Katja Starke

Studie: Im Osten wächst die Zuversicht

Dresden.  Größere Skepsis gegenüber Sicherheit des eigenen Jobs

 Zum Jahreswechsel ist die Stimmung im Osten der Republik deutlich positiver als vor einem Jahr. ). Das zeigen die aktuellen Ergebnisse der monatlich durch-geführten repräsentativen Befragungen zur Allianz Zuversichtsstudie, einem Gemeinschaftsprojekt der Allianz Deutschland AG und der Universität Hohenheim.

 Fast jeder dritte Befragte (32 Prozent) bewertet die Entwicklung Deutschlands in den kommenden zwölf Monaten "mit Zuversicht" oder "mit großer Zuversicht".

Gegenüber dem gleichen Zeitraum 2011 entspricht das einer Steigerung um 13 Prozentpunkte. Im bundesweiten Vergleich der Regionen machen die Neuen Bundesländer damit einen Platz gut und belegen nun den fünften Rang vor Norddeutschland (28 Prozent) und Niedersachsen (23 Prozent). Nur in Hessen ist ein noch größerer Stimmungsaufschwung als in Ostdeutschland zu verzeichnen (plus 15 Prozentpunkte).

 Mit Blick auf die einzelnen Gesellschaftsbereiche fällt das Stimmungsbild im Osten uneinheitlich aus: Die Entwicklung der gesetzlichen Pflege- und Krankenversicherung (20 Prozent; plus fünf Prozentpunkte) wird ebenso optimistischer eingeschätzt wie der Umwelt- und Klimaschutz (34 Prozent; plus vier Prozentpunkte) und die Qualität der Schulen und Universitäten (30 Prozent; plus drei Prozentpunkte).

 Dagegen sind die Ostdeutschen etwas skeptischer für den Arbeitsmarkt (19 Prozent; minus drei Prozentpunkte). "Die Arbeitslosenquote bröckelt und die Steuereinnahmen sprudeln: Im Osten Deutschlands gibt es für viele Menschen gute Gründe, optimistisch ins kommende Jahr zu schauen. Nicht von ungefähr erfährt die Zuversicht für Deutschland einen deutlichen Auftrieb", sagt Prof. Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim, der die Allianz Zuversichtsstudie wissenschaftlich begleitet. "Die Vorkommnisse um den Pannen-Airport in Berlin, die in Kürze ausbleibenden EU-Subventionen für Ostdeutschland und die Diskussion um Fachkräftemangel und drohende Altersarmut tragen jedoch dazu bei, dass die Menschen in Ostdeutschland die Zukunftsperspektiven insgesamt eher verhalten einschätzen. Daher befindet sich die Zuversicht zwischen Ostsee und Erzgebirge weiterhin auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau."

 Persönliche Lebensbereiche bleiben überwiegend auf konstantem Niveau

 Während die Ostdeutschen wesentlich optimistischer für die Zukunft der Republik als vor einem Jahr sind, ist die Zuversicht für das Privatleben nahezu unverändert geblieben: Fast sechs von zehn Befragten (58 Prozent) sind hier guter Dinge.

 Lediglich 13 Prozent der Ostdeutschen plagen Zukunftsängste. Im Vergleich der Regionen rücken die Neuen Bundesländer ins Mittelfeld vor und belegen nun vor Bayern (58 Prozent) und Norddeutschland (53 Prozent) Platz fünf. Neben Hessen (plus 16 Prozentpunkte) ist Ostdeutschland die einzige Region mit einem Stimmungszuwachs für das persönliche Leben.

 Im Winter 2012 verharrt die Zuversicht im Osten der Republik für die einzelnen Lebensbereiche nahezu unverändert auf dem Niveau des vierten Quartals 2011: Vier von sechs Werten sind stabil geblieben. Leichte Stimmungseinbußen gibt es lediglich bei der Sicherheit des eigenen Jobs (47 Prozent; minus fünf Prozentpunkte) und dem eigenen Zuhause (78 Prozent; minus drei Prozentpunkte). Nichtsdestotrotz ist knapp jeder Zweite (49 Prozent) aktuell für die Entwicklung der eigenen Finanzen optimistisch (plus zwei Prozentpunkte).

 Was die Spitzenpositionen der Kategorien anbelangt, ist alles beim Alten geblieben: Das eigene Zuhause (78 Prozent) ist zwar wiederum der größte Zuversichtsträger, allerdings ist der Abstand zum familiären Umfeld (71 Prozent) auf sieben Prozentpunkte geschmolzen. Schlusslicht ist nach wie vor die finanzielle Versorgung im Alter (31 Prozent).

 "Die Menschen in den Neuen Bundesländern sind zurückhaltend mit allzu optimistischen Erwartungen an die Zukunft. Sie warten eher ab, welchen Kurs Deutschland in der Euro-Krise fährt und welche Auswirkungen sich daraus für das eigene Leben ergeben. Von großem Interesse ist auch, wie sich Energie- und Mietkosten tatsächlich entwickeln. Das erklärt, warum sich die Zuversicht fürs Privatleben binnen Jahresfrist kaum verändert hat", sagt Frank Brettschneider. "Es ist daher kaum verwunderlich, dass die Ostdeutschen traditionellen Rückzugsgebieten wie dem eigenen Zuhause und der Familie weiterhin die größte Bedeutung beimessen."

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