Carmen Wolodtschenko

Dachdecker freuen sich über Lohnplus

Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Aber: Beschäftigte der Baubranche im Landkreis arbeiten sich regelrecht "kaputt"

Für die "höchsten Jobs" steigt der Lohn: Die Dachdecker im Landkreis bekamen mit der Lohnabrechnung im September erstmals drei Prozent mehr Geld.Landkreis. "Ein Dachdec- kergeselle, der Vollzeit arbeitet, hat damit am Monatsende gut 80 Euro mehr in der Tasche ? bei einem Stundenlohn von jetzt 16,51 Euro", rechnet IG BAU-Bezirkschef Jörg Borowski vor. Auch Azubis im heimischen Dachdeckerhandwerk  haben nach Angaben der Gewerkschaft seit September 30 Euro mehr im Portemonnaie. Zudem erhalten Handwerksbetriebe, die ihre Azubis nach der Lehre übernehmen und für mindestens zwölf Monate weiterbeschäftigen, Zuschüsse aus den Sozialkassen. Darüber hinaus wird es ab Februar 2014 ein weiteres Lohn-Plus geben. Das hat die IG BAU bei den Tarifverhandlungen für das Dachdeckerhandwerk durchgesetzt.  So gut diese Botschaft klingt, in der Baubranche herrscht aber bei weitem nicht nur eitel Sonnenschein.Da gegenwärtig wieder um das Rentenalter bzw. Rentenkürzung diskutiert wird, fordert die IG BAU die aktuelle Rentendiskussion auch auf die Beschäftigten auszudehnen, die wegen körperlicher Belastungen krank aus ihrem Job ausscheiden. Altersarmut drohe neben Geringverdienern und Minijobbern vor allem denjenigen, die frühzeitig ihre Beschäftigung aufgeben müssten, weil sie sich regelrecht "kaputt gearbeitet" hätten."Kaum ein Maurer, Dachdecker oder Gerüstbauer im Landkreis erreicht die reguläre Rentenaltersgrenze. Der körperliche Verschleiß im Job ist zu groß. Die meisten schaffen es nicht einmal bis 60 Jahre zu arbeiten. Und dann droht vor dem Erreichen der Altersrente der soziale Abstieg oder sogar Armut", sagt Jörg Borowski. Die Anhebung des Rentenalters auf 67 verschlimmere die Situation weiter.Deshalb müsse die Lücke zwischen unfreiwilligem Ausstieg aus dem Job und der Altersrente überbrückt werden. Wer sein Leben lang hart gearbeitet hat, dürfe nicht Gefahr laufen, kurz vor der Rente in Hartz IV zu stürzen.  "Hier brauchen wir ein Auffangnetz. Wir müssen darauf reagieren, dass der Job auf dem Bau einer der körperlich härtesten ist", so Borowski.  Als Brücke plädiert die IG BAU für ein neues Altersübergangsgeld für die Baubranche. "Dafür brauchen wir eine Kombination aus tarifvertraglichen und gesetzlichen Regeln. Ein solches Modell ist nur dann umsetzbar, wenn sich der Staat auch finanziell beteiligt. Er sollte u. a. die Mittel einbringen, die dann bei den Hartz IV-Leistungen für arbeitslose Bauarbeiter eingespart werden", sagt Borowski.                           (caw)

 

Dachdecker haben mehr Geld in der Lohntüte, aber bis zur Rente können die wenigsten arbeiten. Foto: Petra Berger

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