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Verkaufte Karten als Guthaben behalten

Dresden. Wie private Theater versuchen, durch die derzeitige Schließungszeit zu kommen

Mitte März kam das Aus: Um die Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus zu reduzieren, untersagt der Freistaat Sachsen den Betrieb kultureller Einrichtungen bis zunächst 19. April. Wie gehen die privat geführten Theater damit um?

Hoppes Hoftheater in Weißig: »Wir hoffen, dass wir im Juni, Juli und August wieder spielen könnnen«, so Schauspieler Dirk Neumann (Känguru-Chroniken). Bereits im Vorverkauf gekaufte und bezahlte Karten bleiben als Guthaben erhalten, das die Zuschauer für spätere Veranstaltungen nach Wahl nutzen können. »Bis dahin«, so Schauspieler Dirk Neumann (Känguru-Chroniken), »proben wir, solange es noch geht.«

Oscar Hoppe (23), der Enkel von DEFA-Legende Rolf Hoppe († 2018), der in Berlin an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch studiert, schreibt momentan seine Diplomarbeit. Sein geplanter Urlaub an der Ostsee ist ohnehin gestrichen, weil die Inseln alle dicht sind. »Da wird stattdessen Büroarbeit verrichtet und die Technik gewartet«

Dresdner FriedrichstaTT Palast: »Natürlich trifft uns dieser Schritt hart. Für unser Haus ist es ohnehin eine Herausforderung, da wir alle Kosten (Miete, Strom, Gehälter, Künstlerhonorare) ausschließlich über unsere Karteneinnahmen bestreiten. Unsere Künstler sind freischaffende Schauspieler, Musiker, Kabarettisten, die ihren Lebensunterhalt von den Auftritten bestreiten und nun in die gleiche prekäre Situation geraten wie wir. Daher wäre es für uns eine große Unterstützung und Freude, wenn Sie bereits gekauften Tickets nicht zurück geben. Wir versuchen, alle Vostellungen nachzuholen. Vielleicht ist es Ihnen eventuell möglich, Ihre Tickets als Spende zu betrachten, um unser Haus so zu unterstützen und durch die Krise zu helfen«, so die Geschäftsführung.

Comödie Dresden: »Insbesondere für private Kultureinrichtungen, die ohne öffentliche Gelder den Spielbetrieb stemmen müssen, ist die momentane, ungewisse Situation eine große Herausforderung. Wir versuchen unser Publikum dafür zu sensibilisieren, was eine Unterbrechung des Spielbetriebes für Kulturveranstaltende bedeutet: Vor allem die Ticketeinnahmen sind eine wichtige Säule des Kulturbetriebes, die vorübergehend wegbricht – die wirtschaftlichen Auswirkungen können wir derzeit nur vorsichtig schätzen.« Schauspielerin Dorothea Kriegl (34) probt derweil trotz Social Distancing für das Stück »Bonnie & Clyde« auf besondere Art: »Via Skype gehe ich mit meinem Spielpartner Christian Kühn Text und Szenen durch.«

Herkuleskeule Dresden: »Als es heiß herging bei unseren Vorstellungen und nach umjubelten Gastspielen in den großen Theatern hab ich mich schon manchmal bei dem Gedanken ertappt, wie schön wäre eine Verschnaufpause. Und plötzlich ist sie da – als Vollbremsung und ich merke, für mich als Unruhegeist ist das eine Zumutung. Schafft es die Keule wie schon so oft auch diesmal wieder durch die schwierigen Zeiten? Für uns Kabarettisten gibt es ja in der Krise jede Menge Futter. Im Moment fehlt uns aber das Publikum. Das ist wie kalter Entzug. Da freut es mich umso mehr, wenn beim Einkauf mit Handschuh und Mundschutz Leute zu mir sagen: »Hoffentlich spielen Sie bald wieder. Wir brauchen unsere Keule«.

Hans Jancke / Carola Pönisch

 

 

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