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„Wir werden schweren Herzens dem Beruf den Rücken kehren“

Zittau. Nach dem Beschluss einer einrichtungsbezogenen Impfplicht im Gesundheitswesen wird befürchtet, dass sich der Personalmangel verschärft. Ein offener Brief aus Zittau legt nahe, dass diese Befürchtung nicht aus der Luft gegriffen ist.

Ende 2021 wurde eine Impflicht für Beschäftigte im Gesundheitswesen beschlossen. Wer beispielsweise in Krankenhäusern, Arztpraxen, Pflegeheimen oder im Rettungsdienst arbeitet, muss bis 15. März 2022 nachweisen, vollständig geimpft oder genesen zu sein. Ausnahme bilden Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können und dies nachweisen können. Eine vollständige Auflistung aller Einrichtungen, für die die Impfpflicht gilt, steht auf der Website des Bundesgesundheitsministeriums.

Die Reaktionen fielen unterschiedlich aus. Der Deutsche Caritasverband beispielsweise begrüßte die einrichtungsbezogene Impfpflicht. „Die Impfquoten sind gegenwärtig noch zu niedrig, um der Verbreitung des Coronavirus Einhalt zu bieten und insbesondere vulnerable Gruppen angemessen zu schützen“, schreibt der Verband in einer Stellungnahme vom 8. Dezember. 

Die Vorsitzende des Arbeitgeber- und Berufsverbands Privater Pflege (ABVP), Carmen Kurz-Ketterer, hatte sich dagegen schon vor dem Beschluss gegen die Impfpflicht im Gesundheitswesen ausgesprochen. „Es wäre ein völlig falsches Signal, gerade dem Berufsstand, der von Anfang an in der Corona-Pandemie seiner Arbeit weiter und unermüdlich beim Pflegebedürftigen und am Patienten aufopferungsvoll nachgegangen ist, während andere im Homeoffice waren, jetzt auch noch Zwangsmaßnahmen aufzuerlegen“, so Ketterer. Sie befürchtet Trotzreaktionen und damit den Ausfall weiterer Pflegekräfte.

Dass diese Befürchtung nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt ein Brief, mit dem eine Gruppe von Pflegekräften, Rettungsdienstmitarbeitern und anderen im Gesundheitswesen Beschäftigten jetzt an die Öffentlichkeit gingen. Darin wird eine freie Impfentscheidung für alle gefordert. Schon als noch keine Impfstoffe zugelassen waren, habe man sich um die Erkrankten gekümmert, obwohl die Mehrbelastung alle an ihre Grenzen brachte.  „Gemeinsam haben wir es durchgestanden und sind stolz darauf“, heißt es in dem Brief. Man habe in den vergangenen zwei Jahren hautnah erlebt, was die Auswirkungen von Covid-19 bedeuten und erlebe es noch immer. „Wir sind gut ausgebildet und wissen damit umzugehen. Hygiene ist für uns selbstverständlich, und wir wissen uns zu schützen. Infektionskrankheiten gab es schon immer.“ Gegen eine Impfung habe man sich aus verschiedenen Gründen entschieden. Das sei jedermanns gutes Recht.

Jahrelang habe man für wenig Geld die eigene physische und psychische Gesundheit zum Wohle der Gesellschaft geopfert. Jetzt werde man zu einer Impfung gezwungen, die man nicht wolle und es wird mit Berufsverbot gedroht, man werde ausgegrenzt und als unsolidarisch bezeichnet.  „Wir sind enttäuscht und auch sehr verärgert über die jüngsten Entscheidungen der Regierung. Wenn es kein Einlenken der Verantwortlichen gibt, werden wir schweren Herzens unserem Beruf den Rücken kehren.“ Den vollständigen Text des offenen Briefes finden Sie am Ende dieses Artikels.

Verbunden mit dem Brief, hinter dem nach Aussagen der Initiatoren etwa 170 im Gesundheitswesen beschäftigte Menschen aus dem Raum Zittau stehen, ist eine Urkundenaktion. Viele der Beteiligten haben ihre Berufsurkunden gescannt und die persönlichen Daten darauf unkenntlich gemacht. Versehen sind die Urkunden teilweise auch mit persönlichen Anmerkungen wie „Impfpflicht? Ohne mich“. Diese Urkunden sollen an insgesamt acht Stellen verschickt werden (oder wurden es bei Erscheinen dieses Artikels bereits), unter anderem an Ministerpräsident Michael Kretschmer und Gesundheitsministerin Petra Köpping. Dass die Namen unkenntlich gemacht und auch der offene Brief anonym verschickt wird, liegt laut Initiatoren daran, dass man Restriktionen fürchtet.

Impfpflicht „für die Versorgungssituation hochgefährlich“

Im Landkreis sehen nicht nur die Initiatoren des offenen Briefes und der Urkundenaktion die einrichtungsbezogene Impfpflicht kritisch. Man werde der Pflicht nachkommen, sehe es aber aus unterschiedlichen Gründen mehr als kritisch, dass die Auflage exklusiv auf die Gesundheitsbranche angewendet wird, teilt Mathias Krause, Geschäftsführer des Familienunternehmens Kunze, auf Nachfrage mit. Damit sei nicht gemeint, dass es eine grundsätzlich impfkritische Haltung im Unternehmen gebe, vielmehr seien Impfungen jeglicher Art ein probates Mittel im Infektionsschutz und sicher auch ein möglicher Weg aus der Pandemie, so Krause. „Die bereits jetzt schon durch Personalmangel leidgeprüfte und deutlich unterfinanzierte Branche nach einer völlig misslungenen, in Teilen widersprüchlichen und intransparenten Aufklärungs- und Informationskampagne zusätzlich unter Druck zu setzen, ist für die Versorgungssituation im Landkreis Görlitz hochgefährlich“, teilt Mathias Krause mit.

Man hoffe natürlich, dass die Mitarbeiter, die ihren Beruf mit Herzblut ausüben, erhalten bleiben. „Aber die Entscheidung für eine Impfung oder eben nicht und deren Konsequenzen ist eine ganz persönliche, die wir respektieren müssen“, so Krause. Er schätzt, dass in seinem Unternehmen 90 Prozent der Mitarbeiter geimpft sind. Die genaue Abfrage läuft im Hinblick auf die Umsetzung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht aktuell. Allgemein befinde man sich seit geraumer Zeit mit den Mitarbeitern im Gespräch, habe sehr früh eigene Impfangebote organisiert und Fachleute an der Aufklärungsarbeit beteiligt. „In nicht wenigen Fällen beruht die Zurückhaltung der Kolleginnen und Kollegen auf Ängsten, die nicht immer rational erklärt werden können“, so Krause. Aber auch das persönliche Umfeld, Soziale Medien, die Kommunikation von Politikern und Personen öffentlichen Interesses spielten bei dieser Meinungsbildung eine nicht unerhebliche Rolle und erschweren zum Teil eine rationale Entscheidung, die letztlich eine persönliche Risikoabwägung ist.

Ausnahmeregelung bei Überlastung?

Die Managementgesellschaft Gesundheitszentrum des Landkreises Görlitz (MGLG) hat unsere Anfrage zum Thema nicht rechtzeitig beantwortet. Auch von den Johannitern wollten wir wissen, wie sie zu der einrichtungsbezogenen Impfpflicht stehen. Der Kreisverband wollte sich auf unsere Anfrage hin allerdings nicht äußern. Zu erfahren war nur, dass der Verband vergangene Woche das Gespräch mit dem CDU-Landtagsabgeordnetem Dr. Stephan Meyer gesucht hat. Der wiederum teilte Ende vergangene Woche mit, das die einrichtungsbezogene Impfpflicht aus seiner Sicht mehr Probleme schaffe als sie löse.

Er habe in den vergangenen Wochen viele Gespräche in Pflegeheimen und Gesundheitseinrichtungen im Landkreis geführt, um sich ein Bild von den dortigen Herausforderungen zu machen. „Ich nehme die Aussagen aus den Gesprächen mit Pflegepersonal und Geschäftsführungen sehr ernst. Die Einführung einer Impfpflicht im Gesundheitswesen und Pflegebereich sorgt aber eher für zusätzliche Belastungen der dort Tätigen und das dürfen wir nicht riskieren. Deshalb braucht es aus meiner Sicht Regelungen für Ausnahmen, wenn eine Überlastungssituation durch den Wegfall von Beschäftigten droht“, teilt der Landtagsabgeordnete mit. Hier seien Bund und Freistaat gefordert, Regelungen zu finden um eine Überlastung zu verhindern.

„Die Impfung ist aus meiner Sicht ein ganz wichtiger Ansatz, um aus dieser Pandemie herauszukommen, weil sie schwere Krankheitsverläufe verringert und die Kliniken entlastet“, so Meyer. Deshalb sollte aus seiner Sicht auch offen über eine allgemeine Impfpflicht für Risikogruppen mit Vorerkrankungen und ältere Menschen beraten und im Bundestag entschieden werden. Man dürfe auch nicht müde werden, über die Impfungen aufzuklären und niederschwellige Angebote zu machen. Auch der von einigen präferierte sogenannte Totimpfstoff könne einen Beitrag leisten.

 

Der offene Brief im Wortlaut:

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Offener Brief von Pflegekräften, Rettungsdienstmitarbeitern, Therapeuten und anderen
Berufstätigen im Gesundheitsdienst in unserer Region

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Hier ist eine Grenze erreicht, die wir nicht gewillt sind zu überschreiten. Wir werden keinen Eingriff in unsere körperliche Unversehrtheit und in unsere Berufsfreiheit hinnehmen. Wenn es kein Einlenken der Verantwortlichen gibt, werden wir schweren Herzens unserem Beruf den Rücken kehren.  

Wir fordern für alle Menschen eine freie Impfentscheidung!


Mit freundlichen Grüßen 

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Kommentar von Braun
Richtig so, freie Impfentscheidung!
Kommentar von Müller
Ich bin geimpft und geboostert, stelle mich aber trotzdem ganz auf die Seite derer, die diesen Brief geschrieben haben. Das höchste Gut, die Freiheit, aufzugeben für eine Impfung, die von einst 95 % Wirkung auf ??? gesunken ist, stelle ich mittlerweile infrage.
Kommentar von kampfkater
Ohne ihre so wichtige Arbeit abmindern zu wollen: Sie sind nur eine kleine Gruppe, welche „einen Eingriff in ihre körperliche Unversehrtheit“ durch eine Impfung gegen einen PANDEMIE-VIRUS ablehnt! Geht es noch lächerlicher? Haben sie auch dann den „Arsch in der Hose“, einen „Eingriff“ abzulehnen, wenn man ihnen einen Tubus einführen will, weil sie wegen Corona keine Luft mehr bekommen und nicht mehr atmen können? Vielleicht von geimpften Pflegekräften der ITS, die fast umfallen vor Erschöpfung, weil sie ohne wenn und aber die Begriffe Gemeinsam, Gewissenhaftigkeit und Verantwortungsgefühl über ihr persönliches „Recht auf Freiheit“ stellen!!
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