Carola Pönisch

Wer hat den Cupito gemalt?

Dresden. Johannes Vermeers (1632–1675) „Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster“ gehört zu den bekanntesten Werken. Derzeit wird es in einer ganz besonderen Fassung gezeigt: Mit einem nackten Amor, der einst übermalt wurde. Von wem?

Muss die Geschichte des »Brieflesenden Mädchens« neu erzählt werden? Ja, fast scheint es so. Denn die Annahme, der Maler Jan Vermeer habe den Cupito (nackter Armor) einst selbst ge- und später übermalt, scheint sich nicht zu bestätigen.

Doch der Reihe nach: Entstanden ist das Gemälde um 1657/59, genauer weiß man es nicht.Nach Dresden gelangte es, als das Bild für die Sammlung des sächsischen Kurfürsten Friedrich August II. 1742 in Paris gekauft wurde.

Versteckter Cupito wurde 1979 entdeckt

Die »Briefleserin« hat schon einige Schönheitskuren hinter sich. Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts wurde das Bild in Dresden bereits mehrfach restauriert. So entdeckte man 1979 bei einer Röntgenaufnahme, dass sich an der Wand im Hintergrund des Zimmers ein vollständig übermaltes »Bild im Bild« mit einem nackten Cupido befindet. Annaliese Mayer-Meintschel veröffentlichte diesen Fund 1982, er fand Eingang in zahlreiche Publikationen und die Wissenschaft ging seither davon aus, dass der Künstler selbst den Cupido wieder verwarf und die Rückwand des Raumes selbst übermalte.

Seit Frühjahr 2017 nun arbeitet Gemälderestaurator Christoph Schölzel an der umfassenden Restaurierung des Kunstwerks. Die stark nachgedunkelten Firnisschichten sind bereits abgenommen, die Bildträgerleinwand wurde analysiert, frühere Röntgen- und Infrarotreflektografieaufnahmen sowie Mikroskopuntersuchungen erneut ausgewertet, mehrere Farbproben im Labor für Archäometrie der Hochschule für Bildenden Künste Dresden auf ihre Schichtung und Konsistenz analysiert. Und jetzt sind die Experten der Staatlichen Kunstsammlungen überzeugt: Vermeer hat den Cupito nicht ge- und nicht übermalt.

Wer hat das »Bild im Bild« geschaffen«?

Die Experten sind nun sicher, dass die Übermalung mindestens mehrere Jahrzehnte nach Entstehung des Gemäldes und deutlich nach Vermeers Tod aufgebracht wurde. »Nun, da die Übermalung, die ein wichtiges Element des Gemäldes verdeckt hatte, entfernt ist, betrachten wir dieses Kunstwerk mit gänzlich anderen Augen, während wir auch weiterhin Vermeers Gespür für Licht, Farbe und kompositorische Harmonie bewundern«, sagt zum Beispiel Arthur K. Wheelock, Mitglied der Expertenkommission.

Christoph Schölzel wird sich mit dem »Brieflesenden Mädchen« noch mindestens ein Jahr intensiv befassen, zu aufwändig sind die Arbeiten. Ob er dem Erschaffer des Cupito dabei endlich auf die Spur kommt? Wahrscheinlich eher nicht.

Info

* Bis 16. Juni wird das weltberühmte Gemälde in seinem gegenwärtigen Zwischenzustand in der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister im Semperbau gezeigt

* Über den Fortgang der Untersuchungen und der Restaurierungsarbeiten informiert die Gemäldegalerie Alte Meister: https://gemaeldegalerie.skd.museum/forschung/vermeer/

 

 

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HCR: Sieg zum Saisonabschluss

Großröhrsdorf. Nachdem 446 Zuschauer ein wahres Handballfest in der ersten Hälfte erlebten, wurde es zum Ende noch einmal eng. Der HC Rödertal rettete gegen den TuS Lintfort nach 60 Minuten einen 29:27 (19:10) Sieg. Zum ersten Mal nach langer Verletzungszeit stand Brigita Ivanauskaite wieder im Kader von HCR-Coach Frank Mühlner. Trotz Anwurf für die Gäste feierten die Bienen den ersten Torerfolg der Partie. Nach einem Fehlpassvon Lintfort trieb Tammy Kreibich (4 Tore) den Ball in Richtung des gegnerischen Tors und versuchte selbst abzuschließen. TuS-Torfrau Sabrina Romeike konnte den strammen Wurf nur nach vorne abklatschen lassen, wo Thilde Boesen(1 Tor) bereit stand und zum 1:0 einnetzte. Kurz danach bekam die Kreisläuferin eine Zeitstrafe. Den daudrch vorhandenen Platz nutze Lintfort zum 1:1-Ausgleich. Nachdem die Bienen durch Egle Alesiunaite (4 Tore) wieder in Front gingen, verwertete der TuS zwei Konter zur Führung (2:3 nach acht Minuten). Der HCR war unbeeindruckt –Kreibich und Jessica Jander (3 Tore) erzielten die Tore zum 4:3. Nach dem erneuten Ausgleich übernahm die Mühlner-Sieben das Geschehen auf der Platte und setzte sich mit einem 3:0-Lauf auf 7:4 ab. Der HC Rödertal spielte wie entfesselt. Dererfolgreich abgeschlossene Tempo-Gegenstoß durch Meret Ossenkopp (4 Tore) bedeutete die 11:6-Führung (19. Minute). Die Fans waren begeistert und feierten ihre Mannschaft. In der 21. Minute parierte die wieder glänzend aufgelegte Torfrau Ann Rammer einen Strafwurf der Gäste. Eine Minute später erhöhte Rabea Pollakowski (2 Tore) nach einem Ballgewinn von Victoria Hasselbusch auf 14:8. TuS-Trainerin BettinaGrenz-Klein zog die grüne Karte, um ihre Mannschaft, die völlig von der Rolle war, neu einzustellen. Es brachte nichts ein – die Bienen vergrößerten den Vorsprung mit einem 4:1-Lauf auf 18:9 (28. Minute). Kamila Szczecina (2 Tore)verwertete kurz vor dem Pausenpfiff noch einen Abpraller von Ossenkopp zum 19:10-Zwischenstand. Der HCR war früh aus der Kabine zurück. Ossenkopp eröffnete den zweiten Durchgang mit dem 20:10 nach einem Tempo-Gegenstoß. Julia Mauksch (7/3 Tore) erzielte in der 34. Minute mit einer sehenswerten Einzelaktion das 22:12. Im direkten Gegenzug verkürzte der TuS mit zwei Toren auf 22:14. Die Gäste steckten noch nicht auf und agierten besonders in der Abwehr deutlich aggressiver. Nach 40 Minuten hatten sie sich wieder auf 23:16 herangepirscht. Bienen-Coach Mühlner reagierte und zückte seine zweite grüne Karte. Trotzdem verkürzte Lintfort auf 23:17. Dann hatte Mauksch jede Menge Platz und erhöhte den Vorsprung wieder auf sieben Tore (24:17 nach 43Minuten). Die Gäste sahen ihre Chance. Bis zur 51. Minute war der Vorsprung auf 26:21 geschmolzen.Acht Minuten vor dem Ende durfte Isabel Wolff jubeln, als sie den Ball zum 28:22 über den Block in den Winkel hämmerte. Nach einem 3:0-Lauf war die Mannschaft von Grenz-Klein beim 28:25 in der 55. Minute wieder in Schlagdistanz. Die Fans im Bienenstock spürten, dass die Mannschaft ihre Unterstützung brauchte und erhoben sich von den Sitzen. Die Routiniers Rammer und Alesiunaiteavancierten in der Schlussphase der Partie zu den Matchwinnern. Zunächst parierte die Torfrau einen Strafwurf von Loes Vandewal. Im Gegenzug machte Alesiunaite mit dem 29:25 den Deckel auf die Partie. Den Gästen gelangen in der Schlussphase noch zwei Treffer zum 29:27-Endstand. Nach Abpfiff lagen sich Spielerinnen und Offizielle in den Armen und feierten den langersehnten Sieg. Besonders in der ersten Hälfte spielte die Mühlner-Sieben entfesselt auf und ließ die zuletzt schlechten Vorstellungen in Vergessenheit geraten. In der zweiten Halbzeit verwalteten sie bis zum Ende den großen Vorsprung. Somit beendeten die Rödertalbienen die Saison auf dem neunten Tabellenplatz. HCR-Trainer Frank Mühlner: „Für meine Mannschaft und die Fans ist es natürlich super, dass wir die Saison so beenden konnten. In der ersten Halbzeit haben wir endlich wieder richtig guten Handball gespielt und uns nur auf uns fokussiert. Mit dem großen Vorsprung im Rücken konnte ich dann auch durchwechseln, um fast allen Spielerinnen Einsatzzeit zu geben. Wir beenden die Saison auf einem einstelligen Tabellenplatz. Mit der Rückrunde können wir aber nicht zufrieden sein. Daraus müssen wir unsere Lehren ziehen.“ Florian Triebel Nachdem 446 Zuschauer ein wahres Handballfest in der ersten Hälfte erlebten, wurde es zum Ende noch einmal eng. Der HC Rödertal rettete gegen den TuS Lintfort nach 60 Minuten einen 29:27 (19:10) Sieg. Zum ersten Mal nach langer Verletzungszeit stand…

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