Carola Pönisch

Zirkuswelt trauert um Ernst Günther

Dresden. Am Sonntag, den 19. September, starb der über die Grenzen von Dresden hinaus bekannte Circus-Experte und Journalist Ernst Günther. Er wäre am 8. Oktober 83 Jahre alt geworden.

Nicht nur in Dresden war er als "ErGü" bekannt: Ernst Günther, Journalist, exzellenter Kenner der Zirkusgeschichte und Autor von 21 Büchern über alles, was er zum Thema Zirkus zu erzählen gab.

"Für uns geht eine Ära zu Ende. ErGü war für uns mehr als nur eine Stütze, Berater, Schriftsteller, Historiker, Partner und guter Freund. Er war ein Wegbegleiter seit der ersten Stunde. Er hob gemeinsam mit Ernst-Heinrich Klöden, Ingrid Geier-Busch und Sohn Oliver Geier-Busch den ersten Dresdner Weihnachts-Circus im Jahr 1994 aus der Wiege", sagt Dirk Porn, Sprecher des Dresdner Weihnachtszirkus. "Seine Arbeit für den Dresdner Weihnachts-Circus war von Beginn an mit seiner persönlichen Note geprägt. Er verfasste unzählige Texte und Artikel für die jährlichen Gastspiele und prägte mit seinem Wissen und seinem Stil Generationen. Er war auch der Gründer des Ökumenischen Gottesdienstes, der alljährlich tausende Gäste am zweiten Weihnachtsfeiertag unter der Kuppel unseres Grand-Chapiteau zusammenbringt."

Ernst Günther, Jahrgang 1938, befasste sich seit 1958 mit Geschichte und Gegenwart, Theorie und Praxis von Circus, Varieté und Show. Er arbeitete als Artist und Pantomime am Varieté, studierte Journalistik und war Chefreporter des Sächsischen Tagblatt. Der Dresdner war freiberuflicher Schriftsteller, Artistenmentor, Regisseur und Juror. Als Fachkritiker für Circus und Varieté rezensierte er von 1959 bis 1988 unter dem Pseudonym ErGü die Programme des Dresdner Café Prag.

Als erfolgreicher Autor schrieb er zahlreicher Sach- und Unterhaltungsbücher – darunter der einzige Circus Bestseller nach 1945 „33 Zirkusgeschichten“, die auch in Japan erschienen - außerdem wissenschaftliche Arbeiten, vorrangig zu Circus, Varieté, Magie sowie Spiel- und Drehbücher für Shows und Fernsehfilme, heiter-satirische Texte für Wortkünstler und gestaltete als Texter und Interpret mehr als ein Jahrzehnt Rundfunksendungen. Gelegentlich trat er auch als Moderator und Kabarettist auf.

Offizieller Biograf von Sarrasani

Seit 50 Jahren erforschte Ernst Günther die Sarrasani-Geschichte. Seine Erkenntnisse publizierte er in den Büchern „Sarrasani wie er wirklich war“ (1985-1991) und „SARRASANI Geschichte und Geschichten“ (2005). Ergänzend dazu legte er mit „Der lachende Sarrasani“ ein Anekdotenbuch vor. Trude Stosch-Sarrasani ernannte ihn 1994 zum offiziellen „Biographen des Hauses Sarrasani“.

Ernst Günther wurde mit dem Saltarino-Preis, Literatur- und Medienpreis der Gesellschaft der Circusfreunde, ausgezeichnet.

 

 

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