trasse alle Messen gelesen. Die Anbindung an die alte Bundestraße wird – wie geplant – über Ampeln erfolgen.  »Ich bin ein Befürworter der Idee der Königsteiner Bürgerinitiative, auch wenn diese wesentlich mehr kostet und eine größere Fläche verbraucht. Allerdings hat der Bund einen Kreisverkehr klar abgelehnt«, sagte Martin Dulig. Es sei nun wichtig, dass die Südumfahrung fertig und nicht durch neue Planungen in die Länge gezogen werde, so der Minister. Auch von Seiten der DEGES kam die klare Ansage: »Gebaut wird wie geplant«.

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BWclassics mit Jahrhundertweinen?

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