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Kliniken bitten Bevölkerung um Hilfe

Meißen. Die Corona-Situation im Landkreis Meißen ist dem Landrat zufolge prekär. Es gibt inzwischen Überlegungen, den Katastrophenalarm auszurufen. Die Elblandkliniken bitten unterdessen die Bevölkerung um personelle Unterstützung.

„Wir überlegen aufgrund der sehr hohen Corona-Infektionszahlen und der mehr als angespannten Lage in den Elblandkliniken Katastrophenvoralarm für den Landkreis Meißen auszulösen“, das ist die Botschaft von Landrat Ralf Hänsel nach der heutigen Videokonferenz des Krisenstabes. „Wir erhoffen uns mit diesem Schritt, für die dramatische Lage zu sensibilisieren und dringend benötigtes Pflegepersonal für die Kliniken zu akquirieren“, so der Landrat weiter. Mit dem Katastrophenvoralarm würden die notwendigen Vorbereitungen im Bereich des Brand- und Katastrophenschutzes anlaufen.

Der Sieben-Tage-Inzidenzwert des RKI für den Landkreis Meißen beträgt heute 1.248,9. Gegenüber gestern sind 333 weitere positiv auf das Coronavirus getestete Personen hinzugekommen. Im Landkreis Meißen gibt es damit bislang 25.586 positiv getestete Fälle, von denen sich gegenwärtig 4.861 Personen in behördlich angeordneter Quarantäne befinden. 130 Kontaktpersonen von positiven Fällen wurden abgesondert.

Amtsärztin Simone Bertuleit ergänzte die Zahlen mit folgenden Worten: „Wir erkennen derzeit eine Verdopplung der Infektionszahlen aller zehn Tage, ein Rückgang ist gegenwärtig nicht abzusehen. Die höchsten Anstiege der Infektionen haben wir in den Altersgruppen der 5- bis 14-Jährigen und der 35- bis 59-Jährigen zu verzeichnen. Ausbrüche sind besonders in Alten- und Pflegeheimen sowie Schulen zu sehen.“

Unabhängig vom Status der Quarantäne sind aktuell 120 Einwohnerinnen und Einwohner des Landkreises Meißen als stationär aufgenommen erfasst, davon werden 37 auf der Intensivstation behandelt. Von den 120 hospitalisierten Personen sind 27 geimpft und 93 ungeimpft, von den ITS-erfassten Personen sind vier geimpft und 33 ungeimpft. Mit drei weiteren seit dem Vortag Verstorbenen erhöht sich die Zahl der im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion verstorbenen Personen auf 660.

Rainer Zugehör, Vorstand der Elblandkliniken, informierte im Krisenstab zur Situation in den Elblandkliniken: „Die Lage ist dramatisch und spitzt sich noch schneller zu als ohnehin befürchtet. Uns fehlt Pflegepersonal. Zwar unterstützen uns an jedem der drei Standorte jeweils acht Soldaten der Bundeswehr, aber das ist nicht ausreichend.“

Daher suchen die Elblandkliniken mit einem Appell an die Bevölkerung nach Unterstützung. Personen, die idealerweise über medizinische Vorkenntnisse verfügen und/oder bereits Erfahrungen bei der Arbeit in Kliniken haben sowie für einen Zeitraum von mehr als ein paar Tagen zur Verfügung stehen könnten, werden gebeten, sich bei den Elblandkliniken zu melden. Für eine Kontaktaufnahme stehen die Sekretariate der Verwaltungsdirektion an den drei Standorten bereit:

  • Standort Meißen: Telefon - 03521/7431201
  • Standort Radebeul: Telefon - 0351/8333200
  • Standort Riesa: Telefon - 03525/753013

„Jeder von uns sollte in diesen Tagen seine Aktivitäten genau hinterfragen: muss der Einkaufsbummel jetzt sein, ist dieses oder jenes Treffen jetzt notwendig. Es geht nicht nur um den Schutz der eigenen Gesundheit, sondern auch um die gesamtgesellschaftliche Verantwortung“, appelliert Landrat Ralf Hänsel. „Ich werde noch einmal an meine Amtskollegen der anderen stark betroffenen Landkreise sowie an die Regierung des Freistaates herantreten, um eine gemeinschaftliche und schnelle Lösung für diese prekäre Lage zu erreichen.“

Ab dem morgigen Freitag werden in ganz Sachsen zunächst die Regelungen der Überlastungsstufe gelten.

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Kommentar von PSJ
Mit Aussicht auf die Impfpflicht wird sich wohl keiner melden. Im Gegenteil, es wird noch Personal kündigen.
Kommentar von Uschner
Das ist ihre Jahre lange Misswirtschaft nur auf Gewinn ausgerichtet und nicht zum wohl des Patienten!